Das lüsterne Spiel mit der Macht ist besonders fein gewürzt, je genauer man weiß,was alle anderen nicht wissen. *Christa Schyboll*

Katharina von Rußland und die Grabkapelle auf dem Württemberg

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Im Schloß Ludwigsburg hängt ein Bild, ein romantisches Landschaftsbild.

Es zeigt neben einem Blick in das Neckartal die Stammburg der Württemberger, so wie sie Anfang des
18. Jahrhunderts stand. Eine mittelalterliche Großburg und ein Lieblingsbild der Württemberger.

Burg Wirttemberg, die Wiege des Württemberger Geschlechts.

 Quelle:

Hier oben radeln wir auch sehr gerne, erst kürzlich haben wir eine Tour von meinem Wohnort auf den Württemberg über den Kappelberg in Fellbach geradelt und sind auch an der Grabkapelle vorbeigekommen.

Blick über den Kappelberg auf die Grabkapelle bei einer Tour am 6. April 2020 

Rechts im Bild die Grabkapelle auf dem Württemberg.



Die Bilder von - und innen in der Kapelle - entstanden im Sommer 2019 bei einer Führung mit früheren Kollegen und dem Bärle, der in Stuttgart Führungen veranstaltet. Das Bärle ist auch ein früherer Kollege von mir und wir alle haben einen guten Kontakt.

Die Grabkapelle ist im Moment wegen Corona geschlossen, man kann sie aber mit Sicherheit bald wieder mit den entsprechenden Schutzmaßnahmen besichtigen. Man muß schon ordentlich radeln, um auf diesen Berg hinaufzukommen und es sind einige Höhenmeter zu bewältigen.
Es sind noch einige Touren, die ich mit einer Geschichte aus Württemberg verbinden werde und habe das auch schon auf meinem Blog gemacht. Ich habe schon einiges von Frauen aus dem Hause Württemberg vorgestellt und es hat viele Zarentöchter dabei. Vor Jahren war mal im Alten Schloß eine Ausstellung "Im Glanz der Zaren", die ich besucht habe und die ein sehr großer Erfolg war. 
Der Zarenhof ist viel mit württembergischer Geschichte verbunden, denn einige russische Großfürstinnen waren württembergische Königinnen.

Übrigens, es ist nicht die Grabkapelle auf dem Rotenberg, sondern auf dem Württemberg, das wird so oft falsch gesagt.
Das ist der Württemberg und das Dorf heisst Rotenberg, das inzwischen zu Stuttgart als Stadtteil gehört. 

Kommt man heute auf den Württemberg, bietet sich ein vollkommen anderes Bild. Die Burg ist verschwunden und das Plateau ist geräumt. Der Hügel ist begradigt.
Es erhebt sich heute die Grabkapelle für die 
Königin Katharina von Württemberg, Katharina von Rußland, Großfürstin von Rußland und die zweite Frau von König Wilhelm II.

Die Aussicht von oben auf einen Teil von Stuttgart.


Am 23. Mai 1788 kommt sie in Zarskoje Selo als Tochter des russischen Großfürsten und späteren Zaren Paul I. und seiner Gemahlin Maria Fjodorowna (Sophie Dorothee von Württemberg) zur Welt. Der Aufstieg und Fall Napoleons prägten ihr Leben. Als Antwort auf das Werben Napoleons, das man am russischen Zarenhof mit Verachtung aufnahm, wurde Katharina, die Schwester Alexander I., 1809 mit Herzog Georg von Oldenburg verheiratet.




Nach nur drei Jahren glücklicher Ehe, der Herzog verstarb an Thyphus, verband sich Katharina - nachdem sich die Heiratspläne mit Erzherzog Karl von Österreich zerschlagen hatten - 1816 mit dem Württembergischen Kronprinzen Wilhelm.

Dieser hatte sich vorher von einer ersten Gemahlin, Charlotte von Bayern (nach ihr wurde der Charlottenplatz in Stuttgart benannt), mit Billigung des Papstes scheiden lassen, weil die Verbindung auf politischen Druck hin - auch hier galt es das Werben Napoleons abzuwehren - zustande gekommen war, aber nie vollzogen worden war.

