Das Kunststück der Lebensweisheit ist, den Schlaf jeder Art zur rechten Zeit einzuschieben wissen. *Friedrich Nietzsche*
Die schönsten und großartigsten Dinge auf der Welt kann man nicht sehen oder hören, aber man kann sie im Herzen fühlen. *Helen Keller*
Es gibt mehr Dinge im Himmel und auf Erden, als eure Schulweisheit sich träumen lässt. *William Shakespeare*
Man sollte auch an Wochentagen ein paar Augenblicke Sonntag sein lassen. *Unbekannt*
Es ist eine Verwandschaft zwischen den glücklichen Gedanken und den Gaben des Augenblicks: Beide fallen vom Himmel. *Friedrich Schiller*
Das wunderbarste Märchen ist das Leben selbst. *Hans Christian Andersen*

Die Butterkuchenserenade, Zwei Abschlüsse und ein neues Leben

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Ich habe die Geschichten schon lange fertig, aber dennoch kam ich nicht dazu, sie hier zu veröffentlichen, weil es soviel zu schreiben gibt. 

 Am Donnerstag kommen schon wieder die Blümchen, aber ich versuche dann aber Rottweil am Freitag fertig zu bringen. 

 

Die Butterkuchenserenade geht nun weiter, sie endete mit dem 14. Teil "Hochzeitstag".

HIER  

Die ganzen Butterkuchen-Geschichten kann man HIER lesen.  

Leider hat es die Fortsetzungen etwas verhauen, aber es ist ja alles nummeriert. So kann man sich zurecht finden.  

 


Zwei Abschlüsse und ein neues Leben. 

Das erste Jahr als Ehefrau war anders, als Eva es sich vorgestellt hatte. Nicht schlechter - einfach voller. Morgens fuhr sie mit dem Bus nach Heilbronn zu ihren Vorlesungen, nachmittags saß sie in der Bibliothek, abends half sie Lukas im Garten oder lernte für Klausuren. Lukas war genauso eingespannt Er pendelte zweimal pro Woche nach Stuttgart, arbeitete an seinen Architekturprojekten und renovierte nebenbei den alten Schuppen im Garten, den er in ein Atelier verwandelt wollte. 

"Wir sind verrückt", sagte Eva eines Abends, als sie beide erschöpft auf dem Sofa lagen. "Wir haben ein Haus, zwei Studiengänge und null Freizeit." Lukas nahm ihre Hand. 

"Aber wir haben auch Oma, die uns bekocht. Und wir haben uns. Das reicht." 

Oma war inzwischen die heimliche Cheffin des Haushalts. Sie kümmerte sich um den Garten, buk Butterkuchen für die Nachbarn und passte auf, dass Eva und Lukas wenigstens einmal am Tag eine warme Mahlzeit zu sich nahmen. 

"Ihr seid ja noch jung", sagte sie. "Aber ohne Essen lernt es sich schlecht."

Im zweiten Jahr passierte das Unerwartete. Eva merkte, dass ihr morgens übel wurde - nicht vom Stress, sondern von etwas anderem. Sie holte einen Test aus der Apotheke, machte ihn in Omas Badezimmer, und dann stand es  da: 
Zwei rosa Striche. 

"Lukas", sagte sie am Abend. Sie zitterte ein bisschen. "Ich bin schwanger." 

Lukas ließ den Hamemr fallen. Er hatte gerade am Schuppen gearbeitet. Er starrte sie an - erst ungläubig, dann lächelnd, dann lachend. 

"Wir kriegen ein Baby? Ein echtes Baby? In diesem Haus?"

"In diesem Haus", sagte Eva. "In neun Monaten." Sie fing an zu weinen - vor Glück, vor Angst, vor Überforderung

Oma kam aus der Küche, sah die beiden umarmt in der Werkstatttür stehen und wußte sofort Bescheid. 

"Na also" sagte sie und wischte sich eine Träne weg. "Dann muß ich wohl noch ein paar Jahre duchhalten". 

Die Schwangerschaft war nicht einfach. Eva hatte mit starker Müdigkeit zu kämpfen, die Fahrten nach Heilbronn wurden zunehmend anstrengender. 

Aber sie gab nicht auf. Sie sprach mit ihrer Professorin, die Verständnis zeigte. "Sie können die Prüfungen auch nächstes Jahr nachholen", sagte diese. Eva schüttelte den Kopf "Ich will dieses Jahr fertig werden, bevor das Baby kommt". 

Lukas unterstützte sie, wo er nur konnte. Er kochte, putzte, brachte sie zum Bus. Seine eigenen Kurse in Stuttgart reduzierte er auf das Nötigste, aber auch er wollte seinen Abschluß machen - für sich, für Eva, für die Zukunft. 

