Die Butterkuchen-Verschwörung
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Eva freute sich schon das ganze Schuljahr darauf, endlich in den Ferien wieder nach Cleversulzbach und auch zur Oma zu gehen.
Sie freute sich auch sehr auf Doris.
Doris war Evas allerbeste Freundin. Sie wohnte nur drei Häuser weiter, in dem alten Fachwerkhaus mit der schiefen Türe.
Sobald Eva aus dem Bus vor dem Rathaus in Cleversulzbach ausstieg, war Doris auch schon mit ihrem Leiterwagen vor Ort und war bereit Eva samt ihrem Gebäck zu Oma in die Brettacher Straße zu bringen.
So war das immer mit den beiden. Keine Minute wurde vergeudet. Gemeinsam waren sie unschlagbar, vor allem, wenn es um Streiche ging.
Ihr Lieblingsplatz war die große Scheune von Evas Oma, direkt hinter dem Haus. Dort roch es nach Heu, nach Abenteuer und nach einem Geheimnis, das nur sie beide teilten.
Sie buddelten sich tief ins das Stroh, so dass nur noch ihre Nasen herausschauten und sie heckten dabei Streiche aus.
"Weisst du noch, wie wir letztes Jahr die Gießkanne von Herrn Knauser die Gießkanne mit roter Farbe gefüllt haben?", kicherte Doris.
"Oder wie wir die Schaufensterpuppe vom Schreibwarenladen in seinen Garten gestellt haben?", flüsterte Eva zurück.
Herr Knauser war ihr Feind. Nun ja, nicht nur ihrer. Er war der böse Nachbar, ein mürrischer Mann mit buschigen Augenbrauen und immer schmutzigen Fingernägeln. Alle Kinder im Dort hatten Angst vor ihm, aber Eva und Doris vor allem hassten ihn für eine Sache:
Er stahl die Hasen!!!
Immer wieder verschwanden die kleinen flauschigen Tiere aus den Gärten. Erst der weiße von Frau Sommer, dann die beiden Braunen von Frau Schuhmacher. Und jedes Mal hatte jemand Herrn Knauser in der Dämmerung mit einem seltsamen Bündel unter dem Arm zu seinem verwitterten Grundstück schleichen sehen.
"Heute Nacht schlagen wird zu", sagte Eva mit fester Stimme. "Oma hat gehört, dass Herr Knauser es jetzt auf die Riesenkaninchen von Pastor Winkelmann abgesehen hat. Wir müssen den Pastor warnen und dann - dann erwischen wir den Alten auf frischer Tat"
"Aber wie?", fragte Doris mit großen Augen.
Wir verstecken und im Stroh. Direkt neben dem Hasenstall. Wenn er kommt, springen wir raus und schreien wie die Wilden. So laut, dass das ganze Dorf aufwacht".
Die Mädchen schmiedeten ihren Plan. Als die Dämmerung kam, krochen sie in das dicke duftende Stroh neben dem Garten des Pastors.
Sie warteten. Es war still, nur der Mond schaute hinter den Wolken hervor. Eva begann schon zu frieren. Vielleicht war die Idee doch nicht so gut.
Da knirschte Kies. Ein Schatten schlich um die Ecke. Ein Mann mit einer großen, leeren Kiste schlicht zum Hasenstall.
Es war Herr Knauser.
"HILFE! DER HASENDIEB!", schrie Eva aus voller Kehle.
"AUFWACHEN DER KNACKER KNACKT DIE KANINCHEN!" brüllte Doris, die vor Aufregung alles durcheinanderbrachte.
Herr Knauser fuhr herum, so erschrocken, dass er stolperte und mit der Kiste im Stroh landete. In dem Moment ging in des Pastors Haus das Licht an, dann bei den Nachbarn, und plötzlich standen viele erwachsene Menschen mit Taschenlampen und Mistgabeln im Garten.
Herr Knauser, der böse Nachbar, lag zerknirscht im Stroh. Er hatte keine Chance. Er musste alle gestohlenen Hasen zurückbringen und versprach hoch und heilig, nie wieder auch nur ein Kaninchen anzuschauen.
Eva und Doris waren die Heldinnen des Tages. Am nächsten Nachmittag, als die Aufregung sich gelegt hatte und die Sonne Cleversulzbach in warmes Licht tauchte, rief Evas Oma sie von der Haustüre aus.
"Mädla! Kommed schnell! I han was im Backhaus".
Das Backhaus war ein kleines, uraltes Steinhäuschen im Garten, in dem Oma noch wie früher backte. Als Eva und Doris die schwere Holztüre aufmachten, traf sie eine Welle von himmlischem Duft. Es roch nach Butter, nach Zucker, nach Zimt und nach einem großen Stück Kindheit.
Auf dem hölzernen Tisch in der Mitte stand ein riesiger Butterkuchen. Er war noch warm, die Oberfläche knusprig und mit dicken Butterflocken und Mandeln, so einer, wie ihn nur Evas Oma backen konnte.
Oma lachte. "Für meine zwei größten Heldinnen. Und weil man nach so einer aufrgenden Nacht etwas Stärkung braucht".
Die Mädchen hockten sich auf die Holzbank vor dem Backhaus, die Füße baumelnd. Sie bissen in den warmen, weichen Kuchen, der auf der Zunge zerging, und tranken den cremigen Kakao, den Oma gekocht hatte.
"Weisst du", sagte Doris mit vollgestopften Backen und einem Krümel im Mundwinkel "die Steiche sind gut, aber das hier ist das Allerbeste".
Eva nickte, schaute zu Oma, die in der Tür lehnte und ihnen zufrieden zusah, und dann zu ihrer besten Freundin. Der Butterkuchen, der Kakao, die Sonne auf der Haut und das Gefühl, einen Sieg errungen zu haben - das waren die Momente, die die Ferien in Cleversulzbach so besonders machten.
Uns so saßen die beiden Freundinnen noch lange da, bis der letzte Krümel gegessen und die letzte Tasse Kakao geleert war, und freuten sich auf die nächsten Ferien und die nächsten Abendteuer.
Dieses war der 1.Teil und der 2. Teil folgt demnächst.















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