Seien Sie vorsichtig mit Gesundheitsbüchern – Sie können an einem Druckfehler sterben. *Mark Twain*
Freund, wer ein Lump ist, bleibt ein Lump, Zu Wagen, Pferd und Fuße; Drum glaub' an keinen Lumpen je, An keines Lumpen Buße. *Johann Wolfgang von Goethe*
Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern durch Arbeit und eigene Leistung. *Albert Einstein*
Demokratie ist die Wahl durch die beschränkte Mehrheit anstelle der Ernennung durch die bestechliche Minderheit. *George Bernard Shaw*

Kein Mensch war ohne Grund in deinem Leben. Der eine war ein Geschenk. Der andere eine Lektion.

Ein kommunistisches System erkennt man daran, dass es die Kriminellen verschont und den politischen Gegner kriminalisiert. *Alexander Solschenizyn*

Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten. *Siena*

Für gewöhnlich handelt es sich bei Traumfrauen um eine optische Täuschung. *Peter Ustinov*

Die Glücklichen sind neugierig. *Friedrich Nietzsche*

La finta giardiniera (Die Gärtnerin aus Liebe)

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Der Abate (Weltgeistlicher der Katholischen Kirche) Guiseppe Petrosellini (19.11.1727 in Corneto Tarquinia bis um 1799 Rom), war ein Schützling des Papstes Pius VI. und Mitglied mehrerer römischer Akademien, ist vor allem durch sein Libretto zu Paisiellos "Il barbiere die Siviglia (1782) bekannt. Er schrieb Texte zu einer Vielzahl der berühmtesten Buffo-Opern seiner Zeit, von Anfossi, Cimarosa, Galuppi, Guglielmi, Piccinni. 
Petrosellinis Buch hatte schon 1773 in Rom Pasquale Anfossi als für dessen 
"Finta giardiniera" gedient. 

(Seit ich mich mit Opern beschäftige, habe ich festgestellt, dass es eine Vielzahl von Komponisten gibt, unglaublich, die kann man nicht alle kennen und alle haben sie wundervolle Musik geschrieben). 

 

 La finta gardiniera ist Mozarts zweite Buffa. Als Komponist ernster Opern hatte er in Mailand bereits große Ehre eingelegt. Der Auftrag an ihn erging vom Müncher Hofmusikintendanten, Graf Josef Anton von Seeau, der auch Petrosellinis Textbuch erwähnte. Die Personen entstammen zwar dem Geiste von Goldonis Komödien, doch übertreibt Petrosellini die Lust an der dramaturgischen Kniffeligkeit, bis sich die Verkleidungsspiele und Verwirrungen totlaufen. Der Podestá entstammt noch aus dem Arsenal der Commedia dell árte, doch wie bei Goldoni stehen sich "parti serie" (Arminda und Ramiro)  "parti di mezzo carattere" (Sandrina und Belfiore) sowie ein Dienerpaar (Serpetta und Nardo) gegenüber. 

Züge der Comédie larmoyante - im empfindsamen Rührstück ist die Titelheldin in der Regel ein unschuldig verdächtigtes, einfaches Mädchen - verbinden sich mit den venzianischen Buffa. 

Trailer 


 

 

Die Handlung kann man HIER lesen.  

 

Wie stets, wenn ihm der Text keine optimale Vorlage bot, schrieb Mozart Arien, die für sich ein Miniaturdrama abbildeten. Fast alle großen Arien dieser Partitur malen die sich ständig ändernden Emotionen, ihren Gefühlsumschlag, auf sensibelste Weise aus, kehren das Innerste nach außen, reiben unter der äußerlichen Glätte die wahren Gefühle hervor. So sind die bravourösen, aus dem Seria-Bereich kommenden Agitata-Arien der Arminda

 Agitata Arien sind besonders intensive und dramatische Arien in der Oper, die einen Zustand innerer Aufruhr, Verzweiflung oder Wahnsinns ausdrücken. Oft erkennbar an musikalischen Merkmalen, wie unterbrochenen Melodien, vielen Wiederholungen und deklamatorischem Stil.  
Davon werde ich nächste Woche berichten. 