Im fünften Monat bauten sie das Kinderzimmer ein. Es war das kleinste Zimmer im Haus, früher eine Abstellkammer. Lukas strich die Wände hellgelb, Eva malte Wolken und Vögel darauf. Oma nähte Vorhänge aus einem alten Leinentuch, und Evas Mutter schickte ein Paket mit winzigen Stramplern und Söckchen.

"Es wird alles gut", sagte Oma, als sie die kleine Wiege aufstellten, die noch von Evas Vater stammte. "In dieser Wiege bist du auch gelegen, Eva und jetzt dein Kind." 

Eva legte die Hand auf ihren Bauch, das Baby trat - leicht, fast zärtlich.

Die Sommer kam, und mit ihm die Prüfungszeit. Eva saß an ihrem Schreibtisch, lernte Pädagogik und Psychologie, während die Hitze durch das offene Fenster drang. Lukas saß neben ihr, zeichnete Pläne für ein nachhaltiges Wohnprojekt, das sein Abschlussprojekt werden sollte. Manchmal arbeiteten sie stundenlang nebeneinander her, ohne ein Wort zu sagen. Aber es fühlte sich gut an. 

Eva bestand alle Prüfungen - mit guten Noten. Als sie das letzte Ergebnis bekam, fiel sie Lukas um den Hals. 

"Ich bin fertig! Ich bin wirklich fertig!"

Sie hatte ihr Lehramtsstudium abgeschlossen, kurz bevor das Baby kam. 

Zwei Wochen später ging es los. Es war ein warmer Sommerabend, als die Wehen einsetzten. Lukas fuhr sie ins Krankenhaus nach Heilbronn - zu schnell, wie Eva fand, aber sie war froh, dass er da war. Oma blieb zu Hause und backte Butterkuchen. Für den Fall, dass der Nachwuchs hungrig nach Hause kam. 

Nach achtzehn Studen war es soweit. Ein Mädchen. Sie kam mit einem Schrei zur Welt, der das ganze Krankenzimmer erfüllte, und hatte schon jetzt einen Schopf aus dunklen Haaren - wie Lukas. 

"Wie soll sie heißen?", fragte die Hebamme. 

Eva sah Lukas an. Sie hatten sich nie auf einen Namen geeinigt. Aber in diesem Moment wußten sie es. "Frieda" sagte sie. "Nach Omas Friedrich. Nicht ganz, aber nah dran." 
Lukas nickte, das ist gut. 

Drei Tage später kamen sie nach Hause. Oma stand in der Tür, das Geschirrtuch in der Hand und als sie das kleine Bündel in Evas Armen sah, begann sie zu weinen.

"Das ist das Beste", sagte sie". "Das ist das Allerbeste". 

Frieda wuchs - und mit ihr der Garten. Lukas pflanzte einen Apfelbaum neben den alten, für einen jungen, der für die Zukunft wachsen sollte. Eva legte ein kleines Gemüsebeet an, mit Möhren, Radieschen und Kräutern. Frieda saß in ihrer Babyschale daneben und sah zu, wie die Welt grün und bunt wurde.  

Lukas machte im Dezember seinen Abschluß in Architektur. Er bekam eine Stelle in einem Büro in Bad Friedrichshall - nur 7 Kilometer mit dem Fahrrad entfernt. 

"Ich kann hier bleiben", sagte er. "In Cleversulzbach. Bei euch". Eva atmete auf. Sie hatte befürchtet, dass er nach Stuttgart müsste. 

Jetzt war alles perfekt. Eva begann im Frühjahr als Referendarin in Neuenstadt an einer Grundschule. Lukas arbeitete tagsüber, abends kümmerte er sich um Frieda, während Eva lernte. Oma war die gute Seele, die den Haushalt zusammenhielt.  

An einem Sonntag im Mai saßen sie alle im Garten. Der alte Apfelbaum blühte, der junge trug die ersten Knospen. Frieda lag auf einer Decke und strampelte mit den Beinen, während Oma ihr etwas vorsang. Eva und Lukas hielten sich an den Händen. 

"Alles ist gut", sagte Eva
"Alles ist gut", wiederholte Lukas. 

Und dann roch es aus der Küche - Buttterkuchen. Oma hatte heimlich einen gebacken. Sie lächelte, als sie das Blech brachte. "Man muß die schönen Momente feiern", sagte sie. "Auch, wenn es keine besonderen Anlässe gibt. Vielleicht gerade dann."

Sie aßen den Kuchen, warm und butterweich, während Frieda glucksend ins Gras griff - und ein Veilchen in ihrer kleinen Faust hielt. Eva sah es und dachte an Horst, an die Trennung, an all das, was gewesen war. Und dann dachte sie an Lukas, an Frieda, an dieses Haus. Das Leben hatte sie genau hierher geführt.

Es war nicht perfekt, aber es war ihres. Für immer!


