Ich sollte Kaiserin werden, Prinzessin Stephanie von Belgien
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Ganz durch Zufall bin ich auf dieses Büchlein gekommen. Es ist die Autobiografie von Stephanie von Belgien, der Ehefrau von Kronprinz Rudolf von Österreich.
Leopold II. von Belgien heiratete 1853 Erzherzogin Maria Henriette, Tochter von Erzherzog Josef Anton, dem Begründer der ungarischen Linie der Habsburger. Stephanie war also mütterlicherseits eine halbe Habsburgerin.
Marie Henriette von Österreich hoffte auf einen Jungen und war enttäuscht, dass es ein Mädchen war auch Leopold II. war nicht entzückt von der Geburt eines Mädchens.
Stephanies Vater war König Leopold II. von Belgien und gehörte zum Adelsgeschlecht Sachsen-Coburg-Gotha, das durch geschickte Heiratspolitik im
19. Jahrhundert zu großem Einfluß kam.
Der Großvater von Stephanie bekam 1831 den belgischen Thron angeboten und begründete als Leopold I. die Dynastie.
Die Ehe von Leopold II. und Marie Henriette war arrangiert und nicht glücklich und Stephanie bekam das immer wieder zu spüren, dass sie ein ungeliebtes Kind war und eigentlich gar nicht auf die Welt hätte kommen dürfen.
König Leopold II. der soviel Unglück über den Kongo gebracht hatte und diesen auch ausgebeutet hat. Er errichtete im Kongo eine Schreckensherrschaft. Baute mit dem Geld, das er von den Kongolesen erpresst hatte, Schlösser und Paläste.
Nicht nur Kindern, die nicht genug Kautschuk gesammelt hatten, wurden die Hände abgehackt, bis er drauf gekommen ist, dass sie dann ja gar keinen Kautschuk mehr sammeln konnten.
Nun, wenn man also nach Belgien reist, sollte man daran denken. Aber, wer weiß das schon, wer will das wissen? Meine Schwiegermutter war Belgierin, davon sprach sie nie.
Er galt als einer der reichsten Männer seiner Zeit. In die Zeit seiner Herrschaft fielen auch die Bestrebungen Belgiens, in Afrika zur Kolonialmacht aufzusteigen.
Er nahm unter grausamen Umständen die "Landnahme" Belgiens im Gebiet des zentralafrikanischen Kongos ein und war auch unter Zeigenossen umstritten.
Stephanie von Belgien und Rudolf von Österreich
unten Stephanie von Belgien
Beide Bilder
Quelle:
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Das wissen viele nicht und auch König Baudouin, der nachfolgende König der Belgier, hat hier ordentlich mitgewirkt.
Es gehört jetzt nicht zum Buch, aber man sollte es auch wissen. Ich gehe hier nicht näher drauf ein, sondern setze einen Link.
Es ist auch die Geschichte von Patrice Lumumba, man sollte es wirklich wissen, was die Belgier im Kongo angerichtet haben.
„Am 17. Januar 1961 endete das Martyrium des Patrice Lumumbas, als er
von einem belgisch-kongolesischen Erschießungskommando hingerichtet
wurde. Seine Leiche wurde vergraben, einige Tage erneut ausgegraben und
in Säure aufgelöst.“
Jona Thiel
Ich bin heute noch entsetzt, dass man ein Getränk "Lumumba" genannt hat.
Erschreckend ist, dass niemand weiß, wer das war.
Er wurde von seinen Gegnern und das waren manche Leute auch beteilit, gefoltert und totgeschlagen.
Es ist unglaublich, was hier passiert ist und erst am 30. Juni 2020 hat sich König Albert von Belgien für die Gräuel im Kongo entschuldigt.
Ich habe das 1961 mitbekommen, denn mein Vater hat das in den Zeitungen mitverfolgt.
Man sollte nicht immer nur Deutschland als Übeltäter hinstellen, andere Völker haben auch Verbrechen an den Menschen verübt, das will aber keiner wissen, sollte man aber.
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Nun aber weiter zum Buch:
Leopold II. suchte für seine Tochter einen Ehemann und es ging hin und her zwischen Österreich und Belgien und als Ehemann kam dann der Kronprinz Rudolf ins Spiel.
Die Hochzeit mit Kronprinz Rudolf fand 1881 statt. Stepfanie war damals noch nicht einmal 17 Jahre alt und noch sehr kindlich, sie begriff gar nicht, was hier mit ihr geschehen ist.
