Besuch der Oper Turandot von Giacomo Puccini an der Staatsoper Stuttgart
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Ich hatte mich schon einige Zeit für diese Aufführung letzten Sonntag angemeldet und einen sehr sehr guten Platz in der 1. Reihe im Parkett, Platz 5, wie ich es immer mache, bekommen.
Das war ein super Platz, den bekomme ich nicht immer.
Bei Mayerling, dem Ballett, das ich demnächst besuche, habe ich zwar die 1. Reihe im Parkett aber leider keinen so guten Platz. Aber nach hinten sitze ich nicht, nein, ich will in den Orchestergraben schauen.
Originalplakat der Uraufführung am 25. April 1926
Ich genieße immer den Blick in den Orchestergraben, den so nah niemand in den hinteren Reihen oder in den verschiedenen Rängen hat.
Turandot ist meine absolute Lieblingsoper, die ich schon mit 6 oder 7 Jahren schon bei meinem Bruder Udo gehört hatte.
Eine eiskalte Prinzessin, die alle ihre Bewerber tötet, wenn sie die drei Rätsel nicht lösen können.
Die Rolle der Liu hat mich immer berührt, bei meinem Bruder sang sie immer Renata Tebaldi,
ihre Stimme ist sehr weich, während die von Turandot ein sehr hochdramatischer Sopran ist. Das kann nicht jede Sopranistin singen.
Da gehört etwas dazu, früher sang hier immer Inge Borkh diese Rolle.
Der Dirigent Valerio Galli dirigierte das Staatsorchester und den Staatsopernchor, wie immer hervorragend.
Die kraftvolle Stimme der Sopranistin Ewa Vesin (Turandot) war ein Erlebnis, so wie ich es gewohnt bin. Ganz hervorragend als Heldentenor Diego Godoy (Calaf) und Esther Dierkes, die ich schon oft in anderen Rollen gesehen habe, als berührende Liu.
Es war absolute Klasse und der Beifall und die Blumen, die auf die Bühne geworden wurden, waren der Dank dafür.
Begleitet wird Turandot von einem Kind, das ihre Kindheit darstellen soll, das Kind, das sich nach Liebe sehnt.
Nicht vergessen möchte ich Altoum = Heinz Göhrig, den ich auch schon in verschiedenen Rollen gesehen habe.
Die drei Minister
Pang = Alberto Robert
Pong = Oseca Encinas
Auch gewöhnungsbedürftig, die ferngesteuerten Roboter Hunde, die Folterknechte darstellen sollten.
Mich wundert es immer wieder, wie die Dramaturen auf diese Ideen kommen.
Aber dafür haben sie ja auch studiert.
Moderne Dramaturie nennt sich das.
"Ich bin ein großer Jäger, ich jage wilde Vögel, Opernlibretti und schöne Frauen."
Giacomo Puccini
Puccinis Frauen in seinen Opern enden meist tragisch.
Da wäre Madame Butterfly, Tosca, La Boheme, Manon Lescaut oder Le Villi aber auch die Sklavin Liu in Turandot.
Puccini
hatte wie viele Künstler unzählige Affären u.a. verdächtigte seine
Ehefrau Elvira das Dienstmädchen im Hause Puccini eine Liebesbeziehung
mit ihm zu haben.
Dabei schlief er doch nur mit ihrer Kusine.
Das
kam sogar zu einem Prozeß, in dem seine eifersüchtige Frau Elvira wegen
übler Nachrede und Beleidigung verurteilt wurde. Das Dienstmädchen
Doria Manfredi vergiftete sich, die Familienangehörigen gingen zum
Anwalt und die Welt weidete sich an dem Vorfall. Tatsächlich wurde bei
einer Obduktion von Doria festgestellt, dass sie noch Jungfrau war. Sie
bewunderte Puccini und wollte somit ihre und auch seine Unschuld zu
beweisen. Sie wurde 23 Jahre alt.
Der in Seitensprüngen
erfahrene und geübte Puccini verarbeitete in Turandot den Tod von Doria
Manfredi, der ihn sehr betroffen machte.
Hier nimmt die Sklavin Liu, um einer Folterung zu entgehen, den geheim gehaltenen Namen des Prinzen Kalaf mit ins Grab.
Turandot
nennt man auch Puccinis "Schwanengesang", weil er über den Noten von
Turandot, genau beim Tod von Liu starb. Ironie des Schicksals?
Davon aber dann weiter unten.
