Das Konstanzer Konzil 2. Teil

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Heute geht es im 2. Teil des Konstanzberichtes über das Konzil in Konstanz weiter. 





Den 1. Teil findest du hier:

https://schwabenfrau.blogspot.com/2019/08/das-konstanzer-konzil-1-teil.html 

Ich hatte ja von dem Konstanzer Kaufmann Richtental geschrieben, der eine Chronik über das Konzil geschrieben hat.

Das Haus zum hohen Hafen steht am Obermarkt - und mir hat es fast den Atem verschlagen - wer genehmigt den sowas. 
Diese modernen Fenster im 1. Stock. In Stuttgart wäre das nicht möglich gewesen, oder aber dieses Haus steht nicht unter Denkmalschutz oder Erhaltungssatzung.







 Richental beschreibt nicht nur, wie es in diesen 4 Jahren zugegangen ist, sondern er zählt auch das Angebot der käuflichen Liebe. 
 
Von "700 Huren" schreibt er und er weist auch darauf hin, 
dass es sich bei dieser Zahl um Damen in den "hurenhüsern"  handelt, also solche, "die selb hüser gemietet hattend und in den Stälen lagen und ws sy mochten". 

Honoré des Balzac hat in seiner Erzählung
"Die schöne Imperia" dem Konstanzer Konzil auch ein Denkmal gesetzt. 
Wenn du seine "Tolldreisten Geschichten" kennst, darin kannst du lesen, dass ein junger Pfaffe, voller Glauben nach Konstanz reist, um enttäuscht festzustellen, dass in den nächtlichen Gassen ein geiles Gelächter herrschte. 

"Er platzte schier vor Grimm über die Art, wie jene losen Elstern den Kardinälen, Fürsten und Markgrafen auf der Nase herum hüpften, als wären es arme Schlucker, derweilen er nicht wusste, wie er eine fangen könnte."

Nun Sex ist ein Grundbedürfnis und davor halten nicht mal die hohen Herren. ;-))) und ich sage nur Affäre Epstein.

Wenn die besseren Leute dürfen, dann wollen die Pagen und Hilfskräfte auch. Balzac hat dieses allzu menschliche Verlangen in seiner MeToo-Tragikkomödie nur allzu süffisant beschrieben. 


Der Bildhauer Peter Lenk hat der Imperia (es gibt auch einen historischen Roman "Die Wanderhure" von Imy Lorenz, welcher aber keine so gute Rezession bekommen hat) ein so geniales Denkmal gesetzt, dass man nur staunen kann.
Dieser Bildhauer ist sowas von genial und ich liebe seine Skulpturen und habe auch schon einige auf meinem Blog vorgestellt. 

Hier habe ich auch mal ein Bild von meinem früheren Besuch von Konstanz im Jahr 2004 vorgestellt.
Da war es ein wenig gemütlicher.
 





einige seiner Skulpturen habe ich auch schon erradelt. 

Seit dem 24. April 1993 steht die Imperia als dralle Lustdame nun in der Hafeneinfahrt von Kostanz, ich glaube das einzige weltweit bekannte Prostituiertendenkmal und dreht sich vor der Stadt, in der seit dem Konzil wohl nichts mehr an Weltgeschichte passiert ist.  

Nun ist es ja so, dass selbst Richental vor den Liebesdienerinnen aufhört zu zählen, denn es waren wohl weit mehr als die genannten 800, denn er schreibt dann noch "ohne die heimlichen, die lass ich bleiben".














Auf einem Sockel, er besteht aus Resten eines ehemaligen Molenturmes, erhebt sich eine 9 m hohe, 18 Tonnen schwere, aus Beton gegossene Figur einer sehr spärlich bekleideten Frau mit einer Narrenkappe auf dem Kopf. 
Auf ihren ausgebreiteten Armen trägt sie zwei nackte Männerfiguren. In der einen Hand sitzt mit übereinander geschlagenen Beinen, eine Figur mit Papsttiara, in der anderen Hand, mit gespreizten Beinen, eine Figur mit Kaiserkrone. Sie hält einen Reichsapfel in der Hand. 
Die Frauenfigur steht auf einem Rundtisch, der sich in vier Minuten um die eigene Achse dreht. 

