Wenn Engel reisen.
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Jaaa, wenn Engel reisen, das konnten wir sagen, als am 3. Mai Hannelore vom Blog "Stricken und Anderes" wieder nach Stuttgart gekommen ist.
Wir hatten ein prima Wetter, bis zum Schluß!!!
Hannelore war letztes Jahr schon in Stuttgart und so haben wir damals aber nur die Innenstadt und den Killeberg besucht ohne dass ich eine Camera dabei hatte.
Diese Mal hatten wir uns abgesprochen, was wir machen.
Ich habe Hannelore am Bahnhof in Stuttgart abgeholt und - es war zu erwarten - der Zug hatte fast eine Stunde Verspätung.
Was macht man da? Man läuft im Bahnhof herum und guckt mal so, was die anderen Leute machen.
Was ich ganz furchtbar fand, ist ein - ich kann das schwer beurteilen - "älterer" Mann, der an Gehhilfen ging. Der Fuß war nicht fachgerecht verbunden und auch blutig. Er hatte einige Taschen an sich hängen und an den Gehhilfen hingen auch noch Tüten. Er lief immer und immer wieder die Bahnsteige ab und verschwand dann.
Ich denke, dass es ein Wohnsitzloser war und - ich finde es beschämend - dass man diesen Leuten nicht hilft.
Aber es kam auch noch eine Frau mit einem Rollator, der über und über voll mit Plastiktüten war. Ich schätze die Frau mal auf 60 Jahre. Aber auch sie lief die Bahnsteige ab und verschwand dann auch wieder.
Mein Gott, was ist das nur für ein Land, für alles hat man Geld, nur für diese Leute nicht.
Ich habe mir überlegt, ob ich den Beiden nicht etwas Geld zustecken soll, aber ich kam mir da auch etwas komisch vor, denn sie bettelten nicht.
Es ist schon interessant auf so einem Bahnhof.
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Dann kam die Anzeige, dass der Zug von Hannelore das Gleis gewechselt hat. Also von Gleis 12 ganz hinten, nach Gleis 4 ganz vorne.
Der Zug kam und mit ihm Hannelore. Wir haben uns dann schnell in ein Cafe gerettet, um schnell etwas zu schnabulieren, denn Hannelore hatte ihren Proviant im Zug auch aufgefuttert und ich hatte schon früh gefrühstückt.
Einen Plan hatten wir uns auch zurechtgelegt, wir wollten mit der Standseilbahn zum Waldfriedhof fahren und dann wieder runter und mit der Zahnradbahn nach Degerloch und von dort mit der Straßenbahn zu den Hohenheimer Gärten.
Bei der Eröffnung der Stuttgarter Seilbahn im Jahr am 17. November 1929 war dieses Verkehrsmittel, das auf den Stuttgarter Waldfriedhof fährt, die erste Seilbahn in Deutschland mit halbautomatischer Steuerung.
Die Wagenbegleiter drückten zur Abfahrt nur eine Taste, alles andere ging dann alleine.
Sie war die schnellste ihrer Art und auch der Fahrscheinverkauf ging von Anfang an "automatisch" und zwar durch einen Fahrscheinautomaten, den es nur bei dieser Seilbahn gab.
Ich kann mich ganz schwach an diesen Automaten erinnern und ich ärgere mich oft, dass ich manche Dinge früher nicht fotografiert habe. Durch den Umstand, dass durch den Fahrkartenautomaten Personal eingespart werden konnte, war der Betrieb der Seilbahn denn nur möglich.
1929 herrschte Wirtschaftskrise.
Mit der Seilbahn kann man in 4 Mnuten von der Haltestelle "Südheimer Platz" in eine ruhige Waldidylle nämlich den Stuttgarter Waldfriedhof fahren.
Es ist ein Erlebnis der besonderen Art. Die beiden Wagen, die nach dem Gewichtsausgleichprinzip nahezu geräuschlos betrieben werden sind noch heute im Originalzustand und wurden zum 75-jährigen Jubiläum fein restauriert.
