ES oder Funke
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Geschichte statt Oper!
Die Stille in Elfriedes Wohnung war lauter, als der Verkehr draußen. Die Uhr tickte, der Kühlschrank summte - aber das war kein Leben. Es war die Geräuschkulisse des Alleinseins. Seit einem Jahr wohnte sie hier, umgeben von Erinnerungen, die immer blasser wurden und einer Kälte, die selbst die Heizung nicht vertrieb.
Sie sehnte sich nach etwas Warmem. Nach einem pelziger Körper, der sich an ihre Beine schmiegte, nach einem Herzschlag, der nicht ihrer war.
Eines Nachmittags lief sie an der Zoohandlung vorbei. Im Schaufenster tummelten sich Kaninchen und Meerschweinchen. Alle flauschig alle gleichgültig. Elfriede wollte schon weitergehen, da entdeckte sie ES in einem kleinen Terrarium am hinteren Ende des Ladens.
Es war klein, nicht größer, als ihre Faust. Sein Fell war von einem hellen, fast durchscheinenden Weiß, wie gefrorener Nebel.
Kein Tier hatte sie je so gesehen. ES zitterte nicht, Es winselte nicht.
ES wartete.
Der Verkäufer zögerte, als sie mit zitterndem Finger darauf zeigte.
"Das ist kein gewöhnlicher Hamster, Frau. Der ist .... besonders. Er braucht Wärme. Viel Wärme."
Elfriede lächelte zum ersten Mal seit Jahren. "Umso besser", flüsterte sie.
Sie kaufte ES. ES war teurer, als eine Heizdecke, aber was bedeutete Geld, wenn die Seele fror?
Zu Hause setzte sie den kleinen Kerl auf den Couchtisch. Er fraß das Körnerfutter nicht. Er roch daran und nießte - und ein kleines trockenes Rauchwölkchen stieg auf. Elfriede erschrak, dann lachte sie. Es war ein schrilles, ungeübtes Lachen, aber es war ihres.
"Dir ist kalt, was?", murmelte sie und blickte zum Kamin. Seit sie hier wohnte lag dort Dekoholz. Sie kniete sich hin, türmte die Scheite auf und zündete ein Streichholz an. Aber das Holz brannte nicht.
Da hob das kleine Wesen den Kopf. ES öffnete sein Mäulchen und ein dünner, flackernder Feuerstrahl schoss heraus. Das Holz fing an, lichterloh zu brennen.
Elfriede sank auf den Teppich. Die Flammen warfen tanzende Schatten an die Wand. Das Wesen mit dem hellen Pelz und den feurigen Augen tapste auf sie zu und kuschelte sich an ihre Brust. ES war kein Tier. ES war ein Stück verkörperter Lebensmut, ein winziger Dämon der Geborgenheit.
Während der Ofen knisterte, hörte Elfriede die tickende Uhr nicht mehr. Sie hörte nur das leise Schnurren, das wie ein knisterndes Feuer klang. Sie war nicht mehr alleine. In ihrer Brust, direkt neben dem kleinen Feuerpelz, war längst ein eigenes Feuer neu entfacht.
Manchmal ist das, was man am dringendsten braucht, das, was einem am verrücktesten vorkommt.
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Elfriede hatte nicht damit gerechnet, dass der kleine Feuerpelz wachsen würde. Aber er wuchs. Von Tag zu Tag, bis er nicht mehr auf ihren Schoß passte, sondern sich wie ein schlafender, schuppenloser Drache durch ihr ganzes Wohnzimmer reckte. Sein heller Pelz verdunkelte sich zu glimmender Glut und seine feurigen Augen blickten nun von oben herab auf sie -
nicht fordernd, aber bestimmend.
Die erste Amtshandlung ihres Morgens war nicht mehr der Kaffee. Es war das Wegschaufeln seiner Hinterlassenschaften. Glühende, klebrige Schlackehaufen, die über Nacht auf dem Parkett erstarrten und meterlange schwarze Rußspuren, die sich wie verzweigte Adern durch die Diele zogen. Sie kratzte, schippte und wischte, bis ihre Hände brannten - doch die Stille war besiegt.
