Moderne Blicke
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Mit meiner Schwester war ich vor ca. zwei Wochen in der Ausstellung
"Moderne Blicke"
Modigliani
Meine Schwester mag diesen Maler schon seit sie denken kann und ist begeistert von seinen Bilder, vor allem, wie er die Gesichter und die Augen der Menschen, die er gemalt hat, gesehen hat.
Deshalb haben wir uns entschlossen, die Ausstellung
"Moderne Blicke" in der Stuttgarter Staatsgalerie anzuschauen.
"Wenn ich deine Seelen kenne, werde ich deine Augen malen."
Es ist ein Zitat von Modigliani und wer seine Bilder anschaut, kann es durchaus sehen, wie er die Menschen, die er gemalt hat, gesehen hat. In der Ausstellung kann man auch Bilder von Künstlern sehen, die mit Modigliani befreundet waren,
Alles kann ich natürlich nicht zeigen, es ist nur ein kleiner Streifzug.
Amadeo Clemente Modigliani wird am 12 Juli 1884 als viertes und jüngstes Kind von Flaminio Modigliani und Eugenia Garsin in Livorno geboren. Beiden Elternteile stammen von sephardischen Juden ab. Das Unternehmen der ursprünglich recht wohlhabenden Familie, die mit Holz und Kohle handelt und in Finanzgeschäften tätig ist, geht kurz vor Modiglianis Geburt bankrott. In den darauffolgenden Jahren sorgt insbesondere seine aus Marsaille stammende Mutter als Privatlehrerin und Übersetzerin für das Auskommen der Familie. Auch Modigliani wird bis 1894, als er auf eine öffentliche Schule wechselt, von ihr unterrichtet und wächst unter dem Einfluss seines belesenen und kunstinteressierten Großvaters mütterlicherseits auf. Bereits als Jugendlicher äußert er den Wunsch, Maler zu werden.
Modigliani erkrankt an Typhus. In der Folge plagt ihn zusätzlich noch eine schwere Lungenerkrankung. Er bricht die Schule ab und nimmt Zeichenunterricht bei dem Livorneser Maler Guglielmo Michaeli. Zu dieser Zeit beginnt er sich auch für die Bildhauerei zu interessieren.
Modigliani erkrankt an Tuberkulose. Wegen seines erneuten Lungenleidens verbringt er einige Zeit in Neapel und an der Amalfiküste, Er reist nach Rom und Florenz und besucht dort die Sammlungen der großen Museen. In Rom lebt er im Atelierhaus seiner Cousinen Olga und Corinna Modigliani, die zu dieser Zeit als Künstlerinnen in Italien erfolgreich sind.
Modigliani studiert ab Mai 1902 Malerei an der Scuola Libera del Nudo in Florenz, wo er sich intensiv mit der Kunst der Renaissance auseinandersetzt. Im folgenden Frühjahr geht er nach Venedig und schreibt sich dort am Reale Instituto di Belle Arti ein. In der Stadt studieren weitere Mitglieder der Italienischen Avantgarde, wie Ardengo Soffici, den Modigliani 1903 in Venedig kennengelernt und 1906 in Paris wiedersieht, und der Futurist Umberto Boccioni, den er 1902 in der französischen Hauptstadt treffen wird.
Auf den Biennalen 1903 und 1905 sieht Modigliani Kunst des Symbolismus und des Impressionismus sowie Skulpturen des fanzösichen Bildhauers Auguste Rodin .
1906
Anfang des Jahres zieht Modigliani nach Paris, das damalige Zentrum der künstlerischen Avantgarde. Er mietet ein Atelier am Montmartre, in der Nähe des als Atelierhaus genutzten Bateau-Lavoir, wo Pablo Picasso und Georges Braque wenig später den Kubismus begründen. Modigliani gehört schnell zum Kreis von Picasso. André Derain, Kees van Dongen, Juan Gris und Maurice des Vlaminck. Er besucht Kurse an der Academie Colarossi und orientiert sich stilistisch zunächst an etablierten Künstern wie Paul Cézanne und Henri de Toulouse-Lautrec. Auch die Werke aus Picassos Blauer Periode regen ihn an. Durch Derain und Henry Matisse wird Modigliani mit außereuropäischen Plastiken vertraut, für deren Ausdruckskraft er sich begeistert. Gegen Ende Jahres lernt er den deutschen Maler Ludwig Meidner kennen, der wie Modigliani jüdische Wurzeln hat und diesen als letzten echten "Bohémien" bezeichnet.
