Hexenprozesse in Salem, Massachusetts (1692)
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Mit dem Satz: "Die Zauberinnen nicht am Leben lassen“, lieferte das
2. Buch Mose,22,17, eine der wichtigsten Rechtfertigungen der Kirche für die Hexenverfolgung.
Wer in die Fänge der Hexenjäger geriet, war geliefert. Denunziation reichte aus. Jede Kleinigkeit konnte verdächtig machen. Warum erkrankte plötzlich eine Vieherde? Lag es vielleicht an den Nachbarinnen - hatten die nicht auffällig rot entzündete Augen? Hier mußte es sich doch um Hexen handeln. Zwei Frauen erging es so, 1793 in Posen. Sie wurden verbrannt. Es sollte der letzte Hexenprozess in Europs sein, der mit einer Hinrichtung endete.
Seit jeher sprach man bestimmten Menschen übersinnliche, magische Kräfte zu, die Schaden fernhielten oder anrichteten. Gerade in Zeiten von Seuchen. wirtschaftlichen Krisen, aber auch bei Nachbarstreitigkeiten hatte man schnell einen Südenbock parat. Denn Hexen und Zauberer standen in dem Ruf, mit dem Teufel zu praktieren.
Vereinzelt kam es zu Lynchjustiz. Die systematische, strafrechtliche Hexenverfolgung begann im 15. Jahrhundert. Ihr fielen - nach vorsichtiger Schätzung - Zehntausende zum Opfer. Mit der Inquisition war die Grundlage für die Prozesse bereits gechaffen. Die päpstliche Bulle - "Summis desiderantes affectibus" - von Papst Innozenz VIII, aus dem Jahre 1484 institutionalisierte das Unternehmen.
Die deutschen Theologen Jakob Sprenger und Heinrich Institoris schrieben die Anleitung zum Massenmord:
Der Hexenhammer, ein Buch, das 1487 erschien und in der frühen Ära des Buchdrucks eine der meistpublizierten Schriften wurde. Erstmals konzentrierte sich die Kriminalisierung der Hexedrei auf das weibliche Geschlecht.
Frauen definierte der Hexenhammer als "unvollkommene Tiere", die sich so sie denn Zauberinnen seien, darauf verstünden "durch Blitzschlag gewisse Menschen oder auch Tiere zu töten; die Zeugungskraft wegzunehmen:; die Kinder im Mutterleib, durch bloßen Blick, ohne Berührung zu behexen."
Das juristische Verfahren war infam. Es gab kaum ein Entkommen. Die damalige "Rechtsordnung" kannte weder Unschuldvermutung durch Indizienbeweise. Für die Verurteilung eines Angeklagten zählte alleine das Geständnis. Und das erzwang man durch die sogenannte peinliche Befragung - die Folter. Sie durchzustehen gelang nur den wenigsten. Fast alle gaben zu, was sie getan hatten, bezichtigten Freunde, Nachbarn, der Hexerei, nannten dabei Namen, die ihnen nicht selten in den Mund gelegt worden waren. Ein Fall löste häufig eine ganze Lawine von Anklagen aus. Teilweise wurden innerhalb kurzer Zeit Hunderte auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Es traf alle, arme Leute, Bürgerliche, Adelige, Kleriker. Die Welle ebbte ab, nur um an einem anderen Ort neu aufzubranden. Manchmal genügte ein banaler Anlass. Auch das Drama in Salem fing ganz harmlos an.
Es waren schwere Zeiten. Die Gründung des englischen Kolonialstädtchens nahe Boston, lag gerade sechzig Jahre zurück. Nordamerika erlebte den ersten
englisch-französischen Krieg auf eigenem Boden, In Salem gab es ebenfalls politischen Aufruhr. Die beiden einflussreichsen Familienclans, die Putnams und die Porters, rangen um die Vorherrschaft und der neue Pfarrer, Samuel Parris machte auch nur Ärger. Die Stadt versuchte ihn loszuwerden. Parris blieb stur. Er warnte in seinen Predigten vor einer Verschwörung gegen ihn und die Kirche, vor bösen Kräften, die mit dem Satan im Bunde stünden und Salem im Griff hielten.
