Bilder einer Ausstellung, Modest Mussorgsky, Musik am Samstag
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Ich hatte es in einem vorigen Post schon mal erwähnt.
In den 1964er Jahren gab es im SDR (heute SWR) immer den Schulfunk, den ich mit Interesse meisten gehört hatte, denn hier war einiges dabei, was mich interessierte.
So kam ich zu dem Musikzyklus "Bilder einer Ausstellung'" von Modest Mussorgsky.
Ein Komponist, mit dem man erst mal "warm" werden muß.
Seine "Nacht auf dem kahlen Berge" und die Oper "Boris Godonow" sind schon gewöhnungsbedürftig. Die Oper Stuttgart hatte Oper schon im Programm, aber so recht hat es mich hier nicht herangezogen.
Was mich aber auch schon damals fasziniert hatte, waren die "Bilder einer Ausstellung".
Modest Mussorgsky war in ständiger Geldnot und starb am 18. März 1881 in St. Petersburg mit nur 42 Jahren am jahrelangen Alkoholkonsum.
Seine letzten Lebensjahr verbrachte er bei Dana Leonowa, die ihn finanziell unterstützte und für die er einige Kompostionen schrieb.
Viktor Hartmann war seit 1870 ein sehr enger Freund von Mussorgsky, als er am
4. August 1873 starb, war Mussorgsky sehr verzweifelt.
Die Akademie der Künste in St. Petersburg veranstalte im Februar und März 1874 eine Ausstellung mit 4000 Bildern.
Mussorgsky sah sich die Bilder an und 10 davon inspirierten ihn zu diesen Zyklus.
Viele Bilder von Viktor Hartmann sind verschollen und ob es für diesen Zyklus tatsächlich Bildvorlagen gegeben hat, weiß man nicht genau.
Kandinsky, der sicherlich ein großer Künstler war, der aber auch eine entsprechende Einbildung hatte, sprach von diesem Zyklius. dass die Muisik auf keinen Fall "den gemalten Bildchen" entspreche.
Auch Kandinsky hat zu den "Bildern einer Ausstellung" verschiedene Bilder gemalt.
Auch sehr schön, das große Tor von Kiew. Aber muß man deshalb von Bildchen sprechen.
Mussorgsky schrieb diesen Zyklus für Klavier, auch hier gefällt mir der Zyklus sehr gut.
Den harten Klavierton von Mussorgsky haben verschiedene Bearbeiter zu verfeinern versucht. Es gelang keinem.
Von vielen russischen Komponisten war es Mussorgsky , dem die Bewunderung Debussys und Ravels galt. Ravel hatte 1913 zusammen mit Igor Strawinsky Mussorgskys Oper "Chowanschtschina" für eine Pariser Aufführung der Ballets Russe eingerichte. Neun Jahre später entstand seine Orchesterfassung der Bilder einer Ausstellung.
Ravel hat die 10 Bilder Viktor Hartmanns ebenso einfühlsam wie virtuos koloriert. Dies ohne dass die Kraft und Expressivität des Originals von den leichtenden Klangfarben des Orchesters übertüncht werden.
Seine Instrumentation entspricht in bemerkenswerter Weise den doch recht "kühnen" Unebenheiten der Partitur Mussorgskys.
Die Promenade ist das Thema dieses Zyklusses und soll den Gang von Bild zu Bild beschreiben.
Klar konturierte Bläsersoli, z.B. das Altsaxophon im "Alten Schloß" oder die hohe Solotrompete mit Dämpfer im "Samuel Goldenberg und Schmuyle", hier hört man die "Bettelei" förmlich.
Der Bydlo z. B. das ist ein Orchsenkarren, der leise erklingt und dann mit dem stampfenden Ochsen vorüberfährt und langsam wieder verklingt.
Oder auch die Baba Jaga, die russische Hexe, die durch die Gegend fliegt.
Zum Schloß das große Tor von Kiew, hier wird es einem auch bewußt, wie groß dieses Tor gewesen sein muß und das wohl auf das Goldene Tor von Kiew hinweist.
Am 19. Oktober 1922 wurden die jetzt verwandelten, sehr farbintensiven Klangbilder unter der Leitung von Sergej Kussewitzky uraufgeführt.
Die einzelnen Sätze sind:
1. „Der Zwerg“:
Hartmanns Skizze eines unschuldigen Kinderspielzeugs genügte Mussorgsky,
um daraus das dämonische Bild des unglücklichen, verachteten Zwergs zu
machen, dessen grotesken Tanz aus Schellenklingeln und Bocksprüngen die
Musik schildert.
