Opportunisten sind Spezialisten im Umgang mit wechselnden Windrichtungen. *Thom Renzie*

Opportunist = Ein Jenachdemer. *Wilhelm Busch*

Opportunisten sind Leute, die schon heute die Windrichtung von übermorgen kennen. *Sir Alec Guinness*
Halbdackel ist im Schwäbischen komischerweise die Steigerung von Dackel. *Rolf-Bernhard Essig*
Wenn jemand ein Dackel ist, dann ist der nicht besonders geschickt und eher ein bisschen dümmlich. Aber ein Halbdackel ist ein echter Blödmann! *Rolf-Bernhard Essig*
Wenn ich meinen Purzelbaum machen kann, was ficht die Politik mich an. *Eduard Mörike*

Butterkuchen-Serenade 13. Teil

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Es geht weiter:
Die letzte Butterkuchengeschichte endete 

https://schwabenfrau.blogspot.com/2026/06/die-butterkuchen-serenade-12-teil.html 


Frühling im eigenen Haus 

 

Der Winter zog sich hin, aber das Haus hielt warm. Die neue Heizung summte leise vor sich hin, die Fenster ließen keine Zugluft mehr durch und der alte Apfelbaum trug eine dicke Schneedecke wie eine Mütze. Eva saß oft am Küchenfenster und schaute hinaus, eine Tasse Tee in der Hand, und dachte daran, wie sehr sich ihr Leben verändert hatte.


 

Lukas hatte sein Urlaubssemester verlängert - die Renovierung war aufwändiger, als gedacht. Aber er beschwerte sich nicht. Jeden Morgen stand er auf, machte Kaffee und verschwand dann mit seinem Werkzeugkoffer in irgendeinem Raum. Eva half, wo sie konnte. Sie hatte inzwischen gelernt, wie man Fliesen verlegt und eine Steckdose anschließt - zumindest so gut, dass nichts kaputt ging. 

Oma war die heimliche Cheffin auf der Baustelle. Sie wusste genau, wo früher die Wand war, die jetzt fehlte und sie erinnerte sich an jeden Nagel, der je in den alten Balken gesteckt hatte. 

"Vorsichtig mit der Holztür", rief sie, als Lukas mit der Flex anrückte. "Die hat dein Opa eigenhändig gebaut." Lukas ließ die Flex sinken. "Dann lassen wir sie so, wie sie ist". Er strich nur neu darüber - in einem sanften Grün, das Omas Augen leuchten ließ. 

Im Februar kam der erste warme Wind. Der Schnee schmolz, die Bäche schwollen an und die Gänseblümchen - die ersten des Jahres - zeigten ihre weißen Köpfe am Wiesenweg. Eva pflückte einen kleinen Strauß und stelle ihn auf den Küchentisch, in Omas altes Milchkännchen. 

"Die ersten Gänseblümchen des Jahres", sagte Lukas und betrachtete sie. "Weisst du, dass ich früher nie auf Gänseblümchen geachtet habe?"

"Und jetzt?", fragte Eva. 

"Jetzt sehe ich sie überall. Und ich muß immer wieder an dich denken".

Eva lächelte. Früher, bei Horst, waren Veilchen ein Versprechen gewesen. Bei Lukas waren die Gänseblümchen einfach da. Ohne Druck. Ohne Erwartung so schön. 

Im März passierte etwas Unerwartetes. Evas Mutter kündigte einen Besuch an - nicht nur für einen Nachmittag, sondern für eine ganze Woche.

Eva war nervös. Ihre Mutter hatte die Entscheidung mit dem Haus nie richtig verstanden. "Du bist erst zwanzig", hatte sie am Telefon gesagt. "Du sollst studieren, nicht ein Haus renovieren". 

Lukas zuckte mit den Schultern. "Dann zeigen wir ihr, was wir geschafft haben. Sie wird schon sehen."

Evas Mutter kam an einem Freitagabend an. Sie fuhr einen silbernen Kleinwagen, trug einen tadellosen Mandel und roch nach Großstadt. Sie blieb vor dem Haus stehen, sah die frische Farbe an der Fassade, die neuen Fenster, den sauber gekehrten Gehweg. 

"Das ist ja hübsch", sagte sie überrascht. 

Eva atmete aus, "Komm rein Mama."

Die Führung durchs Haus dauerte eine Stunde. Eva zeigte jedes Zimmer, erklärte jede Renovierung, nannte jedes Material. Lukas stand daneben und nickte. Oma saß im Wohnimmer und trank Tee, als wäre nichts Besonderes. Am Ende sagte Evas Mutter: "Du hast also wirklich einen Handwerker geheiratet?"

