Geh' in dich, nimm dein Ende wahr! Wirst nicht noch einmal hundert Jahr. *Mörike* Der alte Turmhahn

»Ich glaube, eine Frau kann viel leichter bei einem Mann etwas erreichen, wenn sie einen runden Busen hat. Deshalb habe ich mir vorgenommen, mir morgen vier Taschentücher in den Ausschnitt zu stopfen...« Annemarie Selinko "Desiree"
Gottes schönste Gabe ist und bleibt der Schwabe
Denn es ist nicht genug, einen guten Kopf zu haben; die Hauptsache ist, ihn richtig anzuwenden. *René Descartes*

Die Butterkuchen-Serenade 10. Teil

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 Mit dem 9. Teil, endete vor einiger Zeit die Butterkuchen-Serenade. 
Es geht heute weiter, auch weil ich so gelegentlich zum Schluß kommen möchte, da passiert aber noch einiges. 

HIER  

 

Der Brief aus München  

Die Woche verging wie im Flug. Eva saß in Heilbronn in Vorlesungen, aber ihre Gedanken scheiften immer wieder nach Cleversulzbach - und zu Lukas. Sie schrieb ihm eine Nachricht: 

"Butterkuchen ist bestellt. Kommst du am Samstag?"

Die Antwort kam promt: "Ich bringe die Gitarre mit."

Am Samstagmorgen regnete es. Eva stand am Fenster von Omas Küche und sah auf die nasse Straße.

"Ob er bei dem Wetter auch wirklich kommt?" fragte sie. Oma rührte Teig für den Butterkuchen. 

"Wenn er will, kommt er. Regen hält niemanden auf, der wirklich hinwill. 

Um zehn Uhr klopfte es. Lukas stand vor der Tür, nass bis auf die Haut, aber lachend. "Mein Fahrrad hatte einen Platten. Ich bin gelaufen". Er hielt eine Tüte hoch. "Aber ich habe unterwegs Äpfel geklaut. Na ja, vom Baum gefallen. Fast dasselbe." 

Oma schüttelte lachend den Kopf und schob ihn ins Trockene. Während der Butterkuchen im Ofen braun wurde, half Lukas Eva, einen alten Schrank in Omas Schlafzimmer zu entrümpeln. Sie fanden, Fotoalben, vergilbte Briefe und eine alte Brotdose in der Omas Liebesbriefe von ihrem verstorbenen Mann lagen. "Die lese ich heute Abend", sagte Oma leise. Aber erst, wenn ihr weg seid."

Am Nachmittag hörte der Regen auf. Lukas setzte sich mit seiner Gitarre unter den Apfelbaum und spielte ein Lied, das er selbst geschrieben hatte - über einen Jungen, der davonläuft, und ein Mädchen, das wartet. Eva hörte zu, und irgendwo in ihrer Brust löste sich ein Knoten. Sie merkte, dass sie nicht mehr auf Horst wartete. 


 

Sie wartete auf niemanden mehr. 

Dann kam der Brief.

Es war Dienstag, zwei Wochen später. Eva war unter der Woche in Heilbronn, als ihre Mitbewohnerin ihr einen Umschlag aus Cleversulzbach reichte - Omas Handschrift. Darin steckte ein zweiter Brief , adressiert an Eva mit Münchener Poststempel. 

Ihr Herz rutschte in die Hose. Horst.

Sie riss den Umschlag auf. Horst schrieb: 

Liebe Eva,
ich weiß, dass ich kein Recht habe, dir zu schreiben. Aber ich musste es tun. München ist nicht mehr, was es war. Lena ist weg, das Studium fühlt sich falsch an, und nachts träume ich von Cleversulzbach, von deinem Lachen. Von Omas Butterkuchen. 

Kann ich dich besuchen kommen? Nur einmal. Ich möchte dir alles erklären. 
Bitte antworte.

Horst   

Eva las den Brief dreimal. Dann legte sie ihn weg und starrte aus dem Fenster. Die Sonne schien auf die Dächer von Heilbronn. Sie spürte nichts. Keine Wut, keine Sehnsucht. Nur eine seltsame Ruhe. 

Am Samstag fuhr sie nach Cleversulzbach. Lukas war schon da, saß auf der Mühlenbrücke und malte. Sie setzte sich neben ihn, zog den Brief aus der Tasche und gab ihn ihm. "Lies."

Lukas las schweigend. Dann gab er den Brief zurück. "Was wirst du tun?"

Eva faltete das Papier sogfältig zusammen. "Ich werde ihm schreiben. Aber nicht ja. Und nicht nein. Ich werde ihm sagen, dass ich ihn nicht mehr brauche. Aber dass ich ihm danke. Für die Veilchen. Für die Sommer".

Lukas nichte. "Das ist gut." Er nahm ihre Hand.
"Und was ist mit uns?"

Eva sah ihn an. Seine Augen waren braun und ruhig, wie das Wasser unter der Brücke. "Wir haben Zeit", sagte sie. "Lass uns nichts überstürzen. Aber lass mich erstmal diesen Brief schreiben."

  

Sie schrieb ihm noch am selben Abend. Kurz und klar:

Lieber Horst,

ich habe deinen Brief bekommen. Es tut mir leid, dass es dir nicht gut geht. Aber ich kann dich nicht treffen. Nicht, weil ich böse bin, sondern weil ich endlich wieder gllücklich bin - ohne dich. Das war nicht einfach. Aber es ist so. 

Ich wünsche dir, dass du deinen Weg findest. In München oder woanders. Und dass du jemanden findest, der zu dir passt. 

Deine Eva (nicht mehr die deine)

Sie steckte nichts in das Kuvert. Kein Veilchen, sondern nur den Brief.

Am nächsten Morgen warf sie ihn in den Briefkasten am Ortseingang. Lukas stand neben ihr. Als der Umschlag im Briefkasten verschwunden war, sagte Eva:

"Komm lass uns zu Oma gehen. Der Butterkuchen ist frisch."

Sie gingen langsam den Wiesenweg entlang. Diesmal pflückte Lukas ein Gänseblümchen - das erste, seit sie sich kannten. Er steckte es Eva vorsichtig hinter das Ohr. 

"Nur eins", sagte er. "Mehr braucht es nicht."

Eva lächelte. Und es fühlte sich an wie ein Anfang. 

 Die vorherigen Butterkuchen-Geschichten findet man

HIER  

Fortsetzung folgt.  

 

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