Die Butterkuchen-Verschwörung 5. Teil
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Ein Jahr später
Eva hielt Wort. Sie schrieb Horst einen Brief, nicht mit Kugelschreiber, sondern mit echter blauer Tinte.
In den Brief steckte sie das getrocknete Vergissmeinnicht, das sie die ganze Zeit
über in ihrem Tagebuch aufbewahrt hatte.
"Lieber Horst", schrieb sie. "In der Stadt gibt es keine Vergissmeinnicht mehr. Aber ich habe dich nicht vergessen. Zählt das?"
Zwei Wochen später kam die Antwort. Die Handschrift von Horst war krakelig und das Papier roch leicht nach Mehl. Er schrieb von der Bäckerei, von der alten Linde, die gefällt werden musste und von Oma die ihm manchmal Butterkuchen vorbeibrachte.
"Sie fragt immer nach dir", stand am Ende. "Und ich auch".
Sie tauschten Briefe den ganzen Winter über. Eva erzählte von der Schule, von ihren Freundinnen, die nicht verstanden, warum sie so oft an ein kleines Dorf dachte. Horst schrieb, dass er sein erstes Brot gebacken hatte. Der Vater meckerte etwas, weil die Kruste zu dunkel geworden war. Aber er sagte auch, dass Übung den Meister macht.
Horst schrieb davon, dass er sich jetzt doch für eine Lehre im Dorf entschieden hatte.
"Vielleicht bleibe ich doch Bäcker", schrieb er. "Dann kann kann ich dir eines Tages jeden Tag frische Brötchen machen".
Nach dem Frühling kam der erste Sommer. Eva zitterte die ganze Zugfahrt über vor Aufregung. Als sie dann mit dem Bus am Rathaus in Cleversulzbach ankam, wartete Horst schon mit etwas ganz anderem. Er wartete dieses Mal mit einem großen Kranz aus Wiesenblumen, den er Eva um den Kopf legte.
"Willkommen zu Hause", sagte Horst. Eva lachte und spürte, wie ihr die Tränen kamen. "Ohhh, du Lieber".
"Dein Lieber", anwortete Horst und umarmte sie so fest als hätte er den ganzen Winter nur darauf gewartet.
Oma stand im Garten ihres Hauses in der Brettacher Straße und winkte mit einem Geschirrtuch. Im Garten dufteten die Rosen und auf der Fensterbank stand ein frischer Butterkuchen zum Anschneiden bereit.
Es war aber erst der Anfang.
Die Anfänge der Butterkuchen-Verschwörung











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