Denn sie war nicht allein. Aus den Ritzen des Kamins, aus den Lüftungsschächten krochen seine Schergen, kleine zischende Wesen aus Rauch und Asche, die kichernd über den Boden flitzten, an ihren Hausschuhen knabberten und die frisch geputzte Wohnung in Sekunden wieder mit feinem, schwarzen Staub überzogen. Es stank unerträglich nach Schwefel, verbranntem Holz und nassem Löschkalk.
Ihr Leben gehörte nun Funke, so hatte sie ihn nun getauft. Die Rente reichte kaum noch für das kiloweise Briketts, das er verschlang. Sie konnte nicht mehr länger das Haus verlassen, sonst fraß er die Tapete.
Und doch, wenn sie abends zwischen den kichernden Schergen auf dem Sofa saß und den mächtigen, schnarchenden Feuerleib zu ihren Füßen betrachtete, wußte sie:
Es war Chaos. Es war anstrengend. Aber es war das Gegenteil von der grauen Stille, die sie einst erdrückt hatte. Das Leben roch nun mal nach Rauch.
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Die Entscheidung fiel an einem Dienstagmorgen, als Funke beim Gähnen versehentlich die Gardinen anzündete und die Schergen vor Lachen umkippten. Elfriede stand mit dem Feuerlöscher in der Hand im Qualm und wußte:
Es ging nicht mehr. Ihre Lungen pfiffen, die Nachbarn drohten mit der Polizei und die Rente war bereits eine Woche vor Monatsende aufgebraucht.
Sie rief bei der Wilhelma in Stuttgart an. Man lachte sie erst aus, doch als sie das Handy ins Wohnzimmer hielt und Funkes tiefes, knurrendes Grollen übertrug, wurde es in der Leitung ganz still.
Zwei Tage später stand ein Mann in grauem Kittel vor ihrer Tür. Er roch nach Desinfektion und Abenteuer. Er nahm Funke mit - nicht in einer Box, sondern auf einem offenen Anhänger, den Funke mit einem einzigen Sprung selbst bestieg, als hätte er nur auf diesem Moment gewartet.
In der Wilhelm bekam er einen eigenen Bereich: Eine riesige, gläserne Kuppel mit heißen Felsen und einem künstlichen Lavastrom. Er wurde die Attraktion. Kinder drängten sich an die Scheibe, die Mütter machen mit Handys Fotos und in der Mittagspause lag Funke wie ein gefallener Stern mitten in seinem Reich und ließ sich von der Menge anstaunen.
Elfriede durfte ihn besuchen, so oft sie wollte. Der Direktor der Wilhelma schenkte ihr eine Dauerkarte - für immer kostenlos.
Jeden zweiten Tag nahm sie die S-Bahn nach Stuttgart, fuhr in die Wilhelma, setzte sich dort auf die Holzbank vor seiner Kuppel und sah im stundenlang zu. Er wuchs weiter, sein Fell glänzte wie geschmolzenes Gold. Doch, wenn sie mit zitternder Hand an die Scheibe klopfte und seinen Namen rief, hob er nicht einmal den Kopf. Er nahm keine Notiz von ihr. Seine feurigen Augen, die einst nur sie gesehen hatten, schweiften gleichgültig über die schaulustige Menge. Elfriede war für ihn nur ein weiterer grauer Schatten unter vielen.
Zuhause angekommen, war die Wohnung makellos sauber, auch die Schergen waren verschwunden. Keine Schlackehaufen, kein Ruß kein Schwefelgeruch. Nur die tickende Uhr. Nur der summende Kühlschrank. Die Stille kehrte zurück - aber sie fraß nicht mehr an ihr. Sie war da, ja, aber Elfriede hatte sich verändert.
Sie wollte kein Tier mehr. Nie wieder. Sie hatte ihre Lektion gelernt. Ein Herz sollte man nicht an ein Wesen hängen, nur um der Einsamkeit zu entfliehen. Das war zu viel Verantwortung, zu viel Schmerz, zu viel Feuer.