Der Kronprinz Wilhelm entscheidet sich für Katharina weniger aus Liebe, als aus Kalkül für diese Verbindung. Schließlich brachte sie auch eine immense Mitgift mit. Katharina aber verliebte sich wirklich in diesen Mann.
Diese Ehe galt allgemein als sehr gut, wenngleich Wilhelm sich anderen Frauen gegenüber nicht abgeneigt zeigte.

Das Volk jubelte, eine junge Kronprinzessin.
Ein halbes Jahr später stirbt der dicke Friedrich und damit ist nun der gar nicht mehr so ganz junge 
Kronprinz Wilhelm König und Katharina Königin von Württemberg.

Drei Jahre dauerte diese Ehe, knapp zweieinhalb Jahre war Katharina Königin von Württemberg.
Es ist fesselnd zu sehen, was diese Frau in der kurzen Zeit alles fertiggebracht hat.

Aus ihrem Vermögen hat sie auch reichhaltige Opfer gebracht. Sie gründete Schulen, moderne Lehrpläne, Turnunterricht - damals - für Mädchen. Das Katharinenhospital, das heute noch ihren Namen trägt.
In den großen Hungerjahren gründet sie die erste württembergische Sparkasse, mit einem großen sozialen Impuls. Sie baut und lässt bauen, die Katharinenpflege, Kinderanstalten. Das alles aber auch von einer einzigartigen Vielseitigkeit und einem sehr großen Tempo. Das Tempo ist hektisch, aber es sind keine unüberlegten Aktionen.

Das alles bringt über Jahrzehnte dem Land eine Sozialstruktur, die anderwärts so nicht vorhanden war.
Sie wickelt nebenher noch die gesamte Korrespondenz ab und bringt noch zwei gesunde Kinder auf die Welt.
Kurz und gut war ihr ununterbrochen tätiges Leben, wie es niemand anderes durchstehen würde.

Merkwürdig ist ihr Lebensende, für das es keine Erklärung gibt.

Im Winter 1818/19 kurz nach Weihnachten, wird sie von einer Krise überfallen. Sie verliert den Mut am Leben.
Man hat geahnt, dass eine Nachricht dahinterstand, die sie sehr erschüttert haben muß.
Sie reist im offenen Wagen von Ludwigsburg nach Scharnhausen auf das Gestüt hinauf. Im Schnee- und Eisregen eines Januartages  ohne Mantel und kommt völlig durchnässt in Scharnhausen an.
Hier vermutet sie ihren Mann mit der Schauspielerin Amalie von Stubenrauch. Man munkelt auch, dass sie die Beiden erwischt hat.

Sie geht noch zwei Stunden spazieren und legt sich dann mit einer Grippe auf das Krankenlager. Es wird eine Gürtelrose daraus und nach wenigen Tagen stirbt sie, ohne Widerstandswillen am 9. Januar 1819.
Das Leid der Bevölkerung ist abgrundtief. Nun ja der Schmerz des Gatten wohl auch.
"Die Liebe höret nimmer auf!" steht am Eingangstor zur Kapelle. Hä! 
Letzendlich hat er sich ja auch selbst sein Grabmahl geschaffen, denn er ist neben Katharina bestattet. 






Königin Katharina liebte den Platz auf dem Württemberg und hielt sich dort oben sehr gerne auf.
Sie wird in der Stiftskirche zu Stuttgart begraben.





Bald nach dem Tod von Katharina lässt König Wilhelm das Plateau der ehemaligen Stammburg planieren und beginnt mit einer Grabkapelle für die Verstorbene. Er gewinnt den italienischen Architekten Salucci aus Mantua, dessen kühler und nobler Klassizismus dem König sehr lange lag. Viele Bauten in Stuttgart tragen seine Hand z.B. das Schloß Rosenstein, über das ich auch schon berichtet habe.

