Die Butterkuchen-Verschwörung 8. Teil
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Ein neuer Frühling
Ein Jahr verging. Eva hielt durch. Sie studierte jetzt Lehramt in Heilbronn, nur eine knappe Stunde von Cleversulzbach entfernt.
Jedes Wochenende kam sie zu Oma, half im Garten, buk Butterkuchen und versuchte nicht an Horst zu denken.
Es gelang ihr mal besser, mal schlechter.
Meist fuhr sie mit dem Bus, die Verbindung war gut oder auch mit dem Rad.
An einem Samstag saß Eva wieder auf der Holzbank unter dem Apfelbaum. Der Baum trug die ersten zarten Blüten, die Luft roch nach Frühling und frischer Erde. Oma kam mit zwei Tassen Kaffee nach draußen.
"Weißt du", sagte Oma und setzte sich neben sie, "ich habe in meinem Leben auch einen Horst gehabt. Vor deinem Opa."
Eva sah sie überrascht an. Oma sprach nie über die Zeit vor Opa.
"Er hieß Friedrich", fuhr Oma fort . "War ein hübscher Kerl, mit lockigem Haar und einem Lachen wie die Sonne. Er wollte nach Amerika, Schiffe bauen. Ich wollte hierbleiben. Wir haben geweint, wir haben gestritten und am Ende ist er gegangen." Sie nahm einen Schluck Kaffee.
"Ich dachte, mein Herz hört auf zu schlagen. Aber es hat nicht aufgehört. Es hat nur anders weitergeschlagen und dann kam dein Opa."
Eva legte den Kopf an Omas Schulter.
"Und Friedrich?"
"Der hat in Amerika eine Frau gefunden und ist glücklich geworden. So wie ich". Oma strich Eva über das Haar. "Die Liebe geht manchmal, damit eine neue kommen kann. Man muß nur die Augen offen halten".
Am nächsten Morgen ging sie allein spazieren, den alten Wiesenweg entlang, auf dem Horst ihr einst die Vergissmeinnicht gepflückt hatte. Die Wiese war übersät mit blauen Blüten. Eva bückte sich, wollte einen Strauß pflücken, doch hier drüben auf einem anderen Feld waren Gänseblümchen.
Eva bückte sich, pflückte einen Strauß Gänseblümchnen. Alleine für sich selbst, nur für sich.
Als sie zurückkam, stand ein Auto vor Omas Haus. Ausgestiegen war ein junger Mann mti dunklen Haaren und einer Gitarre auf dem Rücken. Er lächelte sie an.
"Entschuldigung", sagte er. "Ich habe mich verfahren und bin nun verloren. Ich suche die alte Mühle, sie soll hier irgendwo sein".
Eva deutete nach links. "Da lang. Etwa zehn Minuten."
"Danke". Er wollte weitergehen, blieb dann aber stehen.
"Schöne Blümchen", sagte er und und zeigte auf ihren
Gänseblümchenstrauß.
Der junge Mann lachte. "Das ist die beste Verwendung für Blumen." Dann ging er weiter, drehte sich noch einmal um und winkte.
Eva winkte zurück.
Im Haus roch es nach Butterkuchen. Oma rief aus der Küche: Wer war denndas"
"Nur ein Verirrter", sagte Eva.
Die Gänseblümchen stellte sie in eine kleine Vase auf die Fensterbank.Genau neben das getrocknete Vergissmeinnicht von Horst, das sie immer noch aufbewahrte.
Das Alte neben dem Neuen.
Der Frühling hatte gerade erst begonnen.
Fortsetzung folgt
Die vorherigen Geschichten zur Butterkuchen-Verschwörung findet man
HIER












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