Fuhren früher hier meist nur Besucher des Stuttgarter Waldfriedhofs mit der Bahn, die das originelle Transportmittel nutzen (daher auch der Name "Erbschleicherexpress"), sind es heute auch Wandergruppen und Schüler oder eben Leute wie Hannelore und ich, die sich ein wenig Nostalgie antun möchten.
Diese Standseilbahn steht heute unter Denkmalschutz und ist etwas ganz besonderes. Sie wurde allerdings im Jahr 2003 vollständig saniert.
Hier ein paar Datem:
Höhendifferenz 87 Meter
Neigung 28,2 % (steilste SSB-Schinenstrecke)
Strecke 1000 mm (Meterspur, wie frühere SSB-Straßenbahn), 536 m Länge.
Geschwindigkeit: maximal 3,1 Meter/Sekunde (ca. 11 km/h)
Fahrzeit: 4 Minuten
An jedem Ende des 550 Meter langen Stahlseiles hängt ein Wagen. Fast
geräuschlos gleitet einer auf den blanken Schienen aufwärts, der andere
kommt entgegen. Sie fahren genau dort aneinander vorbei, wo sich die Gleise teilen. Viel Teakholz, Messing und Emaille versetzen einen auf der
mit bis zu
28 Prozent geneigten Strecke in die Zeit der 1920er Jahre.
Ehrensache, dass der SSB die Erhaltung dieses lebenden Stückes
Stadtgeschichte am Herzen liegt.
Es ist eine feine Sache und ich fühlte mich zeitweilig in meine Kindheit zurückversetzt, als ich mit dem 7er oder dem 3er (alte Straßenbahnlinien) in den 1950er Jahren in Stuttgart gefahren bin.
Als
die Seilbahn erbaut wurde, war der Bauhaus-Stil modern und so kam es
auch, dass das Gebäude im Bauhaus-Stil erbaut wurde. Wer Bauhaus kennt, sieht es auf den ersten Blick.
Als wir dann oben waren, haben wir noch einen Spaziergang durch den Stuttgarter Waldfriedhof gemacht, der wunderschön ist.
Es lohnt sich durchaus mal hier eine Runde zu drehen und sich die Gräber von berühmten Menschen anzusehen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Waldfriedhof_Stuttgart
Wunderschöne Rhododendren
Das Eingangstor
Hier liegt der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland zusammen mit seiner
Frau Elly Heuss Knapp, sie war die Gründerin des Müttergenesungswerkes.
Karl Lautenschlager, der 1933 auf Drängen der Nazis das Amt des Oberbürgermeisters von Stuttgart aufgeben mußte.
Da sind soviele Dinge in Stuttgart - bestimmt in jeder großen Stadt - die hier geschehen sind. Ich muß es immer wieder schreiben, ich mag meine Stadt sehr und habe lange genug in ihr gelebt und mit ihr gearbeitet.
Das Grab von dem Stuttgarter Stadtbaudirektor, der den Waldfriedhof angelegt hat, steht ebenfalls auf dem Waldfriedhof. Er gehört auch zu den Architekten, die das Stadtbild in Stuttgart zwischen Historismus und Moderne geprägt hat.
Sehr bekannt auch "Die Jungfrau mit den Tränenschalen" des Künstlers
Josef Zeitler, 1914, Bronze,
Jeder Tropfen gilt einem gerade Verstorbenen
Nach der kleinen "Wanderung" durch den Waldfriedhof sind wir wieder in die Seilbahn eingestiegen und hinuntergefahren.
Dann am Südheimer Platz sind wir wieder in die Straßenbahn eingestiegen und bis zum Marienplatz gefahren. Dort sind wir in die Zacke eingestiegen und mit ihr zum Albplatz in Degerloch gefahren.
Von der Zahnradbahn (Zacke) habe ich jetzt keine Bilder aber auch diese Bahn lohnt sich, denn auch sie überwindet einen enormen Höhenunterschied von
200 Höhenmetern am Stück, auf der Alten Weinsteige.
Wir sind die Alte Weinsteige schon mit dem Pedelec (hier) hinaufgefahren, trotzdem ist es eine enorme Leistung hier hochzufahren.
