Goethes Gretchen, Susanna Margaretha Brandt
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Ein Büchlein aus dem Insel Verlag, das ich vor Jahren schon mal gekauft habe und das dann in den Tiefen des Regals wieder verschwunden ist, ist dieses Büchlein, das die Geschichte der Susanna Margaretha Brandt erzählt.
Es ist die Geschichte von Goethes Gretchen.
Goethe war damals promineter Zeuge des Prozesses gegen die Dienstmagd Susanna Margaretha Brandt.
Das Schicksal der Kindsmörderin hatte den Dichter so berührt dass er es für die Gretchen-Tragödie im
"Faust " übernahm.
Wann genau Susanna Margaretha Brandt geboren wurde, ist nicht bekannt, was bekannt ist, ist, dass sie im Jahr 1746 getauft wurde.
Man weiß auch wenig über ihr Leben. Sie war das letzte von fünf Kindern eines einfachen Soldaten. Zum Zeitpunkt ihrer Festnahme war sie Vollwaise. Ab 1770 arbeitete sie als Dienstmagd in einem Gasthaus in Frankfurt am Main, wo im selben Jahr ein Holländer sie während seinen kurzen Aufenthalts betrunken machte und verführte.
Als er abreiste, ließ er Susanna schwanger zurück. Sie hielt ihre Schwangerschaft geheim und leugnete sie auch dann noch, als ihre Dienstherrin und ihre Schwester sie zur Rede stellten. Obwohl eine ärztliche Untersuchung keine Bestätigung der Schwangerschaft erbrachte, kündigte ihr die Gastwirtin Anfang August 1771. Zwei Tage später fand die Polizei in der Waschküche des Gsthauses die Leiche eines Neugeborenen. Nach einem monatelangen Prozess wurde Susanna des Kindesmordes für schuldig befunden und auf der Grundlage der Costitutio Criminalis Carolina, der 1532 von Kaiser Karl V. eingeführten Prozeßordnung zum Tode durch das Schwert verurteilt.
Artikel 131 der Carolina sah vor, bei Kindesmord die Täterin lebendig zu begraben, zu pfählen oder - wenn die Strafe milder sein sollte - zu ertränken. Enthauptung, wie in Susannas Fall lautete, war eine weitere Milderung. Der Tod durch das Schwert galt gegenüber dem Erhängen am Galgen als weniger ehrlos.
Am Galgen starben Diebe und Straftäter niederer Stände. Susanna Margaretha Brandt wurde am 14. Januar 1772 auf dem Platz an der Hauptwache in Frankfurt öffentlich geköpft.
Ein Einschub:
Öffentliche Hinrichtungen waren damals so etwas wie ein Volksfest.
Dieser wie andere Fälle lösten in aufgeklärten Kreisen heftige Debatten über das brutale Gerichtswesen im Alllgemeinen und die Todesstrafe für Kindsmörderinnen im Besonderen aus. Bestrebungen eine mildere Bestrafung für Kindsmord einzuführen, lassen sich zwar schon Mitte des 18. Jahrhunderts, also vor dem Prozess gegen Susanna Margaretha Brand belegen, abgeschafft.wurde die Todesstrafe für Kindsmord jedoch erst im 19. Jahrhundert.
Die Prozesakten, über dreihundert Gerichtsprotokolle, ärztliche und juristische Gutachten, Verteidigungsschrift und Urteil, sowie ein ausführlicher Hinrichtungsbericht - sind bis heute erhalten und im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte archiviert. Als Beitrag zum Goethejahr 1999 veröffentlichte das Institut eine vollständige, kommentierte Edition der Akten unter dem Titel.
Dss Frankfurter Gretchen.
Der Prozess gegen die Kindsmörderin Susanna Margareta Brandt
und machte sie damit erstmals einem breiten Publikum zugänglich.
Außer Goethe, der als junger Rechsanwalt den Prozess gegen Susanna Maria Brandt eingehend verfolgte und in der Gretchen-Tragödie des Faust literatrisch verarbeitet hat, beschäftigte das Thema Kindsmord zur selben Zeit auch zahlreiche andere Schriftsteller.
Friedrich Schiller, schrieb das Gedicht "Die Kindsmörderin".
Von Gottfried August Bürger, der als Justizamtmann 1781 selbst eine junge Frau vernehmen mußte, die ihr Neugeborenes getötet hatte, verfasste zu dem Thema die Ballade,
Des Pfarrers Tochter.
Susanna Maria Brandt war ein Opfer des Rechtssystems. Im 18. Jahrhundert galt Kindsmord als Verstoß gegen die "Göttliche Ordnung".
Fragen nach dem Motiv und in welcher Not Frauen zu dieser Zeit waren, ließ man völlig außer Acht.
Geändert hat sich dies erst im Zuge der Aufklärung. Fünfzig Jahre später wäre Susanna nicht mehr hingerichtet worden.
Frauen waren zu diesen Zeiten völllig rechtlos, unaufgeklärt und galten als Freiwild. Manche Dienstmagd wurde vom Dienstherrn vergewaltigt und falls schwanger,gekündigt.
Selbst noch in den 1920er Jahren als große Not herrschte, verkauften Mütter ihre Töchter an die feinen Herrschaften, um etwas Geld zu bekommen und die Not zu lindern, dazu schreibe ich aber gelegentlich noch einen Post.
Quellen:
Rebecca Habermas:
Das Frankfurter Gretchen.
Der Prozess gegen dei Kindsmörderin Susanna Margaretha Brand
München 1999
Siegfried Birkner:
Goethes Gretchen
Frankfurt/Main 1999
Johann Wolfgang von Goethe Faust
Eine Tragödie, München 1999
Sehenswert
Faust: Regie Peter Gorski,
mit Gustav Gründgens, Will Quadflieg, Ella Büchi, BRD 1960.
Wer kennt es nicht,
Gretchens große Not
Übrigens, hier bei Youtube gibt es einen interessanten Film über die Ukraine
Todefalle Ostfront.











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