Vorrei punirti indegno/ich wollte dich Nichtswürdiger bestrafen

 


 oder des Ramiro durchaus mehr als nur parodistische Einlagen, desgleichen Sandrinas Arie: 

Crudeli, oh Dio! Fermate!/Grausame o Gott! Bleibt stehen! im 2. Akt, die dem Ombra-Typus entspricht.  



 Wie auch in anderen Fällen geht Sandrinas verzweifelter Ausbruch im Wald in ein aufgeregtes Accompagnato (ein von Instrumenten begleitetes Rezitativ) und bildet so eine große szenische Einheit. 

Dieser Arie geht übrigens, als äußerster Kontrast, Serpettas kecke Soubretten-Arie 
voraus. 

Chi Vuol godere/Wer die Welt genießen will, voraus

 


Eine Entsprechung zu Sandrinas Szene ist Belfiores groß angelegtes 

Recitativo ed Aria,

Oh non partier/ Ach gehe nicht fort


 auch dies ist eine Ombra-Szene, in der die Gedanken des dem Wahnsinn nahen Grafen um den Tod kreisen. 

Reine Buffa-Momente offenbaren Arien wie des Grafen 

Da Scirocco e Tramontana/Vom Südosten bis zum Norden 

 


Sandrinas 
Gene la tortorella/Die Turteltaube seufzt

Es singt die großartige Regula Mühlemann 

 

oder des Podestá 

Dentro il mio petto/Ich fühl in meiner Brust 


mit der sprechenden Orchesterbegleitung.

Mozarts szenische Vorstellungskraft beweist sich nicht zuletzt in den Finali. 

Der Dichter Christian F.D. Schubart  schrieb über die Uraufführung der 
Finta gardinierea:

"Genieflammen zucken da und dort, aber es ist noch nicht das stille, ruhige Altarfeier, das in Weihrauchwolken gen Himmel steigt. Wenn Mozart nicht eine im Gewächshaus getriebene Pflanze ist, so muß er einer der größten Komponisten werden, die jemals gelebt haben."  


Die Uraufführung fand am 13. Januar 1775 in München am Salvatortheater statt.  

Das Werk erlebte nur 3 Aufführungen, obwohl die Premiere vor vollem Haus gegeben wurde 

"und nach einer jeden Aria alzeit ein erschröckliches getös mit glatschen, und viva Maestro schreyen war", so Mozart.

Erst 1779/80 nahm Johann Heinrich Böhms Schauspielertruppe das Stück in einer Umarbeitung als deutsches Schauspiel unter dem Titel 

"Die verstellte Gärtnerin" 

in ihr Repertoire auf. Mozart hatte einige Orchesterrrezitative umgearbeitet. 
Johann Franz Joseph Stierle, ein Mitglied von Böhms Truppe, verfasste die deutschen Sprechtexte. 1978 erschien das Werk in der Neuen Mozart-Ausgabe 
(R. Angermüller / D. Berke). Im Jahr drauf kam die Oper in der neuen Version in einer pompös-außerlichen Inszenierung am Münchner Cuvilliés-Theater heraus. 

Erst Karl-Heinz Hermann überwand in seiner Brüsseler Inszenierung von 1986 das immer wieder betonte Niveaugefälle zwischen Musik und Text. 

Für mich eine ganz neue Mozart-Oper, mit der ich mich intensiv beschäftigt habe.

Ich bin mal gespannt, ob ich sie jemals auch live sehen kann. 

Wie Schubart schreibt, Mozart war einer der größten Komponisten. 

Quellen:

Wikipedia 
Mozart Biografie von Wolfgang Hildesheimer
Reclam Stuttgart
Rolf Fath 

 

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