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Es war ein warmer, goldener Sommertag. Die Sonne schien warm auf die Erde bei der Wilden Möhre und der kleinen Pfütze.
Inmitten dieses Paradieses, genau an der Grenze zwischen den schönen Dolden der Wilden Möhre und der Pfütze, ereignete sich an diesem Nachmittag eine ganz besondere Begegnung.
Die stolzen Flieger und die eleganten Krabbler
Am Rand der Pfütze saß eine Familie von Kohlweißlingen. Ihre Flügel schimmerten im Sonnenlicht in einem zarten Cremeweiß, verziert mit feinen, dunklen Punkten. Sie schwebten hin und her und tranken immer wieder das Wasser aus der Pfütze. Aber sie hielten immer Ausschau nach den besten Plätzen für ihre Raupen.
Direkt nebenan, auf den hohen, Fruchtständen der Wilden Möhre, hatte sich eine Reisegruppe von Streifenwanzen niedergelassen. Sie trugen ihre prächtigen, rot-schwarz gestreiften Rüstungen spazieren, die wie die modischen Trikots einer Fußballmannschaft wirkten.
„Schaut euch diese eleganten, weißen Wesen an“, flüsterte Carlo, eine besonders prachtvoll gemusterte Streifenwanze, und wippte auf seiner Doldenblüte auf und ab. "Sie fliegen so leicht, als wären sie aus Wolken gemacht."
Zur gleichen Zeit blickte Bella, eine zierliche Kohlweißlingsdame hinüber zu den Fruchtständen. "Was für ein modisches Statement!", rief sie verzückt. "Diese Streifen! Rot und Schwarz – das nenne ich Mut zur Farbe. Wir sind dagegen doch recht farblos."
Ein Gespräch über den Gartenzaun
Mutig geworden durch die gegenseitige Bewunderung, flatterte Bella hinüber zur Wilden Möhre. Carlo streckte neugierig seine Fühler aus.
"Guten Tag, Nachbarin!", grüßte Carlo höflich. "Ein schöner Tag für einen Ausflug, nicht wahr?"
"Oh ja, wunderschön!", antwortete Bella und ließ sich sachte auf einer Nachbardolde nieder. "Ich habe eure wunderschönen Streifen bewundert. Woher habt ihr diesen modischen Panzer?"
Carlo lachte ein leises Wanzenlachen. "Das ist unsere Warntracht! Wenn Vögel uns sehen, wissen sie sofort: "Vorsicht, diese Wanzen schmecken bitter und riechen streng!"' Es ist unsere Rüstung. Aber euer Weiß ist so rein und friedlich, das ist doch herrlich."
Bella kicherte. "Friedlich? Na ja, die Gärtner sehen das leider anders. Wenn sie unsere grünen Raupen auf dem Gemüsekohl entdecken, ist es mit dem Frieden schnell vorbei. Unsere Kleinen haben einfach einen Riesenhunger auf Senföle."
"Das kennen wir!", stimmte Carlo zu und saugte genüsslich an einem Samenkorn. "Wir lieben den Saft der Doldenblütler. Aber weißt du was? Der Garten ist groß genug für uns alle."
Die Wanze seufzt: „Ich mag nicht
stinken,
will lieber edlen Wein hier
trinken.“
Doch ach, sie riecht beim
Sinken:
„Ich muss wohl leider
stinken!“
Schüttelreim E.-M.H.
Das Fest der Vielfalt
Die beiden verstanden sich auf Anhieb so gut, dass sie beschlossen, ein kleines Fest zu feiern. Bella rief ihre weißen Schmetterlingsfreunde herbei, und Carlo trommelte seine gestreifte Wanzen-Verwandtschaft zusammen.
Es wurde ein wunderschönes Bild: Die schneeweißen Schmetterlinge tanzten in eleganten Kurven um die hohen Blüten herum, während die rot-schwarzen Streifenwanzen im Takt der Sommerbrise auf den Dolden schaukelten. Sie teilten sich den den Spazierweg in perfekter Harmonie – die einen an der Pfütze, die anderen auf den Dolden der Wilden Möhre.
Als die Sonne langsam unterging und den Himmel in warme Orangetöne tauchte, flog Bella zurück zu ihrer Pfütze. Carlo winkte ihr mit einem Fühler zu. Sie hatten gelernt, dass man weder gleich aussehen noch dasselbe essen muss, um wunderbare Nachbarn zu sein.
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