Gewohnheiten machen alt - jung bleiben Leute, die gerne wechseln.
Attila Hörbiger



Buchvorstellung Harro und Libertas von Norman Ohler

Werbung auch Verlinkungen ohne Auftrag und Vergütung.  Das Buch habe ich mir selbst gekauft.




Mit der Roten Kapelle kam ich zum ersten Mal in Verbindung, als sich mein Vater 1958 dieses Buch "Rote Kapelle" aus dem Fackelverlag in Stuttgart.

in den Bücherschrank stellte.
Copyright 1954 by Neptun Verlag Kreuzlingen (Schweiz).



Ich sah es meist und machte mir hier nicht viele Gedanken, obwohl mich mein Vater immer und immer wieder - auch als Kind schon - auf die NS-Zeit aufmerksam machte.

Er hatte unter der NS-Herrschaft auch mehr als gelitten. Dazu schreibe ich aber noch einmal später etwas.

Später dann in den 70er Jahren wurde ich auf diese Gruppe aufmerksam, als im Deutschen Fernsehen (heute ARD) eine Fernsehserie unter dem Namen "Rote Kapelle" in verschiedenen Folgen gelaufen ist.
Hier wurde ich auch mit den Namen Leopold Trepper und Anatol Gurewitsch konfrontiert und ich habe mich an dieses Buch erinnert und es gelesen.


Vor einiger Zeit wurde ich auf das Buch




Harro und Libertas von Norman Ohler

 aufmerksam, denn diese Namen kannte ich doch nicht nur aus der Fernsehserie, sondern auch aus dem Buch aus des Vaters Bücherschrank, der noch mehr Bücher aus dieser Zeit enthalten hat.

Harro und Libertas ist wie ein Krimi geschrieben und doch wahr, fesselnd und sehr gut recherchiert.

Die Gestapo (Geheime Staatspolizeit) nannte Widerstandsgruppen aus verschiedenen Lagern

 "Rote Kapelle".

Das waren Widerstandskämpfer, die aus ganz verschiedenen politischen Lagern gekommen sind. 

1933 wird Harro Schulze-Boysen, er ist 23 Jahre alt und Herausgeber
 der unabhängigen Zeitschrift "Gegner" von der SS verhaftet und mißhandelt.
Er litt deshalb unter ständigen Schmerzen.

Henry Erlanger, sein Freund wird mit verhaftet und überlebt die Torturen nicht.
Harro wird dadurch zum Einzelgänger und entwickelt Hass gegen die NS-Schergen.

1934 lernt er die bezaubernde Libertas Viktoria Haas-Heye kennen.
Sie kommt aus einer alten Adelsfamilie und es ist Liebe auf den ersten Blick. 

Harro ist Offizier im Reichsluftfahrtministerium und hat so auch Zugang zu militärischen Informationen, die er an die Alliierten weitergibt. Es sind sehr gefährliche Aktionen.

Im Sommer 1942 sind in der Gruppe um Harro und Libertas über 150 meist junge Menschen. Frauen vor allem, die mit großem Engagement im Widerstand sind.   

Harro und Libertas leben aber einen ganz besonderen Lebensstil und weigern sich, sich der NS-Moral unterzuordnen.

Namen wie Scholl oder Stauffenberg kennt man wohl. Aber es gibt auch Menschen, die man nicht kennt und sie treten in diesem Buch hervor.
Herrman Ohler gehört für mich zu einem sehr wichtigen Autor, der diese Zeit sehr genau beschreibt.

Er konnte diese Biographie über 
Harro und Libertas erst nach langwierigen Recherchen schreiben. Gegen viele Widerstände von Politikern und
"hohen" Herren konnte Ohler dieses Buch schreiben und präsentiert die Geschichte dem interessierten Leser.

Gerade in einer doch vagen Zeit wie jetzt, ist es wichtig zu wissen, was es heisst, Widerstand zu leisten.