Aber es gibt auch Leute, die das mit einem normalen Rad machen, alle Achtung.
https://de.wikipedia.org/wiki/Zahnradbahn_Stuttgart
Vom Alblatz aus sind wir dann mit der Staßenbahn weiter bis zum Möhringer Bahnhof und von hier tmit der früheren Filderbahn zur Haltestelle Garbe gefahren.
Dort befindet sich auch das Wirtshaus Garbe.
Hier haben wir uns entschlossen, "Wandern" macht hungrig, im Garten des Wirtshauses etwas zu essen.
War lecker, sehr lecker.
Weiter ging es dann zu den Höhenheimer Gärten, über die ich schon soviel geschrieben habe.
Es ist immer ein Erlebnis und mein Lieblingsbaum, der Blütenhartriegel blüht.
Pimpernuss
Ich denke Hannelore hat es auch gefallen. Wir wären noch länger in den Gärten geblieben, jedoch es blitzte und donnerte, dass wir uns auf den Weg zur Haltestelle machten und dort in die Straßenbahn eingestiegen sind.
Dann prasselte und blitze und vor allem donnerte es so gewaltig, dass die Straßenbahn plätzlilch bremste und die Durchsage kam, dass der Blitz in das Stellwerk eingeschlagen hat.
Die Frage eines Passagieres: "Was ist ein Stellwerk?" hat mich doch sehr gewundert. Aber Hannelore hat das wunderbar erklärt. Sie war früher nämlich Fahrdienstleiterin und kennt sich aus.
Hannelore und ich fuhren dann wieder zurück in die Stadt und schnabulierten noch bei Breuni einen Kaffee, dann gings auch fix zum Bahnhof und zu den Gleisen. Hätten wir nur den anderen Weg genommen, der Weg war wieder eine Wanderung und wir haben an diesem Tag
13.500 Schritte
zurückgelegt, Hier kann man doch wahrlich von einer Wanderiung sprechen.
Wir haben beide keine Masken getragen, nur in den öffentlichen Verkehrsmittel muß man sie eben aufsetzen und daran muß man sich auch halten.
Hallo Hannelore!
Danke Hannelore für den schönen Tag und vor allem dein Interesse und ich weiß, wenn man so einen Fotoverrückten dabei hat, das ist nervig, ich kenne das von meinen Radlern.
Quelle:
SSB
Stadt Stuttgart, Friedhofamt
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Kommentare:
AntwortenLöschenWir finden immer, wenn Besuch mit dabei ist, sehen die bekannten Dinge wieder ganz anders aus.
AntwortenLöschenWir haben die Reise mit der steilen Bahn sehr genossen.
Ayka mit Erika wünschen einen guten Wochenstart
Guten Morgen,
AntwortenLöschendas hast du schön geschrieben und mir hat es sehr gut gefallen. Nee ich fand die "Knipserei" nicht nervig.
Blöd mit den Verspätungen, besonders wenn gewartet wird.
In den Bahnhöfen sieht man schon etliche Leute. In den großen Bahnhöfen sowieso.
Also den Weg zu den Gleisen ist ja wirklich lang und ich habe auch gelesen, dass sich die Reisenden darüber aufregen, verständlich.
Ich würde sehr gerne wieder 2023 nach Stuttgart kommen.
Einen schönen Tag wünsche ich dir.
L.G.
Hannelore
hach.. dieser schöne alte Wagen .. ich liebe ja solche Dinge ;)
AntwortenLöschenin Wiesbaden gibt es auch so eine Bahn auf den Neroberg..
da solle ich vielleicht auch mal wieder hin
oder mal meinen Frauen vorschlagen
sehr schön der alte Friedhof
etwas zum ausruhen und erholen
schön dass du Gesellschaft hattest
liebe Grüße
Rosi