Bis heute weigert sich Peter Lenk zu sagen, um welche Personen es sich hier handelt. Aber, wenn man ein wenig schaut und auch die Bilder von den Herrschaften von damals anschaut, dann weiss man schon, um wen es sich hier handeln soll.

Den Sockel der Imperia bildet die älteste Pegelmessstation, nicht nur am Bodensee, sondern in ganz
 Baden-Württemberg. Diese Pegelmessstation ging 1816 im damaligen Molenturm in Betrieb und blieb auch nach dem Abriss im Jahr 1890 erhalten.  
Die Imperia ist eine Anspielung auf das Konzil in Konstanz.
Die Figur mit Kaiserkrone und Reichsapfel stellt die weltliche Macht, die kleine Figur mit Papsttiara die kirchliche Macht dar. Wie ich oben geschrieben habe, diente als Vorbild die Imperia aus Balzacs "La belle Imperia". 
Sie ist eine Kurtisane, die sich zur Zeit des Konzils in Konstanz aufhält und die Geliebte von kirchlichen und weltlichen Würdenträgern ist.

 Es gab vor allem seitens der katholischen Kirche manchen Disput um diese Skulptur. Dass Konstanz zur Zeit des Konzils aber ein großer Puff war, ist historisch belegte Tatsache. 

Noch etwas, was mich schmunzeln hat lassen.
Auf dem Zeppelindenkmal, das seit  vielen Jahren an der Hafeneinfahrt steht und das oben einen nackten Mann




 (die Heldensagenfigur Wieland der Schmied) zeigt, über ihn hat sich noch Niemand aufgeregt. Der arme Kerl wird im wahrsten Sinne des Wortes beschissen.

Die geistlichen Würdenträger sind auch nur Männer.   

Das Denkmal ist für den Pionier Graf Zeppelin, und Wieland der Schmied breitet sein Tuch wie einen Flügel zu Ehren der Flüge Graf Zeppelins. 
Der Obelisk stammt vom Dresdner Bildhauer
Karl Albicker.

Das ganze Denkmal zu fotografieren war nicht möglich, weil unten die Leute gesessen sind. 





Übrigens der Zeppelin fliegt immer noch am Bodensee, man kann ihn mieten und mit ihm fahren. ABER, ausgebucht und sehr teuer.

Die geistlichen Würdenträger sind auch nur Männer. 

Nun begeben wir uns noch zur Abfallentsorgung im Mittelalter.

Was meinst du, wie es mit der Hygiene und der Abfallentsorgung bestellt war. Das müssen ganz schlimme Zustände gewesen sein. Die Leute waren den Mief aber gewohnt und merkten gar nicht, wie sie gestunken haben.
Ist ja bei manchen Leuten heute noch so. 

Der Abfall und alles was so menschliche Abfälle hergaben, wurde auf die Straßen geleert und dann lief das in Kanälen in den Bodensee. Um einigermaßen durch den Dreck der Straßen zu kommen, schnallten sich die Menschen sogenannte Trippen unter die Füße. So ist es vorgekommen, dass man schon von weitem den Geruch einer Stadt   riechen konnte. Manche Menschen brachten es wohl auch fertig, Städte am Geruch zu erkennen. 

Hier geht es rein!


Ganz interessant fand ich es, zu sehen, wie es zwischen den Häusern diese Gassen gibt, die man sonst gar nicht zu sehen bekommt. Hier wurde jeglicher Abfall, alles was Menschen so von sich geben, hinausgeschüttet, ab in den Bodensee.






und hier wieder raus. 
Gruselig ist es wirklich!






Umweltschutz? :-)) 

Der Bodensee war schmutzig und ich denke hatte eine Gewässergüte, die zu wünschen übrig gelassen hat. Aber es gab Fisch, weil es für die etwas zu futtern gab. Heute schimpfen die Fischer, dass es keine Fische mehr gibt, weil der See zu sauber ist. 

Diese Gassen und Kanäle gab es noch bis zum Jahr
1878. Wenn man heute durchläuft, was nur im Rahmen einer Führung möglich ist, dann kann man sich das vorstellen. Hier lagert heute natürlich der Abfall fein sortiert in Mülltonnen und diese Gassen sind 2. Rettungswege der Häuser und Zugang für die Feuerwehr.  Aber es ist schon nicht ganz geruchlos und es liegen auch einige tote Tauben herum. War schon ein wenig gruselig.