Das fiel auf fruchbaren Boden, zumal seit einigen Jahren die Schrift des Bostoners Geistllichen Cotton Mather kursierte, in der ein Fall von Hexen detailliert beschrieben wurde, versehen mit der Aufforderung, solche Erscheinungen radikal zu bekämpfen.
Dann geschah etwas Unheimliches. Im Januar 1692 zeigten sich bei Betty Parris, der neunjährigen Tochter des Pfarrers merkwürdige Krankheitssymptome. Sie schien völlig durchgedreht, flitzte unkontrollliert durch die Räume, versteckte sich unter Möbeln, verkrampfte sich, klagte über Schmerzen und Fieber. Der Dokotor war ratlos,. Als dann noch eine Freundin von Betty, die zwölfjährige Ann Putnam, ähnliche Anzeichen an den Tag legte und weitere Mädchen ebenfalls dieses Verhalten zeigten, kam schnell der Verdacht auf, dass hier der Teufel seine Hand im Spiel haben müsste. Die Mädchen waren verhext, besessen. Sie verhielten sich genau so, wie man es in dem populären Buch von Cotton Mather gelesen hatte. Wer aber mochte die Hexe sein, die in Salem ihr Unwesen trieb und diese bedauernswerten Wesen quälte?
Die "verhexten" Jugendlichen selbst benannten die Schuldige: Tituba, eine indianischstämmige Sklavin der Parris, die wunderliches aus ihrer Heimat zu berichtigen wußte, über Voodoo,. Zauberkünste, Wahrsagerei. Die Mädchen sogen diese Geschichten begeistert auf, einander die Zukunft vorherzusagen war zu ihrem liebsten Zeivertreib geworden.
Faszinert von der Welt der Geister, steigerten sie sich in eine Hysterie, bis die Dinge außer Kontrolle gerieten. Zu aller Überraschung gestand Tituba sofort.
Ja, sie sei eine Hexe, der Teufel habe gedroht, ihr Schaden zuzufügen, sollte sie ihm nicht gehorchen. Samuel Parris hatte dieses Bekenntnis aus Tituba herausgeprügelt Um noch mehr Schlägen zu entgehen, emphahl sie sich nun als Kronzeugin. Sie sei nicht die einzige Hexe in Salem, auch Sarah Good und Sarah Osborne zählten zu den Handlangerinnen des Satans. Beide Frauen entsprachen perfekt dem Klischee einer Hexe. Eine streitsüchtige Bettlerin und eine unfreundliche Alte, die man nie in der Kirche sah. Jetzt waren Ann, Betty usw. wieder an der Reihe Sie beschuldigten eine dritte Frau, deren Verhaltensweise ebenfalls dem puritanischen Zeitgeist zuwiderlief.
Bridget Bishop. Wirtin zweier Gasthäuser. die bis spät in die Nacht Partys feierte und sich aufflällig bunt und modisch kleidete - ein Zeichen des Teufels.
Alle drei Frauen stritten die Vorwürfe ab. Es half ihnen wenig., denn die Richter beschlossen, Geistererscheinungen - spectral evidences - als Beweismittel anzuerkennen. Während die Angeklagten befragt wurden, saßen die Teenager im Verhandlungssaal, krümmten sich vor Schmerzen, behaupteten, weiter gemartert zu werden, durch Bisse und Kniffe. Das reichte dem Gericht aus, um ein Todesurteil zu
fällen.
Sarah Good, Sarah Osborne und Bridget Bishop waren die ersten Opfer der Hexenjagd, die am Galgen starben. Der Hexenwahn erfasste die ganze Stadt. Mehr und mehr "Besessene" outeten sich. Sie galten als unschuldig, traten als Ankläger gegen die angeblichen Peiniger auf. Ganze Familien landeten im Gefängnis und vor Gericht.
Wie zufällig gehörte auch Ann Putnams Mutter zu den "Beschuldigten" kaltblütig nutzte sie die Chance politische Gegner ihres Mannes auszuschalten. Gemeinsam mit ihrer Tochter lieferte sie im Gerichtssaal ein grandiosen Schauspiel.