Ich habe die Oper Turandot oft und gerne mit meinem Bruder Udo gehört und war fasziniert von der Prinzessin Turandot, die vielen Bewerber-Prinzen drei Fragen stellt, die sie nicht beantworten können und dann geköpft werden.
Gira la cote (Schleifet das Messer)
Warum die Prinzessin so ist, sie hatte eine Ahne, die von einem "Eroberer" vergewaltigt wurde und erzählt es in dieser Arie.
In questa reggia
Dann noch in verschiedenen Aufführungen mindestens vier Mal. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass die Oper wieder in Stuttgart gespielt wird.
"Nessun Dorma", das ist so ein Gassenhauer, den nahezu jeder kennt, aber woher die Arie stammt, das ist den meisten unbekannt.
Die Nachbarin in der Oper meinte dann zu mir:
"Ach aus dieser Oper ist das?!"
Was soll ich dazu sagen?
Besser singt es Niemand als Luciano, brilliant.
Er kann es wirklich und da kommt keiner ran.
Er hatte beides von seinem selbst verdienten Geld gekauft und war unglaublich stolz.
Mir tut es heute noch leid, dass er unter solchen Umständen gestorben ist und wir nicht wissen, wo seine Urne begraben ist.
Die Lebenspartnerin meines Bruders wollte es so.
Aber, wer meinen Blog liest, stellt sicherlich fest, dass ich immer noch mit meinem Bruder Udo verbunden bin und an ihn denke.
Machmal, wenn ich bestimmte Opern höre, dann meine ich, er steht neben mir und atmet.
Auch meine Schwester Helge, die große Schwester, spricht immer wieder von Udo.
Nun aber weiter zu Turandot.
Beginn
der Oper "Popolo di Pekino", hier verkündet der Mandarin, dem Volk von
Peking, dass wieder mal, in diesem Falle der Prinz von Persien, die
Fragen nicht hat beantworten können und deshalb sterben muß.
In der Geschichte der europäischen Musik bildet die Oper Turandot eines der letzten Werke, zu denen exotisches Nationalkolorit durch eine Kombination von melodischen Zitaten der Musik eines fremden Volkes und von zum normalen Orchesterapparat hinzugefügten Instrumenten - zumeist Schlagzeug - angestrebt wurde.
Man
kann, wenn man die Oper hört schon auch Parallelen zur chinesischen
Oper feststellen. Ich habe einmal eine chinesische Oper gesehen und
gehört.
Es klingt fremd, aber, wenn man sich damit beschäftigt, dann weiß man, dass hier ebenso strenge Regeln herrschen.
Auch hier gibt es einen Film "Lebe wohl meine Konkubine".
Ein unglaublich guter Film.
Chinesische Oper, ich finde sie sehr gut, man darf sie aber nicht mit unserer Oper vergleichen, das ist etwas ganz anderes.
Der
spezifische Klang des Turandot Orchesters ist - auch darin zeigt die
Oper alle Züge eines Spätwerkes - interpretierbar als extreme
Weiterentwicklung der Möglichkeiten, die durch die verschiedenen
Ostasienopern um die Jahrhundertwende eröffnet wurden:
Camille Saint-Saens "La Princesse jaune"
Andre Messager "Madame Chryantheme"
Pietro Mascagni "Iris"
Puccini "Madame Butterfly"
Turandot bildet Höhepunkt und Abschluß dieser Entwicklung. Ein "Tamtam", ein chinesischer Flachgong
und
ein chinesisches Gongspiel mit neun Tonhöhen - auf Wunsch des Verlages
denselben wie in Mascagnis "Iris" - ein tiefer Gong auf der Bühne.
Xylophon und Bassxylophon, es wurde eigens für Turandot geschaffen.
Röhrenglocken
und Celesta, Glockenspiel und eine tiefe Holztrommel gehören zum
Arsenal der Schlaginsrumente, die an der Schilderung eines Märchenlandes
teilnehmen.
Besonders in der Darstellung der grotesken Minister Ping, Pang und Pong treten die verschiedenen Kurztoninstrumente (Harfen, Celesta, Gockenspiel, Xylophon) zu einem Ensemble innerhalb des Orchesters zusammen.
Alles das bekommt man beim Blick in den Orchestergraben mit.
Da Puccini die endgültige Librettofassung abwarten wollte, bevor er mit der zentralen Szene beginnen konnte, in der sich Turandots Wandlung von der stolzen Prinzessin zur liebenden Frau ereignet, wurde die Partitur bis zuletzt verschoben, obwohl der Premierentag für April 1925 angesetzt war.