Diego Rivera (Maler und Ehemann von Frida Kahlo)
Öl auf Karton 1914
Paul Cézanne
Madame Cézanne
Öl auf Leinwand
1886
Die Bettlerin
Öl lauf Leinwand
1909
Amadeo Modigliani
Léopold Zberowski
Öl auf Leinwand
1916
La Garçonne
Die Moderne Frau
In Modiglianis weiblichen Bildnissen begegnet einem vielfach ein Frauenbild, das man heute mit der Neuen Sachlichkeit der 1920er Jahre verbindet. Zu den Künstlern des Montparnasse zählen auch Frauen vieler Nationalitäten, die als Malerin, Bldhauerin, Modeschöpferin oder Schriftstellerin arbeiten und einen unkonventionellen Lebensstil pflegen.
Modigliani trifft hier auch auf die Modelle des Modeschöpfers Paul Poiret, die schon während des ersten Weltkrieges Kurzhaarfrisuren und männliche Kleidung tragen, wie das Porträt der Hélene (Elena Josephine Bernier Povolozky zeigt. Der Maler ist damit auch ein Chronist eines neuen Selbstbewusstseins von Frauen, die während des Krieges in vielen Bereichen der Gesellschaft Verantwortung übernehmen.
Neben dem charakteristischen Bubikopf wird das zunächst bei Kindern beliebte Matrosenhemd bevorzugtes Kleidungsstück vieler Frauen. Nicht nur Modigliani greift diese Mode auf, sondern auch die französische Künstlerin Emilie Carmy, die wie Modigliani in der Galerie Berthe Weill ausstellte. Charmy bringt ihre Distanz zum traditonellen Frauenbild damit doppelt zum Ausdruck. Sie distanziert sich mit dem Kinderkleid vom Rollenbild der Mutter und zeigt mit der Marineuniform zugleich ihre emanzipierte Haltung.
Frauenbildnis
Öl auf Leinwand
1918
Maud Abrantés
Eine Moderne Frau
Unter
den Portraits, die Modigliani von seinem Pariser Freundeskreis
anfertigt, findet sich eine Gruppe von Bildnissen der in Berlin
aufgewachsenen Leontine Phipps. Nach ihrer Hochzeit mit einem Wiener
Adeligen bereist sie Europa und kommt mit Kreisen in Berührung, in denen
Drogen und Alkoholkonsum selbstverständlich sind. In den hier
ausgestellten Werken betont Modigliani, die schweren Llder und tiefen
Augenschatten der morphiumsüchtigen Freundin.
Nach
zwei Entziehungskuren sucht Phipps einen Neuanfang bei Dr. Paul
Alexandre in der Rue de Delta. Sie beginnt zu zeichnen, gibt sich den
Künstlernamen Maud Abrantés und pflegt eine Freundschaft mit Modigliani,
mit dem sie viele Gemeinsamkeiten hat. Er kommt wie sie aus einem
mehrsprachigen Elternhaus, ist literarisch und musikalisch gebildet und
es ist anzunehmen, dass sie ihm als Kosmopolitin auch von der
Avantgarde in Wien oder Berlin berichtet. So lässt sich der auf der
Rückseite des Portraits gemalte Halbakt mit Hut gut mit den von Jeanne
Mammen in Berlin festgehaltenen Frauenstudien vergleichen, die wenig
später entstehen.
Amadeo Modigliani
Jacques und Berthe Lipchitz
1916
Öl auf Leinwand
Jacques und Berthe Lipchitz
1916
Öl auf Leinwand
Ein Bild, das mich in seinen Bann gezogen hat und ich mich hingesetzt habe, um es zu studieren. Meine Schwester meinte, dass es ausdrucklos sein, das finde ich nicht. Aber jeder sieht es eben anders.