Stephanie war sehr groß und galt als nicht besonders hübsch, zudem noch ziemlich hausbacken, was man allgemein nicht verstanden hat, sie als Ehefrau für Rudolf herauszusuchen.
Auch ihre Persönlichkeit wurde als nicht sehr anziehend geschildert und sie hatte enorme Probleme mit der Familie ihres Gatten. Elisabeth ließ Stephanie ihre Ablehnung deutlich spüren. Elisabeth, DIE Sissi bezeichnete Stephanie mal abwertend als "hässliches Trampeltier".
Anfangs war die Ehe zwischen Rudolf und Stephanie recht harmonisch und im Buch zitiert Stephanie auch die Briefe, die Rudolf ihr geschrieben hat.
1883 kam die Tochter Elisabeth (Erzsi) zur Welt, das einzige Kind aus dieser Verbindung.
Später verweigerte sich Stephanie ihrem Ehemann und schlief alleine in einem Bett. Rudolf entwickelte sich zu einem Außenseiter, er trank Alkohol, hatte Frauengeschichten und steckte Stephanie mit einer Geschlechtskrankheit an, die er sich bei seinen Eskapaden geholt hatte und sie dadurch unfruchtbar machte. Hier war Stephanie gerade mal 22 Jahre alt.
Mayerling 1899, der Selbstmord Rudolfs in Mayerling war nicht nur das Ende einer unglücklichen Ehe, sondern beendete auch die Stellung von Stephanie am Wiener Hof.
Stephanie wurde nicht nur von Elisabeth für den Tod von Rudolf verantwortlich gemacht, sie hätte ihrem Gatten nicht die nötige Geborgenheit gegeben. Die ganze Hofgesellschaft lehnte Stephanie ab. Deshalb mied sie den Hof, machte Reisen.
Mit ihrer belgischen Verwandschaft fochte sie dann später zahlreiche Prozesse in Vermögensfragen durch. Leopold II. hatte sein ganzes Vermögen nicht seinen Kindern, sondern seiner Geliebten vermacht.
(Selbst meine Mutter, die eine große Vorliebe für die Habsburger und Österreicher hatte, weiß der Hecht warum, sagte wörtlich, "diese Stephanie war ein Biest". Dabei hatte sie noch nie ein Buch von ihr gelesen. Hier kann man sehen, was man durch Geschwätz kaputt machen kann.
Ich habe das noch nie geglaubt, denn auch wer die Biografie "Rudolf" von Brigitte Hamann gelesen hat, weiß, dass das nicht so war.
Im Jahr 1900 ging Stephanie dann eine zweite Ehe mit dem ungarischen Aristokraten Elemér Lónyay de Nagylónya (1863-1946) ein.
Diese Heirat sogte sowohl in Belgien, als auch in Österreich für weiteren Zoff und selbst Kaiserin Zita (die kann ich gar nicht leiden und sie wurde, warum auch immer selig gesprochen), meinte damals, Stephanie hätte die Habsburger verraten.
Durch diese Heirat, die ihr auch Leopold II. verboten hatte, verlor sie alle ihre Privilegien. Die Vormundschaft für ihre Tochter Elisabeth übernahm Kaiser Franz Joseph.
1935 sorgte sie gerade mit diesem Buch mit der Veröffentlichung für Aufsehen, was auch zu einem Gerichtsprozess mit ihrer Tochter führte.
Elisabeth wurde auch als die ROTE Erzherzogin bekannt.
Über ihr weiteres Leben und auch die spätere Heirat schreibt Stephanie nichts. Wahrscheinlich auch deshalb, weil sie gerade in dieser späteren Beziehung sehr glücklich war.
Sie und ihr Mann mußten ihr Schloß beim Einmarsch der Roten Armee in Ungarn Schloss Oroszvár, wo sie sich niedergelassen hatten verlassen und fanden in der Benediktinerabtei Pannonhalma in Westungarn Schutz.
Stephanie starb 23. August 1945 in der Benediktinerabtei von Pannonhalma in Westungarn, wo sie Zuflucht vor dem Einmarsch der Roten Armee gefunden hatte und wo sie auch begraben liegt.
Elemér starb 6 Monate nach Stephanie und beide liegen zusammen in der Stiftkirche von Pannonhalma in der Krypta.
Da das Paar keine Nachkommen hatte, erlosch der Fürstentitel.