Am 8. Oktober 1924, zwei Tage vor der Untersuchung in Florenz, die seine Krebserkrankung (Puccini war Kettenraucher) enthüllen sollte, schrieb Puccini an Guiseppe Adami (der das Libretto zur Oper zusammen mit Renato Simoni schrieb), und gab seine Zustimmung zu Simonis letzter Fassung des Schlußduetts.
Als
Puccini am 29. November 1924 starb, (er war in einer Kllinik in Brüssel
um sich operieren zu lassen), existierte noch nichts davon in Partitur.
Arturo Toscanini (ein gnadenloser Perfektionist und Gegner von
Mussolini), Puccinis Erben und der Ricordi-Verlag waren davon überzeugt,
das Werk von einem anderen Komponisten zu Ende führen zu lassen.
Franco Alfano (1875-1954) dessen in Indien spielende Oper
einen großen Erfolg hatte, wurde mit der Oper - auf der Basis der berühmten
36 Seiten Skizzen - betraut.
Da Puccinis Skizzen nicht den ganzen psychologischen Entwicklungprozeß umfassen - und hier kompositorisch verwertbares Material für die Schlußszene vor Kaiser und Volk überhaupt fehlt, war Alfano gezwungen, neben Rückgriffen auf frühere Abschnitte der Partitur auch Teile eigener Erfindungen mit einzuschieben.
Eine erste, über hundert Takte längere Fassung wurde von Alfano im Januar 1926 beendet.
Auf Verlangen Toscaninis unterzog Alfano diese Partitur in den folgenden Monaten einer radikalen Kürzung, da die von Puccini selbst stammenden Teile nicht durch ausgiebige Zutaten überwuchert werden sollten.
Erst in der zweiten Aufführung der Turandot erklang dann in der Mailänder Scala die gekürzte Fassung von Alfanos Ergänzungen.
Bei der Uraufführung am 25. April 1926 legte Toscanini nach dem Tode Lius den Taktstock nieder und sprach zum Publikum:
'"An dieser Stelle starb der Maestro"
Die Handlung der Oper findet man hier.
"Nie sollst du mich befragen!"
So sagt Lohengrin in der gleichnamigen Oper von Richard Wagner zu Elsa und inhaltlich knüpft Puccini in Turandot daran an.
Der Name des rätselösenden Kalaf (Nessun dorma, endet mit dem Ausruf "Vincero".
Er bleibt aber durch den Tod von Lui verborgen.
Anders als beim Schwanenritter, der ihn vor aller Welt preisgibt und auch mit dem Schwan, mit dem er gekommen ist, davonziehen muß.
"Amore"
ist aus Verlegenheit der Kosename, auf den Turandot Kalaf zum Zeichen
dafür nennt, ihm anzugehören. Es ist ein Zeichen der Liebe, die über den
Tod triumphiert.
Puccini durfte es leider nicht mehr erleben. Als
Tauermusik wurde eine frühere Komposition von Puccini das Requiem aus
"Edgar" im Mailänder Dom gespielt.
Seine Trauerrede am 3. Dezember 1924 im Mailänder Dom hielt Benito Mussolini.
Die Macht des Duce ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefestigt. Er versucht dadurch diese Rede für seine propagandischen Zwecke zu nutzen.
Er schrieb am Ende seine Lebens:
"Möge Mussolini der sein, den wir brauchen. Es wäre gut, wenn er unserem Land etwas Ruhe schenkte."
Ob es Puccinis Überzeugung war oder nur ein kleiner Moment?
Wir wissen es nicht, es kam auch ganz anders.
Begraben ist Puccini in Torre de- Lago in seinem Haus neben seiner Frau Elvira.
Als Quelle gebe ich das Buch
Die kleinen Gärten des Maestro Puccini an, das ich besitze und das ich sehr empfehlen kann. Ich besitze das Buch schon viele Jahre.
Auch besitze ich mehrere Puccini Biographien. Wenn man Puccini so auf dem Foto sieht, hat er schon eine gewisse Ausstrahlung.
In München gab es auch eine Aufführung von Turandot, die kam aber nicht so gut weg.
Aber es wird nie langweilig mit ihm, er hat immer eine Überraschung parat.
Schaut morgen mal in meinen Blog, da gibt es sicherlich was Gutes zu schnabulieren.











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