Auch sehr ausdrucksstark Johanna Staude, eine moderne und selbstbewußte Frau und das strahlt das Bild auch aus,
Gustav Klimt
1917-1918
Öl auf Leinwand
1916
Modigliani lernt den polnischen Dichter und Kunsthändler Léopold Zborowski kennen, der Paul Guillaume als sein Händler und Förderer ablöst. Auch Moise Kisling und Chaim Soutine werden von ihm vertreten. Auf Zborowskis Anregung wendet sich Modigliani vertärkt der Aktmalerei zu. Im Mai gibt Hugo Ball in Zürich die erste Dada-Publikation unter dem Titel Cararet Voltaire heraus. Darin werden neben Werken von Hans Arp, Max Oppenheimer und Arthur Segal auch zwei Zeichnungen von Modigliani abgedruckt. Bei der Ausstellung Lyre et Palette in Paris zeigt Modigliani vierzehn Gemälde und eine nicht näher benannte Auswahl von Zeichnungen. Aus einer Affäre mit der Medizinstudentin Simone Thiroux geht im Mai 1917 ein Sohn hervor, den Modigliani nicht anerkennt.
1917
Modigliani bezieht mit der neunzehnjährigen Kunststudentin Jeanne Hébuterne, die er vermutlich Ende 1916 an der Académie Colorossi kennengelernt hat, eine gemeinsame Wohnung in der Rue de la Grande Chaumiére am Montparnasse.
Im Dezember arrangiert Zborowski Modiglianis erste und einzige Einzelausstellung zu Lebzeiten in der Galerie von Berthe Weill, bei der bereits schon Picasso, de Vlaminck und van Dogen ausgestellt haben. Das oft kolportierte einer polizeilich geschlossenen Skandalausstellung ist jedoch zu revidieren. Mindestens vier Akte mit sichtbarer Schambehaarung müssen unter dem Vorwurf der "unanständigen Entblößung" kurz nach der Eröffnung aus den Galerieräumen entfernt werden. Dei Ausstellung bleibt geöffnet, aber es werden nur zwei Zeichnungen verkauft.
1918
Um der drohenden Invasion deutscher Truppen zu entgehen, reist Modigliani mit Jeanne Hébuterne auf Einladung Zborowskis im März an die Cote d Azur.
Am 29. November kommt in Nizza die gemeinsame Tochter Jeanne zur Welt. Eine geplante Hochzeit scheitert, weil Dokumente fehlen. Bezeugt von Zborowski unterschreibt Modigliani im folgenden Jahr ein Heiratsversprechen, das er jedoch wegen seiner fortschreitenden Tuberkuloseerkrankung nicht mehr einlösen kann.
Paul Guillaume zeigt im Dezember in seiner Pariser Galerie die Ausstellung
Peintres d'aujourd'hui
mit Werken unter anderem von Giorgio de Chirico, Derain, Matisse, Picasso, de Vlaminck und Modigliani.
Modigliani kehrt im Mai nach Paris zurück , wohin ihm Jeanne Hébuterne - schwanger mit dem zweiten Kind - einige Zeit später folgt. Die ersten Bilder, die nach der Rückkehr entstehen, zeigen eine deutliche aufgehellte, vom Licht des Südens beeinflusste Palette. Modigliani widmet sich weiterhin vornehmlich dem Portrait und bildet den Stil seiner letzten Lebensphase heraus, der von lang gezogenen Gesichtern und schmalen Hälsen geprägt ist. Zu seinen bevorzugten Modellen gehört
Jéanne Hébuterne. Beide lieben sich sehr.
Die Galerie der Berthe Weill
Die dort gezeigten Aktgemälde erregen die Aufmerksamkeit der Sittenstrengen Polizei und führen beinahe zu Schließung der Ausstellung.

































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