Stattdessen ging sie zum örtlichen Tierheim. Sie fragte nicht nach einem neuen Gefährten. Sie fragte nach Arbeit. Sie schrubbte seitdem die Zwinger der verhaltensauffälligen Hunde, fütterte die scheuen, blinden Katzen und las abends den alten, zahnlosen Kaninchen aus Bilderbüchern vor.
Sie kam heim mit nassen Füßen, Stroh im Haar und dem Geruch von nassem Fell. Und wenn sie abends allein im Sesses saß, war sie nicht glücklich - aber sie war gebraucht. Und das, wußte sie nun, war genug.
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Der Samstag war ihr heilig geblieben. Nicht aus Liebe, sondern aus Gewohnheit. Sie fuhr zur Wilhelma, setzte sich vor Funkes Kuppel, strickte und sah zu, wie er regungslos auf seinem Lavafelsen lag, außen umringt von kreischenden Schulklassen. Er hatte sie längst vergessen. das wußte sie.
An diesem Samstag jedoch stand ein Mann neben ihr. Grauer Kittel, grauer Bart, aber seine Augen glühten. Sanft, wie abendliche Kohlen in einer verwehten Esse, aber unverkennbar. Elfriede zuckte zuammen, ihr Herzschlag stockte - das war kein normales Leuchten.
"Sie sind Elfriede", sagte er, ohne sie anzusehen. Seine Stimme klang knisternd, als würde er jedes Wort durch eine Glut ziehen.
Sie nickte stumm.
"Ich bin Henrik. Ich kümmere mich hier um die besonderen Fälle". Er deutete mit einem leichten Nicken zu Funke. " Wir kennen uns schon lange, er und ich. Er hat mir von Ihnen erzählt."
"Er redet?", hauchte Elfriede.
"Nicht mit Worten. Aber sein Feuer flackert immer schneller, wenn Sie da sind. Auch, wenn er nie den Kopf dreht."
Henrik lächelte und in seinem Gesicht tanzten flüchtige Schatten. "Feuerwesen sind eitel. Sie zeigen keine Schwäche. Aber er riecht sie. Jeden Samstag. Sein Fell erinnert sich an Ihre Hände."
Von da an trafen sie sich jede Woche. Henrik war kein gewöhnlicher Tierpfleger - er war einer von denen, die solche Wesen verstanden, weil sie selbst ein kleines Feuer in sich trugen. Er hatte schon Drachen in den Karpaten gepflegt und Salamander in der Sahara. Mit Elfriede sprach er über Asche, über Wärme und darüber, wie man Einsamkeit aushält, ohne sich selbst zu verbrennen.
Sie tranken Tee in seinem winzigen Büro hinter der Kuppel. Der Raum roch nach altem Papier und getrocknetem Lavendel - kein Schwefel, keine Schergen. Henrik bot ihr keine Tiere an, keine neuen Abenteuer. Er bot ihr nur seine glimmende Stille, die ihrer so ähnlich war.
Elfriede nahm kein Tier mehr mit nach Hause. Aber sie nahm jeden Samstag einen Tee, einen Blick und ein leises, knisterndes Lachen mit. Manchmal, wenn Henrik in die Ferne schaute und sein Augenlicht ein bisschen heller wurde, dachte sie:
DAS ist genug. Das ist mehr, als ich je zu hoffen wagte.
Und zu Hause, in ihrer stillen Wohnung, hörte sie die tickende Uhr nicht mehr. Sie hörte das leise Zischen von Henrik, der in ihrem Herzen einen kleinen Ofen am Brennen hielt - ohne Ruß, ohne Qualm. Nur Wärme.
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Die Wochen wurden zu Monaten. Elfriede und Henrik trafen sich nicht mehr nur samstags. Es begann mit einem Anruf unter der Woche - er fragte, ob sie schon gegessen habe. Sie sagte "nein". Er sagte, er koche gerne für zwei.
Also fuhr sie an einem Dienstagabend zu ihm in eine kleine Wohnung am Rande von Stuttgart, die nach Kiefernadeln und altem Eisen roch. Auch hier kein Schwefel. Nur die stille Flut eines Mannes der gelernt hatte, sein eigenes Feuer zu zähmen.
