Die Hochzeit des Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart
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Eine sehr beliebte Oper stelle ich heute vor. Gesehen habe ich sie auch schon im Stuttgarter Opernhaus, allerdings vor vielen Jahren.
Ich weiß nicht mehr, wann das war, damals fand ich sie nicht so gut.
Wahrscheinlich hatte ich hier noch nicht den Draht dazu.
Heute gefällt sie mir schon sehr sehr gut.
Die Hochzeit des Figaro
Commedia per musica in 4 Akten.
Text von Lorenzo da Ponte nach Beaumarchais Komödie
La folle journé, ou Le mariage de Figaro
Uraufführung am 1. Mai 1786 in Wien am Burgtheater
Die Handlung kann man HIER lesen.
Overtüre
Nach Mozarts überaus erfolgreicher
Entführung aus dem Serail waren die Fragmente
L´oca de Cairo
Lo sposo deluso
sowie der Einakter
Der Schauspieldirektor
gefolgt, alles Zwischenspiele auf der Suche nach einem wirklich geeigneten, bevorzugten italienischen Operntextbuch. Die Begegnung mit da Ponte war in dieser Situation ein ausgesprochener Glücksfall. Da Ponte kürzte die Handlung von 5 auf 4 Akte, strich 5 der 16 Figuren, milderte die aufrührerischen Akzente und entschäfte die sozialkritischen Spannungen des Originals. Mozart begann wahrscheinlich im Oktober 1785 mit der Komposition, deren Partitur am 29.04.1786 mit der Overtüre abgeschlossen wurde. Zwei Tage darauf fand die auf Wunsch des Kaisers anberaumte Uraufführung statt.
Der Form nach ist Figaro eine Opera buffa mit den seit der
Commedia dell ´arte bekannten Spannungen zwischen Herren und Dienern. Mozart hat die bei Beaumarchais vorgezeichnete Profilierung der Figuren durch psychologische Pointierung und eine Handlung, die alle sozialen Beziehungen anspricht, vertieft.
Der tragische Unterton verleiht der Lustspielhandlung den Ernst und die Leichtigkeit einer subtilen Charakterkomöde. Der Stoff wird vollkommen von der Sphäre des Theaters aufgesogen und lebendig gemacht. Der melancholische Ton der Gräfin, z.B. in ihrer dem Seria-Charkter verhafteten Kavatine zu Beginn des 2. Aktes
Porgi, amor
wird kontrastiert durch die Quecksilbrigkeit Susannas, die zwar an vielen Ensembles beteiligt ist und damit als Intrigantin im Mittelpunkt steht, aber erst im 4. Akt mit ihrer Rosenarie
eine Tiefe der Empfindung offenbart, die man ihr nicht zugetraut hätte. Kaum wurde jünglingshaftes Liebesbegehren plastischer dargestellt, als in den beiden Arien des "Hermaphroditen" Cherubino.
Auch Figaro, dessen
Se vuol ballare
sozialkritischen Zündstoff besitzt, springt mit seiner Anklage der treulosen Frauen im 4. Akt die Konventionen der komischen Oper.
Das umfangreichste Stück der Partitur ist das Finale des 2. Aktes, eine in 8 Nummern gegliederte ständig mit veränderten szenischen Situationen konfrontierte, nach den Gesetzen des klassischen Sonatenhauptsatzes entwickelte Ensembleszene.
Die Oper wurde in Wien zunächst neunmal gespeilt.
Die Prager Figaro-Begeisterung 1787 verschaffte Mozart dann den Auftrag zum Don Giovanni. Eine Unzahl deutscher Übertragungen entstanden seit der Prager Aufführung.
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Lorenzo da Ponte und Mozart haben sehr gut zusammengearbeitet und deshalb hier noch eine Zusammenstellung über diesen genialen Librettisten.
Sohn eines jüdischen Vaters, der mit seiner Familie zum Katholizismus konvertierte und den Namen da Ponte angenommen hatte. Lorenzo wurde sogar Priester. Seit 1773 meist in Venedig, wurde er wegen Ehebruchs 1779 aus der Stadt verbannt, gelangte dank einer Einladung des sächsischen Hofdichters Mazzola 1780 nach Dresden. 1781 nach Wien, wo ihn Joseph II. 1783 zum Librettisten für die italienische Oper ernannte. Sein erster Erfolg wurde die von Mozart vorgeschlagene Bearbeitung von Beaumarchais
La folle journée.
Ihre Zusammenarbeit bei der Entstehung des Don Giovanni und der Cosi fan futte gehört zu den Höhepunkten der Operngeschichte. Außerdem verfasste da Ponte Libretti für Cimarosa, Guglielmi, Paisiello, Martin y Soler (Una cosa rara, 1786), Salieri (Axur, re d´Ormus, 1788) und andere. Auch in Wien hatte sich da Ponte nicht nur Freunde gemacht und fiel nach dem Tod Josephs II. (1790) in Ungnade.
Seine Versuche eine italienische Oper in Holland und Belgien zu gründen, scheiterten. 1793 wurde er Librettist am Londoner King´s Theatre, übernahm später einen Buchladen und emigrierte auf dem Höhepunkt seiner finanziellen Schwierigkeiten 1805 in die USA. Er unterrichtete, veröffentliche seine Memoiren (1823) und machte sich um die Einführung der italienischen Oper durch seine New Yorker Produktion des Don Giovanni (1825) verdient. Da Ponte war, wie Casanova, mit dem er bekannt war, einer der literarisch hochgebildeten Weltmänner und Abenteuerer des 18. Jahrhunderts.
Seine Texte zeichnen sich durch die versierte Aneignung fremder Vorlagen, die geschmeidigen Verse und das sichere dramaturgische Gespür, vor allem in den Buffo-Szenen aus.
Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais (14.1.1732 in Paris, gestorben 18.5.1799 in Paris) war Uhrmacher, wurde aber als Aufsehen erregender Literat 1755 am französischen Hof aufgenommen. 1767 verfasste er seinen auf Diderot basierenden
Essai sur le genre dramatique, dessen Thesen er in seiner Figaro-Trilogie umsetzte.
Le Barbiere des Seville (aufgeführt 1775, von Paisiello und Rossini vertont).
La folle journée (aufgeführt 1792). Im Vorwort seines (1787 von Salieri vertonten) Tarare fasste er seine Operntheorie zusammen.
Kaum ein anderes Stück wirkte in seiner Zeit ähnlich aufrührerisch wie der Figaro, der mit seiner Kritik am
ius primae noctis
dem
Recht der ersten Nacht des Grundherrn
mit der Braut eines jeden Leibeigenen,
ein unmenschliches Vorrecht des Adels anprangerte und damit jene Stimmungen unterstützte, die zur Französischen Revolution führten.
Da Ponte war es, der die Aufführung der Oper in Wien erreichte, das Stück von Beaumarchais war bis dahin verboten.
Im Jahr 1906 wurde in Wien die Dapontegasse nach ihm benannt. 2009 erschien mit ich Don Gioanni ein Spielfilm über Da Ponte
Quellen:
Opernführer Knaur
Fath/Würz
Wikipedia










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