"Noch nicht geheiratet", sagte Lukas, "aber fast."

Evas Mutter sah ihn lange an. Dann lächelte sie - zum ersten Mal an diesem Abend. "Du machst meine Tochter glücklich. Das sehe ich. Und das Haus ist schöner, als ich dachte." Sie umarmte Eva. "Entschuldigung, dass ich so kritisch war. Ich habe mir nur Sorgen gemacht."

"Das ist okay, Mama", sagte Eva. "Das machen Mütter so."

Die Woche mit ihrer Mutter wurde überraschend schön. Gemeinsam kochten sie, gingen spazieren und Evas Mutter half sogar beim Tapzieren des Gästezimmers. "Ich habe das früher immer mit deinem Vater gemacht", sagte sie leise. "Bevor wir uns trennten. Es war schön damals." Eva legte den Kopf an ihre Schulter. "Du kannst öfter kommen", sagte sie. "Ja" anwortete ihre Mutter. "Das werde ich."

Im April, als alles zu blühen begann, fand ein kleines Fest statt. Lukas Freude aus Stuttgart kamen, Evas Kommilitonen aus Heilbronn, und natürlich alle Nachbarn aus Cleversulzbach. Der Bäcker brachte frisches Brot mit, die Nachbarin vom Mühlenweg einen selbst gemachten Apfelkuchen. Jule, die Malerin hatte ein großes Bild gemalt, das Haus unter dem Apfelbaum, mit schönen Bäumen. 




"Für euer neues Zuhause" sagte sie und überreichte es Eva. 

Eva hängte es über das Sofa. Es war das erste Kunstwerk im gemeinsamen Haus. 

Am Abend, als die Gäste gegangen waren, saßen Eva und Lukas auf der alten Hozbank unter dem Apfelbaum Der Baum trug Knospen, die Blätter waren hellgrün und zart. Der Butterkuchen vom Nachmittag war bis auf ein Stück aufgegessen - das hob Oma für den nächsten Morgen auf. 

"Lukas", sagte Eva, "Weisst du noch, wie wir uns kennengelernt haben?" Du warst verloren und hast  nach der Mühle gefragt." 

"Ich war nicht verloren", sagte Lukas. "Ich habe dich nur gesucht. Ich wusste nur noch nicht, dass ich suche". Er nahm ihre Hand. "Eva, ich habe eine Frage."

Sie sah ihn an. Sein Gesicht war ernst, aber seine Augen lächelten. 

"Ich habe keinen Ring", sagte er. "Und ich habe keine große Geste. Aber ich habe dieses Haus, diesen Apfelbaum, diesen Himmel über Cleversulzbach. Und ich habe dich. 

Willst du mich heiraten?"

Eva schwieg einen Moment. Die Vögel sangen. Irgendwo im Dorf schlug eine Tür. Sie dachte an Horst, an die Veilchen, an die Trennung. Sie dachte an den Brief. Sie dachte an Omas Worte: "Die Liebe geht manchmal, damit eine neue kommen kann."

"Ja", sagte sie, "Ja, Lukas. Ich will."

Er lächelte, und sie küssten sich, während der Apfelbaum leise im Wind raschelte und die ersten Blütenblätter herabfielen. 

Oma stand am Küchenfenster und sah zu. Sie hatte alles gesehen - den ersten Besuch von Lukas, den Brief aus München, den Hauskauf, die Renovierung, und jetzt das. Sie trocknete sich eine Träne ab und murmelte: "Das hätte dir gefallen, mein alter Mann. Die Zukunft ist in guten Händen."

Dann holte sie das letzte Stück Butterkuchen aus der Speisekammer, schnitt es in zwei Hälften und ging hinaus zu den beiden. 

"Kinder", sagte sie. "Erst der Kuchen, dann der Rest vom Leben." 

Und sie aßen zusammen, zu dritt unter dem blühenden Apfelbaum, während die Sonne langsam hinter Cleversulzbach versank.


 

 Fortsetzung folgt. 

Die letzten Butterkuchengeschichte. 

HIER  

 
Ich hatte gerade Besuch zum Frühstück, ich zeige das gleich mal. 

Vielen Dank, gestern hatte ich  3117 Zugriffe, da wurde ich wieder adelig.  
Soviel hatte ich noch nie. 
Heute waren es um /.30 schon 715 Zugriffe.

Danke!!

Aber ich versuche weiterhin interessante Dinge auf meinem Blog zu zeigen, auch, wenn es mich jede Menge Zeit kostet. 

 

 

 

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