Guatsla und die schwäbische Kehrwoche
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Frieden kannst du nur haben, wenn du Frieden gibst.
*Marie von Ebner-Eschenbach*
Es war der Samstag vor dem 1. Advent, und in dem kleinen schwäbischen Nest, in dem Mathilde mit ihrem Mann Georg lebte, lag endlich der erste zarte Schnee.
Mathildes Gedanken waren heute nur kurz bei dem Winteridyll. Sie hatte nur zwei Dinge im Kopf, die Kehrwoche und die Guatsla. Ausgerechnet heute mußte es schneien und sie hatte die Kehrwoche.
"Geeeeeooooorrrggg", rief sie ihrem Mann zu, der in der Stube saß und die Zeitung las.
"Denk daran, wir haben die Kehrwoche! Das Treppenhaus muß blitzen und der Gehweg auch! Schließlich bin ich Schwäbin und da muß die Sache mit der Kehrwoche klappen."
Das wäre dann erledigt und Mathilde legte ihre ganze Konzentration auf den Teig, der vor ihr auf dem mit Mehl bestäubten Holzbrett lag und an die Walnußguatsla.
Der Duft von Zimt, Kardamom und frisch geriebener Orange erfüllt die ganze Küche. In verschiedenen Dosen und Schüsseln türmten sich bereits die Guatsla für die Adventszeit. Zimtsterne, Himbeerguatsla, zarte Vanillekipferl, knusprige Zimttannenbäumchen, buttrige Walnußguatsla und Nougatkipferl.
Haselnußmakronen, Spitzbuben und Marzpan-Kokosmakronen.
Während sie so knetete gingen ihre Gedanken aber immer wieder zur Kehrwoche. Georg war zwar ein sehr liebevoller Mann, aber, wenn es ums Putzen und Fegen ging, war er zugegeben sehr nachlässig.
Es klingelte an der Haustüre. Mathilde wischte sich die mehligen Hände an der Schürze ab und öffnete. Draußen stand ihre Nachbarin, Frau Kächele, die ihren Namen wahrhaftig verdiente und eine ebenso resolute, wie herzliche Schwäbin war. Sie hatte eine dampfende Kaffeekanne in der Hand.
"Grias Gott Mathilde! I han grocha, dass d am backa bisch. Da han i denkt, a Tässle Kaffee ond a bissele Gsellschaft könnte net schada. "
Ein warmer Kaffeeduft mische sich jetzt mit dem Aroma der Guatsla.
Mathildes Gesicht hellte sich auf.
"Ach, Liesel, wie nett! Komm doch rein. Die ersten Butterguatsla send fertig."
Kurz darauf saßen die beiden Frauen am gedeckten Küchentisch, tauchten noch lauwarme Plätzchen in den heißen Kaffee und schwätzten.
Natürlich kam die Sprache auch auf die schwäbische Kehrwoche. Mathilde seufzte: "Der Georg, der machts ja, aber ob er wirklich auch in alle Ecken kommt?"
Liesel winkte ab: "Ach, mach dr koine Sorga, Mathilde. Mei Walter isch genauso, aber woisch was? Die beide sollad heut zamma schaffa. Zamma machts doch mehr Spass ond no gibts au no a Veschper. Nix veganes, noi, a Schwoinsripple mit Essiggurga, die han i em Keller no eiglegt, ond a Weckle dazua."
Mathilde fiel ein großer Stein vom Herzen.
Im diesem Moment kam Georg in die Küche. Er wurde vom Kaffeeduft und dem fröhlichen Stimmengewirr angelockt.
"Ha no bei Euch isch ja was los!"
Er bediente ich ungeniert an einem Vanillekipferl.
"Georg", sagte Mathilde mit einem sanfteren Ton als am Morgen.
"Die Liesel hot a schene Idee ghet. Du ond ihr Walter, ihr könntet die Kehrwoche doch gemeinsam machen, ond no gibts au a Versper!"
Georg, der die Aussicht auf Gesellschaft und ein anschließendes Vesper deutlich verlockender fand, als das stille Pflichtgefühl allein, nickte sofort.
"Gute Idee! Des machet mir!"
Am Abend, als der Schnee draußen im Schein der Straßenlaterne funkelte, saßen Mathilde und Georg zufrieden in ihrer Wohnung. Die Plätzchendosen waren gefüllt, die Kehrwoche war gemacht und das ganze Haus duftete nach Advent. Mathilde lächelte.
Alles war zu einem guten Ende gekommen.
Georg legte die Zeitung zur Seite, nahm Mathildes Hand und sagte:
"Stimmt, so kann der 1. Advent kommen!"
Am nächsten Morgen, dem 1. Advent, sah er auf den Wohnzimmertisch, auf dem der Adventskranz lag und von dort schien der Schein zu ihm her, die erste Kerze brannte und ihm war, als brannte sie besonders warm.

Das Programm habe ich gar nicht und was man so kostenlos bekommt, taugt nichts.
Kaufen werde ich mir so ein Programm sicherlich nicht.


























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