Das Schaf und die Tulpen
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Heute gibt es lilafarbene gefüllte Tulpen mit Schleierkraut, Schaf und einer Geschichte.
Es war ein Samstag im Februar, als Eva das Schaf entdeckte.
Sie war nicht auf der Suche nach etwas. Eigentlich wollte sie nur nach alten Gießkannen sehen. Ein Stand ganz hinten auf dem Flohmarkt zog sie an, den sie noch nie gesehen hattte.
Ein älterer Mann mit runden Brillengläsern saß hier, trank Tee aus einer Thermoskanne und las ein Buch über Wolkenformationen.
Zwischen vergilbten Landkarten und Federhaltern stand es.
Ein Schaf. Aus Holz. Nicht größer als ein Brotlaib.
Eva blieb stehen.
"Es ist nicht zu verkaufen", sagte der Mann, ohne vom Buch aufzublicken.
"Ohhhh." Eva machte einen Schritt weiter. Dann noch einen zurück. "Warum steht es dann hier?"
Er sah auf. Seine Augen waren grau, aber sehr hell. "Es sucht Jemanden."
Eva wartete. Er sagte nichts weiter.
"Und?" fragte sie schließlich. "Findet es?"
Der Mann schloß sein Buch. "Vielleicht. Kommen Sie morgen wieder. Wenn es noch da ist, gehört es Ihnen."
Eva kam am nächsten Tag wieder. Natürlich, sie wollte ja das Schaf haben.
Das Schaf war immer noch da und zwischen seinen Holzohren steckte eine kleine, lilafarbene Tulpe.
"Die war aber gestern nicht da", sagte Eva
"Doch", sagte der Mann. "Die war schon immer da, Sie haben sie nur nicht gesehen."
Er schenkte ihr das Schaf, wickelte es in Zeitungspapier und als sie fragte, was es kostet, winkte er ab. "Passen Sie gut darauf auf. Es ist älter, als es aussieht".
Zuhause stellte Eva das Schaf auf die Fensterbank. Es stand da, die Ohren gespitzt und die lilafarbene Tulpe zwischen den Ohren und es sah in den Garten.
Am nächsten Morgen waren es zwei Tulpen. Eva rieb sich die Augen. Da steckten sie, frisch und zart, lila wie Abendlicht.
Sie holte eine kleine Vase, füllte Wasser hinein und stellte die Tulpen hinein. Dann setzte sie sich hin und starrte das Schaf an.
Es starrte freundlich zurück.
In der Woche darauf begann sie mit dem Schaf zu reden.
Nichts Wichtiges. Nur: "Heute regnet es schon wieder" und "Die Nachbarn schneiden ihre Hecke, das klingt wie ein krankes Insekt" und "weißt du, eigentlich wollte ich immer nach Schottland".
Das Schaf hörte ihr zu. Es nickte nicht, es blökte nicht, es tat überhaupt nichts - aber wenn Eva abends vom Sofa aufstand, hatte sie manchmal das Gefühl, dass es seine Position auf der Fensterbank ein kleines Stück verändert hatte. Näher ans Licht, näher zu ihr.
Im Mai kaufte sie echte Tulpenzwiebeln und pflanzte sie vor dem Haus. Lila, genau dieser Farbton. Sie wußte nicht, woher sie wußte, dass es genau dieser Farbton sein mußte, aber sie wußte es.
Die Zwiebeln gingen auf und zwischen den Blüten, an einem ganz gewöhnlichen Dienstag, stand eine winzige Holztulpe. Winzig, lilafarben, aus Holz.
Eva ließ sie sehen.
Abends, beim Tee, sagte sie zu dem Schaf, "Du hast wohl Kontakte, was?"
Das Schaft sagte nichts. Aber die Tulpe, inzwischen wieder eine neue Tulpe, auf seinem Kopf schimmerte ein bisschen heller und im Garten, unter der Laterne, neigten sich die Blüten sanft in Richtung Fenster.
Eva lächelte.
Sie hatte kein Haustier gesucht. Aber vielleicht dachte sie, sucht das Haustier ja einen Menschen.
Und manchmal findet es einen.
Robert Schumann "Der fröhliche Landmann"
Es ist ein wundervolles Stück, das meine Schwester gut auf dem Klavier spielen kann. Zwar nicht so schnell, aber sie kann es.
Wenn man mit 90 Jahren das noch kann, ist auch das Hirn noch in Ordnung.
















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