Plakate im Jugendstil im Museum in Wiesbaden 1. Teil
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Noch ein Blick in das Museum in Wiesbaden, das alles bietet, was das Herz begehrt.
Dieses Museum ist ein Wunderwerk. Man kann hier Tage verbringen.
Berichtet habe ich darüber schon in mehreren Posts.
Beim Gang durch die Jugendstilabteilung bin ich auch noch kurz im Treppenhaus gewesen.
An den Wänden hängen hier verschiedene Jugendstilplakate.
Eines davon zeige ich heute, die anderen folgen noch.
Plakatkunst um 1900
Die Massenproduktion infolge der industriellen Revolution ließ der Werbung eine neue Bedeutung zukommen. Wichtigstes Werbemedium war in diesem Kontext das Plakat.
Es fungierte innerhalb der urbanen Offentlichkeit als Kommunikationsmittel und diente dem wirtschaftlichen Konkurrenzkampf ebenso wie der Kunsterziehung. Das Ringen um Aufmerksamkeit beschleunigte die Entwicklung eines möglichst eingängigen und ästhetischen Plakatstils. Große, ausdrucksstarke Figuren, leuchtende Farben und klare Konturen zielten auf Fernwirkung und schnelle Erfassbarkeit.
Neben Luxusprodukten und Konsumgütern des Alltags wurden auch Kultur- und Vergnügungsveranstaltungen durch Plakate angepriesen. Ob als allegorische Figur, vorbildliche Hausfrau oder moderne Großstädterin - die Frau war stets zentrales Darstellungsmotiv. Im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich somit eine Reklamestrategie, die bis heute eingesetzt wird. Frauen wurden als Blickfang im Bild gesetzt, um Produkte zu bewerben. Das Produkt selbst tritt dabei zunächst in den Hintergrund.
Als
"Kunst der Straße" machten die präzise gestalteten Plakate auf
Litfaßsäulen, plakatierten Hauswänden und Zäunen die Stadt zu einem
Ausstellungsraum unter freiem Himmel. Viele Kunstschaffende widmeten
sich um 1900 der Plakatkunst und verhalfen ihr zu Ansehen und
Anerkennung. Die Plakatkunst erhielt im deutschsprachigen Raum ab 1896
durch Wettbewerbe und Ausstellungen entscheidende Impulse für eine neue
Stilentwicklung. Zeitschriften wie
"Simplicissimus" und "Jugend" revolutionierten die grafische Kunst und Plakatgestaltung.
Edmund Albert Edel 1863 - 1934
Frank Wedekind
Frühlingserwachen
1903
Farblithografie
Druck: Hollerbaum & Schmidt, Berlin
Mit einem reduziert dargestellten Ast eines Kirschbaumes, dessen abfallende Blüten sich über einer leuchtend grünen Wiese verstreuen, bewirbt das Plakat die Tragödie "Frühlingserwachen" von Frank Wedekind.
Das Blatt mit seiner holzschnittartigen Zeichnung und den kräftigen Frühlingsfarben illustriert, treffen den Titel des gesellschaftkritisch-satirischen Dramas - eine Geschichte mehrerer Jugendlicher auf dem Weg zur Blüte des Lebens.
Das Plakat wurde von dem vielseitigen Künstler Edmund Edel entworfen. Neben seiner akademischen Künstlerausbildung lernte er in Paris die Kunst des lithographierten Plakats von Henry Toulouse-Lautrec (einen Maler, den ich auch sehr schätze) kennen. Die technische Umsetzung lernte er bei der renommierten Brüssler Plakatanstalt o. de Rycker. Als Plakatkünstler prägte er seit den 1890er Jahren das Straßenbild Berlins und hatte entscheidenden Anteil an der Entwicklung des künstlerischen Plakates in Deutschland.
Frühlingserwachen von Frank Wedekind habe ich schon vor vielen Jahren im Schauspielhaus in Stuttgart gesehen. Ich war schon sehr beeindruckt von der Darstellung, nachdem wir das Stück schon in der Schule durchgenommen haben.
Worum geht es hier:
Das Stück erregte einen Skandal zu dieser Zeit.
Wedekind schrieb es 1891, es durfte aber erst 1906 aufgeführt werden, weil in diesem Stück sämtliche Tabuthemen Heranwachsender zum Thema Sexualität aufgeführt werden.
Es geht in diesem Stück um die Probleme Jugendlicher, wenn sie erwachsen werden. Es richtet sich aber auch gegen die Erziehungspolitik, gegen die Verlogenheit und vor allem auch um die Verdängung im wilhelminischen Kaiserreich.
Frühlingserwachen, dieser Titel verweist auf das Erwachen der sexuellen Bedürfnisse von Jugendlichen in der Pubertät.
Zuletzt scheitern die Jugendlichen an dem Kodex der Moral in der Erwachsenenwelt.
Als Frühlingserwachen erschien, war es etwas vollkommen Neues, in einem Werk so offen über die sexuellen Erfahrungen von Jugendlichen zu sprechen.
Mit den Jugendstilplakaten geht es weiter, bevor ich dann zu einem späteren Zeitpunkt zum eigentlichen Sinn der Ausstellung komme.
Quelle: Museum Wiesbaden










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