 

Der Herbst kam, und mit ihm eine Stille, die Eva nicht einordnen konnte. Oma war in den letzten Wochen immer leiser geworden. Sie saß länger auf der Bank unter dem Apfelbaum, die Hände im Schoß gefaltet, und sah zu, wie Frieda im Gras kroch. 

"Sie ist müde", dachte Eva. Aber sie wollte es nicht aussprechen. 

Es war ein Dienstag, als Oma nicht aufwachte. Eva brachte Frieda ins Kinderzimmer, machte Kaffee , klopfte an Omas Tür - keine Antwort. Sie öffnete, und da lag Oma in ihrem Bett, die Hände über der Decke, das Gesicht friedlich. So friedlich, wie Eva sie noch nie gesehen hatte. 


 

Lukas kam aus dem Schuppen gerannt, als Eva schrie. Er hielt sie, während sie weinte und rief den Arzt. Aber sie wussten es beide: 

Oma war gegangen, im Schlaf, ohne Schmerzen.
So wie sie es sich immer gewünscht hatte.

Die Beerdigung war drei Tage später. 
Cleversulzbach war da, das ganze Dorf, der Bäcker brachte einen Kranz, aus Ähren mit, die Nachbarin vom Mühlenweg weinte an Evas Schulter. Sogar der Bürgermeister kam aus Neuenstadt. Eva stand am Grab, Frieda auf dem Arm, Lukas neben ihr und sie dachte an all die Jahre mit Oma. An die Sommer ihrer Kindheit, an den Butterkuchen, an die Veilchen.

An den Satz "Die Liebe geht manchmal, damit eine neue kommen kann". 

"Sie hatte recht", flüstere Eva. "Sie hatte immer recht". 

Zu Hause, in der leeren Küche, fiel es Eva schwer, den ersten Butterkuchen ohne Oma zu backen. Sie stand vor dem Teig, die Hände zitterten. Lukas kam hinzu, legte den Arm um sie. "Sie hätte gewollt, dass zu weiterbackst", sagte er. "Für Frieda, für uns". 

Eva nickte, knetete den Teig, formte ihn. Der Kuchen wurde braun, duftete nach Zimt und Butter, aber als sie ihn anschnitt, fehlte etwas. 
Omas Lächeln.

Am Abend setzten sie sich zu dritt auf die Holzbank unter dem Apfelbaum. Frieda schlief in Evas Armen. Die Blätter fielen langsam, und der Himmel war klar. 

"Sie ist jetzt bei Opa", sagte Lukas leise. 

Eva lehnte ihren Kopf an seine Schulter. "Und bei Friedrich?, fragte sie mit einem halben Lächeln. 

"Vielleicht, wer weiß". Lukas zog sie enger an sich. "Eines weiß ich: 

Dieses Haus ist ohne sie nicht leer. Sie ist in jeder Wand, in jedem Nagel, in jeder Backform." Er schwieg einen Moment. "Wir werden sie weitertragen. In Frieda, in uns."

Eva sagte nichts. Sie dachte an Omas letzte Worte - nicht dramatisch nicht feierlich. 

Am Abend vor ihrem Tod:

"Der Kuchen morgen früh wird besonders gut. Ich habe ein neues Rezept ausprobiert." Eva hatte gelacht. Oma lächelte. Dann ging sie ins Bett. 

Eva wischte sich die Tränen ab. "Morgen backe ich ihren Kuchen", sagte sie .
"Mit dem neuen Rezept. Und dann bringe ich ihn zum Friedhof. Für sie."

Lukas nickte. 

In dieser Nacht schliefen sie bei geöffneten Fenstern. Der Wind trug den Duft von fallenden Äpfeln ins Zimmer. 

Und,
irgendwo, ganz weit weg oder ganz nah, roch es nach Butterkuchen. 

 

ENDE  

 

 


 

 

 

 

Kommentare

  1. Ach liebe Eva......so eine wundervolle und schöne Geschichte !
    Vielen Dank dafür !
    Herzliche Grüße ! Gisela

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  2. Liebe Eva,
    sehr berührend wie du alles aufgeschrieben hast.
    Ich denke ihr hattet da eine gute Zeit und könnt stolz auf euch sein, was ihr alles gemeinsam geschafft habt.

    Ich schicke dir herzliche Grüße
    Jutta

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  3. Liebe Eva, Danke für die schöne Butterkuchengeschichte!
    Liebe Grüße von Sieglinde

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Auch so lapidare Kommentare, die dazu dienen, dass man die Seite des Kommentators anklickt, wie "ich war schon lange nicht mehr hier" lasse ich ebenfalls nicht mehr zu, weil des koin Kommentar isch, sondern a Mischt."
Mir wäre das wirklich zu blöd, sowas zu schreiben.