Natürlich gibt es in Konstanz noch viel mehr zu sehen, die kommen dann bei Gelegenheit und sind auch nicht minder interessant. Also gibt es übernächste Woche noch einen
3. Teil. Vorher gehts leider nicht, die nächste Woche ist voll mit anderen Posts.

Sei gespannt. 



Heute wird es wieder sehr warm. Nutze den Tag und genieße ihn.Wir sind wieder mit dem Rad unterwegs.
Schönen Sonntag!




Quellen:
Peter Lenk
Stadt"füher" Konstanz
Stadt Konstanz
Marco Polo Reiseführer "Konstanz" 
Kath. Pfarrbüro Konstanz


Kommentare

  1. Tolle Fotos und toller Text... müsste oft machen ☺ Die Fenster verhauen das wunderschöne Haus wirklich sehr. Ich mag zwar die Kombination von Alt und Modern, die Fenster wirken aber gar nicht harmonisch... Danke fürs Zeigen. Ich freu mich auf dem dritten Teil. Genieß den Sonntag!

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    1. Mir fallen solche Dinge eben gleich ins Auge, bin ja auch sensibilisiert,
      wenn man jahrelang beruflich damit zu tun hatte.
      Manchmal denke ich auch, das ist ein "Schwarzbau" oder das würde so niemals genehmigt werden.
      Aber wo kein Kläger hier kein Richter. Ich denke so oft, wieviele Dachstöcke und Keller ausgebaut sind, ohne eine Genehmigung, aber wen kümmerts, wenn was passiert, dann zahlt keine Versicherung.
      Lieben Gruß Eva

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  2. Ja, ja es sind die Männer und die Frauen??
    Hervorragende Bilder und ein toller Text, das gefällt mir und ich
    schau mir auch gerne schöne Frauen an.
    Sie haben die Imperia aber ganz schön ins Bild genommen,
    wunderbar.
    Lieben Gruß Ihr Klaus Herwig, mehr mehr mehr!

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  3. Liebe Eva,
    so viele Erinnerungen hast Du wach gerufen, Danke ♥♥♥
    In dem "goldenen Elefanten" habe ich mal gegessen! ;-)
    Ich freue mich schon auf den 3.Teil.
    Schönen Sonntag und liebe Grüße
    moni

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  4. Hallo Eva,

    Die Stadtführung durch die Feuergassen steht auch noch ganz weit oben auf dem Programm und am 12. Oktober wird eine besondere Führung von der VHS angeboten "Dirnenleben – von Freien und Unendlichen Frauen Eine Stadtführung durch das mittelalterliche Konstanz", bestimmt auch sehr spannend.

    Liebe Grüße
    Burgi

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    1. Dann mach sie, bei uns steht im Oktober eine weitere Stadt auf dem Programm,
      die genauso wichtig und interessant sein wird.
      Nein, nicht Köln, aber eine Stadt , in der eine wichtige Erfindung gemacht wurde und
      die sehr sehr wichtig war.
      Lieben Gruß Eva

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  5. Ganz, ganz viele spannende Ecken hast du uns heute wiedr aus Konstanz mitgebracht - der Stadt die so viel zu erzählen hat.
    Wauzt Ayka mit Anhang

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  6. Liebe Eva,
    wieder sehr interessant und ich habe wieder gelernt. Die Statue der Imperia ist besonders beeindruckt und dürfte wohl tatsächlich weltweit einmalig sein und auch einmalig ehrlich.
    Städte am Geruch erkennen, die Vorstellung alleine lässt mich grausen, das muss fürchterlich gewesen sein. Für ist ja schon, der bisweilen auftretende Geruch eines so manchen Mitmenschen nur schwer erträglich.
    Die Fenster im ersten Stock sind wirklich unglaublich, wer kommt denn auf so eine Idee? Schlimmer geht's nicht.
    Ich wünsche Dir nochmals einen guten Start in die neue Woche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  7. Liebe Eva,
    da hast du interessante Fakten zusammen getragen und schöne Fotos hast du mitgebracht. Das Haus sieht wunderschön aus - naja, bis auf die Fenster. Die Imperia ist beeindruckend. Diese Gassen sind aber wirklich sehr eng. Platzangst darf ein Besucher da nicht haben ;-)
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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