Es ist ein sehr eindrucksvolles Buch, besonders eindrucksvoll sind auch die liebevollen Briefe, die sich Rudolf und Stephanie geschrieben haben.
Das war aber nur in der ersten Zeit.
Letzter Brief Rudolfs an Stephanie, der Brief trägt kein Datum:
Liebe Stephanie!
Du bist von meiner Gegenwart und Plage befreit; werde glücklich auf Deine Art. Sei gut für die arme Kleine, die das einzige ist, was von mir übrig bleibt. Allen Bekannten, besonders Bombelles, Spindler, Latour, Nowo, Gisela, Leopold etc. etc. sage meine letzten Grüße.
Ich gehe ruhig in den Tod, der allein meinen guten Namen retten kann.
Das Buch schließt mit dem Text von Stephanie:
"Dort, wo sich das Schicksal des Kronprinzen vollendete, erhebt sich heute ein Sühnekloster. Mayerling liegt unweit von Wien in einem der anmutigen Täler des Wiener Waldes und wird von Baden aus bequem erreicht. Rudolf bevorzugte den Aufenthalt in diesem Jagdgebiet, das mit den verschmelzenden, weichen Linien der Landschaft, Lieblichkeit mit dem eigenartigen Reiz von Wehmut und Melancholie verbindet. Der Kaiser hatte bald nach dem Unglück beschlossen, das Jagschloß seiner jetzigen Bestimmung zuzuführen. Durch entsprechende bauliche Veränderungen und durch die Anfügung einer Kapelle gerade an der Stelle, wo der Kronprinz sein erschütterndes Ende fand, wurde dem strengen Orden der Carmelittinnen, ein wohnliches Heim bereitet. Seidem erhebt sich aus dem tiefen Frieden, den diese Mauern nun atmen, täglich die Gebete der frommen, gottgeweihten Seelen zum Himmel. Aus der Kraft des Glaubens dieser Frauen und der selbstlosen Reinheit ihres weltabgewandten Lebens erwächst Sühne und Vergebung den irrenden Menschen. "
Ich sollte Kaiserin werden:
Klappentext:
"Ich sollte Kaiserin werden" ist eine bemerkenswerte autobiografische
Erzählung, in der Prinzessin Stephanie von Belgien die prägenden
Ereignisse ihres Lebens offenbart, insbesondere ihre Rolle im
österreichisch-ungarischen Kaiserhaus und die Tragik
ihrer unerfüllten Bestimmung. Mit einer Mischung aus Reflexion,
präziser Beobachtung und stilistischer Klarheit schildert sie die
komplexe Dynamik des 19. Jahrhunderts zwischen höfischer Etikette,
politischen Erwartungen und persönlichen Hoffnungen. Die literarische
Ausgestaltung fügt sich spannungsvoll in die Tradition historischer
Memoiren ein und erlaubt Leserinnen und Lesern einen unmittelbaren
Zugang zu den innersten Gedanken einer Frau im Schatten des Thrones.
Prinzessin Stephanie, Tochter des belgischen Königs Leopold II., wurde
früh in eine Welt politischer Allianzen und dynastischer Verpflichtungen
katapultiert. Die dramatischen Umstände ihrer Eheschließung mit
Kronprinz Rudolf und die darauf folgende Mayerling-Katastrophe prägten
ihr Schicksal entscheidend. Ihre Bildung und ihre vielschichtigen
Erfahrungen im europäischen Hochadel fließen in ihre eindrucksvolle
Darstellung ein und spenden dem Werk eine seltene Authentizität wie
emotionale Tiefe, die weit über persönliche Memoiren hinausgeht. Dieses
Buch empfiehlt sich allen, die ein fundiertes Verständnis für die
politischen und gesellschaftlichen Zwänge der europäischen Monarchien
suchen und zugleich ein faszinierendes Schicksal nachvollziehen möchten.
Leser erhalten nicht nur einen historischen Einblick, sondern auch eine
inspirierende, kluge Reflexion über Identität, Macht und Verzicht aus
erster Hand.
Ich freue mich nun aber auch auf das Ballett Mayerling im Stuttgarter Opernhaus, leider erst im Juli.
Alle Vorstellungen sind ausverkauft.
Quellen:
Autobiografie von Stephanie von Belgien
Österreichische Nationalbibliothek
Otto von Habsburg Stiftung
Wikipedia, jeweils zu den angegebenen Personen mit Link unterlegt.










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