2. „Das alte Schloss“: Für die meisten Zuhörer wird sich die wehmütige
Melodie dieses Satzes automatisch mit dem Klang des Saxophons verbinden,
den Ravel ihr gab. Mussorgsky hatte einen Troubadour vor Augen, der an
den alten Mauern eines Schlosses sein vergebliches Liebeslied singt.
3. „Tuilerien. Spielende Kinder im Streit.“ Kinder spielen in jenem
Pariser Park, der seit der Revolution das Tuilerien-Schloss vor dem
Louvre ersetzt.
4. „Bydlo“: Der schwere Ochsenkarren nach polnischer Art steht bei
Mussorgsky als Symbol für die Unterdrückung des russischen Volkes.
5. „Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen“: Dem quirligen Bild der
Küken, die an ihren Schalen picken und mit einem ersten schüchternen
Piepsen die Flügel regen, bleibt die Musik an Deutlichkeit nichts
schuldig.
6. „Samuel Goldenberg und Schmuyle“: Das Gespräch zwischen dem reichen,
unbarmherzigen Geldverleiher und dem armen jüdischen Bauern, der ihn um
einen letzten Aufschub bittet, endet mit einem überdeutlichen, kalten
„Nein“.
7. „Der Marktplatz in Limoges“: Eine weitere Skizze von Hartmanns
Frankreichreise – keifende Marktweiber, die ihrem Mundwerk freien Lauf
lassen. Es folgt ohne Pause:
8. „Catacombae. Sepulcrum Romanum“: Aus der eigenen Anschauung der
Pariser Katakomben an der Seite Hartmanns entwickelte Mussorgsky dieses
Bild des kalten, grausamen Todes. Der Mittelteil taucht die Melodie der
„Promenade“ in das fahle Licht der Tonart h-Moll und flirrender Tremoli.
„Con mortuis in lingua mortua“ – „Mit den Toten in der Totensprache“
ist dieser Abschnitt überschrieben.
9. „Die Hütte der Baba-Yaga“: Die Hartmann-Skizze eines typischen
russischen Hexenhauses mit Ziffernblatt und Hühnerfüßen war die Vorlage
für dieses diabolische Bild aus den Märchenerzählungen des alten
Russland. Der „Diabolus in musica“, der teuflische Tritonus, tut hier
seine Wirkung.
10. „Das große Tor von Kiew“: Eine monumentale Verherrlichung russischer
Geschichte und nationaler Größe, inspiriert von Hartmanns Skizze eines
„Heldentors in der Thronstadt Kiew“.
Selbst Emerson Lake and Palmer
versuchte sich im gleichnamigen Album an den Bildern einer Ausstellung.
Ich mochte diese Gruppe schon immer, aber mir gefällt hier doch die Ravelsche Fassung besser, wobei man das nicht miteinander vergleich kann.
und noch vielen anderen klassischen Stücken.
Ich finde es schon sehr gut, wie diese Gruppe die Stücke mit einer wunderbaren Improvisation belegt haben.
Kunst ist ein Mittel zur Kommunikation.
Modest Mussorgsky
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Musik wird oft als Lärm befunden,
da sie stets mit Geräusch verbunden.
Wilhelm Busch
Im Nachgang möchte ich noch folgendes hinzufügen.
Es kursiert zur Zeit ein merkwürdiger Song, der absolut primitiv ist.
Ich denke jeder weiß, was ich meine.
Ich distanziere mich von diesem Song, den ich überhaupt nicht kannte.
Er soll wohl in den späten 1980er Jahren ein Partyhit gewesen sein.
Es tut mir leid, aber für Discomusik hatten mein Mann und ich noch nie etwas übrig, deshalb kannte ich den Song gar nicht und ich bin auch nicht traurig drüber. Was ich aber sehr schlimm finde, ist, dass er sich so schnell verbreitet.
Es soll ein Ohrwurm sein, mich inspiriert er nicht als Ohrwurm.
Dieser Song mit dem entsprechenden Text, ist genauso primitiv, wie "Nazis raus".
Tja, die Medien und von Tik Tok und den entsprechenden Medien habe ich noch nie etwas gehalten und bin auch nicht dort registriert.
Wünsche einen schönen Tag, ich gehe jetzt einkaufen und heute Nachmittag muß ich Wäsche bügeln, das Wetter ist halt so.
Trost Ende der Woche wird es besser und dann gehts auf das Rad.
Eine Tour in meinem reichhaltigen Tourenschatz habe ich gefunden.
Morgen gehts in die Oper zur "Götterdämmerung".
Ich freue mich so.










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