Überhapt waren viele der Ankläger dem Putnam-Clan aufs Engste verbunden, zahlreiche Angeklagte, wie etwa der Priester George Borroughs oder der Farmer Giles Corey, hatten sich mit der Familie angelegt. Corey bezichtigte man, Brot und Wein bei einer Hexenfeier serviert zu haben, und weil er sich weigerte, vor Gericht aufzustehen, wurde er zu einem besonders grausamen Tod verurteilt.
Man zog ihn nackt aus, legte ein Brett auf seinen Brustkorb und häufte schwere Steinbrocken darauf. Zwei Tage dauerte es bis Corey tot war.
Burroughs Hinrichtung brachte die Wende. Ihm warf man vor, Satans persönlicher Repräsentanz in Salem, der Anführer der Hexen zu sein.,
Das ging dann doch vielen zu weit. Zweiunddreißig der besten Bürger in Salem unterzeichneten eine Petition und forderten die Freilassung des Priesters. Burroughs nutzte es zwar nichts mehr, gemeinsam mit drei anderen Männern und Frauen karrte man auch ihn zum Galgenhügel.
Nun aber war endlich Boston die Hauptstadt der Kolonie alarmiert. Gouverneur Sir Williams Phips verbot, Geistererscheinungen künftig als Beweismittel zuzulassen. Der Spuk in Salem war so schnell vorbei, wie er begonnen hatte.
Die Bilanz der Hexenprozesse in Salem fiel verheerend aus. Fast zweihundert Menschen waren festgenommen und der Hexerei angeklagt worden.
Monatelang saßen sie unschuldig im Gefängnis, etliche kamen dabei um. Von Juni bis September 1692 hatte man dreizehn Frauen und sechs Männer gehängt, einen zu Tode gepresst.
Zwei Hunde wurden ebenfalls hingerichtet. Man verdächtigte sie Boten des Satan zu sein.
Die Art aber, ihr gotteslästerliches Handwerk aufgrund eines ausdrücklichen Treuepaktes mit dem Dämonen zu betreiben, ist verschieden, da auch die Hexen verschieden bei der Ausübung ihrer Hexereien zu Werke gehen. Um dies zu verstehen, ist zuerst zu bemerken: Wie die Hexen in dreifacher Art auftreten, nämlich solche, die schädigen, aber nicht heilen können, solche, die heilen, aber aufgrund eines besonderen Paktes mit dem Teufel nicht schädigen, und solche, die schäden und heilen, ebenso gibt es auch unter den Schädigenden eine erste Klasse, in welcher alle die Hesen sind, welche alle übrigen Hexereien auszuführen vermögen, welche die anderen nur zum Teil vollbringen.
Heinrich Institoris, Jakob Sprenger, Hexenhammer
Als ich das alles gelesen habe, dachte ich, es ist wohl in anderer Form immer noch möglich.
Quelle:
Arthur Miller, Hexenjagd, Frankfurt/Main 1994
Arthur Miller hat in diesem Theaterstück auch die Vorgänge in Amerika verarbeitet.
https://schwabenfrau.blogspot.com/2023/08/robert-oppenheimer.html
Nathaniel Hawthorne: The House of the Seven Cables, Oxford 1998
Film:
Die Hexen von Salem, Regie Raymond Rouleau,
mit Yves Montand, Simone Signoret und Mylene Demongot, DDR, Frankreich 1957
Hexenjagd
Regie Nicolas Hytner, mti Daniel Day-Lewis und Winona Ryder, USA 1996
Hexenjagd von Arthur Miller, gut erklärt.











Kommentare:
AntwortenLöschenHallo Eva,
Löschenvor einigen Jahren war ich in Fulda, da gibt's auch einen Hexenturm und in Herford wurden sogenannte Wasserproben an vermeintliche Hexen vorgenommen.
Gingen die Menschen unter waren es keine Hexen oder Hexer, überlebten sie waren es eben Hexen und es ging erst richtig los, so oder so überlebt hat es wohl niemand. Die einen sind ertrunken und die anderen gefoldert und ermordet.
L.G.
Hannelore