Zu einer Zeit, als man eigentlich romantisch baute, hat Wilhelm diese distanzierte Rückerinnerung an das Pantheon in Rom mit Kuppel und Säulenumgang sehr gefallen.
Für den Architekten war es allerdings sehr schwer in den reinen Zentralbau antiker Prägung eine russische Kirche einzubauen, die unbedingt einen Chor, eine Bilderwand, eine Ikonostasis, brauchte.




Salucci hat das auf eine sehr kluge Weise gelöst, indem er den Säulenumgang durch Pfeilerwände durchbrach und so diesen Chor aussparte, hinter dem die drei Hauptaltäre der Kirche stehen.





Einer der vier Evangelisten von Johann Friedrich Dannecker

Danneckers Figur des Johannes fällt auf.









Eine schmale Holztreppe führt hinunter. 






Ein Stockwerk tiefer befindet sich die Gruft, in der die Särge, von Katharinas 1824 und die ihrer Angehörigen später beigesetzt worden sind. Nach fünf Jahren Bauzeit war die Kapelle fertig. Der Leichnam Katharinas wurde aus der Stuttgarter Stiftskirche hier heraufgeführt.
Es war ein erneuter Anlaß für die Bevölkerung sich an die Verstorbene zu erinnern. Es sind nochmal die Trauermusiken von 1819 aufgeführt worden und Gedichte kamen hinzu. 



Königin Katharina 
von Johann Friedrich Dannecker


Ludwig Uhland hat das berühmt gewordene Gedicht auf Katharina geschrieben, mit dem er sich eigentlich mit dem König, mit dem er politisch sehr stark differierte, ausgesöhnt hat.

Gottes Engel setzte seinen Fuß,
Ach, für selige Augenblicke nur
Auf die arme, ausgedörrte Flur.
Unauslöschlich aber bleibt die Spur
Unversiegbar quillt der Segensfluß

Königin Katharina, sie ist bekannt in Württemberg und lebt fort. In Sparkassen, in Schulen, das Königin Katharina Stift z.B. die sozialen Einrichtungen, die damals alle so ungewöhnlich modern waren und die sie zum großen Teil aus ihrer immensen russischen Mitgift bezahlt hat.

Hier am Sarg der verstorbenen Königin gab der König Ludwig Uhland die Hand und sagte:

"Wir sind verschiedener Ansichten, aber dies eint uns." 


Black and White  
Lieber Marius such dir die passenden Bilder in 
Schwarz-Weiß heraus. 

Quelle:
Ausstellungsbuch "Im Glanz der Zaren"
Paul Sauer, Tamm, Wilhelm II. von Württemberg 

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Stopp, nur lesen, wer die Tour nachfahren möchte: 


79,93 Kilometer
Reine Fahrzeit 4:50 Std.

Höhenmeter:
Gesamt: 891

Wetter: 14 Grad
Luftfeuchtigkeit 45 %

Kommentare

  1. Was für ein wunderschöäner Beitrag! Geschichte liebte ich schon als Kind in der Schule und meine Büchersammlung besteht überwiegend aus histroischen Sachbüchern und Biographien... Vielen Dank fürs Vorstellen und fürs Zeugen der tollen Bilder!

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  2. Liebe Eva ,

    Interessante Geschichte … Es ist kaum zu glauben wie sehr waren früher die Königshäuser miteinander verbunden. Hatte aber nicht viel geholfen die Krieger wurden trotz dem geführt :-(
    Die Bilder von der Kappeler hat mir auf anhieb an Pantheon in Rom erinnert.
    Viele Grüße
    czoczo

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  3. Es war sehr interessant hier über diese Katharina zu lesen.
    Liebe Grüße

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  4. So ein interessanter Post über Katharina und dazu deine schönen Bilder.
    Hab einen feinen Sonntag, Marita

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  5. Liebe Eva, erst mal, dein SW Bilder hier sind alle wunderschön. Dann vielen Dank für den interessanten Beitrag und den Reisevorschlag.
    LG Esther

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