 Es ist kein Buch zur Unterhaltung, das lese ich ganz selten, es ist auch keine leichte Kost, wie viele immer schreiben. Aber es ist ein wichtiges Zeugnis über diese Zeit und die Widerstandskämpfer und jedem, der etwas mehr über diese Zeit wissen will, dem rate ich dieses Buch zu lesen.

Informationen zur Roten Kapelle gibt es auch in diesem Youtube Video,
es ist lange aber auch sehr interessant.

https://www.youtube.com/watch?v=dp-CdC_QSgQ

Libertas Schulze-Boysen wurde am 22. Dezember 1942 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee mit fünf weiteren aus der Widerstandsgruppe zwischen 20:18 bis 20:33 Uhr im Dreiminutentakt durch Enthauptung hingerichtet.

Harro Schulze-Boysen war bereits zuvor um 19:05 Uhr im selben Gefängnis - aus Sicht der Nationalsozialisten unehrenhaft  - am Fleischerhaken gehängt worden. 

Auszug aus dem Buch:

Bei den Exekutionen am 22. Dezember 1942 war ein Gehilfe des Anatomischen Instituts der Berliner Universität anwesend.  Er legte die Leichnahme in Holzsärge und transportierte sie in einem extra dafür eingerichteten Lieferwagen in die Charité. 
Der langjährige Chef der dortigen Anatomie, Herrman Stieve, suchte vor allem jüngere Frauen aus, von denen er noch am späten Abend oder am frühen Morgen Gewebeproben entnahm und sie für seine Forschungen untersuchte. 

Die Leichnahme der Männer dienten Studenten als Studienobjekte. 

Libertas letzter Wunsch, in Liebenberg (hier heiratete sie
16. Juli 1936 in der Schloßkirche Harro Schulze-Boysen)
erfüllte sich nicht.
Den Angehörigen war es untersagt, die Leichnahme ihrer Nächsten zu bestatten. Nichts sollte an sie erinnern, nicht einmal die Totenruhe war ihnen vergönnt. Nach der Entnahme der Gewebeproben und den Obduktionen kamen die sterblichen Überreste in das Kematorium Zehlendorf. Wohin die Aschen gebracht wurden, konnte bisher nicht geklärt werden. 

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Punkt 19 Uhr wird Harro durch die beiden Oberwachtmeister der Strafanstalt zur Richtstätte geführt. Ein Vertreter der Staatsanwaltschaft schaut Harro an, stellt durch Unterschrift Personengleichheit mit dem Verurteilten fest. Dann erteilt er den Auftrag zur Vollstreckung des Urteils des Reichskriegsgerichts vom 19. Dezember 1942:

"Scharfrichter, walten Sie Ihres Amtes."

Die Gehilfen des Scharfrichters treten an die Stelle der Strafanstaltsoberwachtmeister. Mit einem harten Ruck an der Ziehvorrichtung reißt Röttger den scharzen Vorhang auf, was ein knirschendes Geräusch verursacht, das auch denen, die es kennen, durch Mark und Bein geht. 


Erschienen ist das Buch im
Verlag Kiepenheuer & Wisch 
24 Euro 

Weitere Bücher folgen. 

Mein Beitrag wieder einmal für Kerkis 
Leben mit Büchern
 

Kommentare

  1. Liebe Eva,
    das ist sicher keine "leichte Kost"!
    Danke Dir für die ausführliche Beschreibung dieses auch heute noch sehr belastenden Themas.
    Damals war Widerstand etwas völlig anderes wie heute, gell.
    Schönen Dienstagabend
    herzlichst moni

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Eva,
    den Film " Die Rote Kapelle" habe ich damals auch angesehen, ein spannende Geschichte.
    Das von dir vorgestellte Buch kenne ich nicht, da werde ich mal in unserer Bücherei nachschauen.
    Liebe Grüße
    Edith

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