Die Stimmung kippte
Werbung
Dorothea
war Krankenschwester an einem großen Krankenhaus in Hessen. Ihr Beruf
verlangte ihr alles ab; sie liebte die Arbeit mit den Menschen, doch
wenn sie nach der Schicht das Klinikgebäude verließ, fühlte sie sich oft
wie eine leere Hülle.
Rettung fand sie in ihrer Kamera. Wenn sie mit
ihrem Stativ im Schilf eines Sees hockte und stundenlang auf den
perfekten Moment wartete, in dem ein Eisvogel als blauer Blitz ins
Wasser stieß, fiel der Stress der Station von ihr ab. Dorothea war keine
Amateurin; sie beherrschte das Spiel mit Licht und Blende meisterhaft.
An
einem dieser Nachmittage trat Tabea in ihr Leben. Tabea hatte ebenfalls
eine Kamera um den Hals, doch sie kämpfte sichtlich mit den
Einstellungen. Sie kamen ins Gespräch, und schnell wurde klar: Es war
nicht nur das Fotografieren, das sie verband, sondern auch die Lust am
Wandern.
Es
war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. In den folgenden Monaten
legten sie gemeinsam unzählige Kilometer durch die hessischen Wälder
und Auen zurück. Dorothea, die Profi-Fotografin der beiden, war dabei
eine angenehme Begleiterin. Sie belehrte Tabea nie, sondern ließ sie
ihre eigenen Fehler machen, während sie selbst schweigend ihre
preisverdächtigen Aufnahmen machte.
Die Krönung ihrer Freundschaft war
eine Tour von Hütte zu Hütte in den Alpen. Es war eine Zeit voller
Lachen, Blasen an den Füßen und dem gemeinsamen Stolz auf die
mitgebrachten Bilder.
Doch dann, ohne Vorwarnung, kippte die Stimmung.
Es
begann auf einer vertrauten Route im Taunus. Dorothea, sonst die Ruhe
selbst, wurde mürrisch. Sie kritisierte die Wege, die sie gemeinsam
ausgesucht hatten, beschwerte sich über das Wetter und die Ausrüstung.
Tabea versuchte anfangs, die Launen mit Humor zu nehmen, doch Dorotheas
Bitterkeit wurde von Mal zu Mal schärfer.
„Vielleicht
ist es besser, wenn wir uns trennen“, sagte Tabea schließlich eines
Tages, verletzt und ratlos, als sie wieder einmal wegen einer
Nichtigkeit angefahren wurde.
Dorothea zuckte nur die Achseln. „Dann wird das wohl so sein“, antwortete sie lakonisch. Kein Versuch einer Erklärung, kein Abschiedswort.
Dorothea zuckte nur die Achseln. „Dann wird das wohl so sein“, antwortete sie lakonisch. Kein Versuch einer Erklärung, kein Abschiedswort.
Tabea
fuhr frustriert nach Hause. Sie wartete auf einen Anruf, eine
Entschuldigung, doch das Telefon blieb stumm. Die gemeinsamen
Wanderungen waren vorbei, die Funkstille war absolut.









Kommentare:
AntwortenLöschen