Sie aßen Suppe. Sie redeten über nichts und alles. Henrik erzählte von einem Feuergeist in Japan, der jeden Frühling Kirschblüten entzündete, und von einem kleinen Drachen in den Alpen, der Schnee schmolz, wenn er nieste. Elfriede hörte zu, strich über den Tischrand und spürte etwas, das sie seit Jahrzehnten nicht mehr gefühlt hatte:
Neugier. Nicht auf ein Tier - auf ein Leben.
"Ich habe dich gesehen, lange bevor du mich gesehen hast", sagte er leiste. "In der Wilhelma. Du bist vor Funkes Kuppel gesessen und dein Herz schlug so laut, dass ich es durch drei Wände gehört habe. Du bist nicht wie die anderen Besucher.
Du bist ein Echo. Ein Echo von etwas, das mal gebrannt hat und nie ganz erloschen ist."
Elfriede schwieg. Tränen brannten in ihren Augen - nicht aus Tauer, sondern aus Wiedererkennen.
"Ich will dich nicht besitzen", fuhr er fort. "Ich will dich nicht retten. Ich will nur danebenstehen, wenn dein Feuer wieder aufflackert. Wenn du bereit bist."
In den folgenden Wochen fuhr sie seltener zur Wilhelma. Funke war groß, mächtig und glücklich - er brauchte sie nicht mehr. Aber sie brauchte ihn noch, als Erinnerung. Einmal im Monat besuchte sie ihn, klopfte an die Scheibe und dieses Mal, nur dieses Mal, drehte er den Kopf. Seine feurigen Augen ruhten einen Moment auf ihr und ein winziger Rauchring stieg aus seinen Nüstern auf - ein Gruß. Henrik, der neben ihr standd, flüsterte:
"Er erinnert sich. Er wird dich nie vergessen. Aber er weiß, dass du jetzt woanders hingehörst."
Elfriede lächelte. Sie nahm Henriks Hand, ließ sich von ihm zur S-Bahn führen und fuhr nach Hause - in ihre stille Wohnung. Aber sie kam nicht nicht mehr alleine an, sie trug das Bild von Henriks glühenden Augen in sich, wie eine kleine Taschenlampe gegen die Dunkelheit.
Ihre Arbeit im Tierheim machte sie weiter - mit mehr Herz, als je zuvor. Sie streichelte die verängstigten Hunde, fütterte den Katzen Mut zu und eines Tages, als ein alter, tauber Kater auf ihrem Schoß einschlief, dachte sie:
Vielleicht brauch ich nur die Gewissheit, dass ich gebraucht werde.
Henrik besuchte sie manchmal am Wochenende. Sie kochten gemeinsam, er reparierte ihre kaputte Lampe und abends saßen sie auf dem Balkon und sahen den Sternen dzu. Er sagte einmal: "Die weißt, dass ich kein Mensch bin, wie andere, oder?"
Sie lachte. "Ich weiß, Deine Augen glühen"
"Henrik" sagte sie und sah ihn an, "ich habe einen Feuerdrachen aufgezogen. Ein bisschen Glut im Blick ist das Mindeste, was ich jetzt vertrage."
Sie lachten und ihre Stimmen vermischten sich mit dem Rauschen der Stadt. Die Stille in Elfriedes Wohnung war noch da, aber sie war nicht mehr laut. Sie war nur noch der Raum, in dem sie atmete - und bereit war, für alles, was kommen möchte.
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Es geschah an einem Sonntagnachmittag, als die Wilhelma besonders voll war. Elfriede und Henrik standen vor Funkes Kuppel, wie so oft und beobachteten, wie der große Feuerdrache träge einen riesigen, künstlichen Fleischbrocken verschlang - ein Geschenk eines Sponsors, der ihn mit einem speziellen, feuerfesten Präparat versorgte.
Dann stockte Funkes Atem. Sein mächtiger Hals krampfte, seine feurigen Augen weiteten sich, und ein gurgelndes, qualvolles Röcheln erschütterte die Kuppel. Die Kinder kreischten, ihre Mütter zogen sich zurück. Das Personal rannte hektisch hin und her, doch keiner wagte sich in die Nähe des zuckenden Drachens.
Elfriede erstarrte: Ihr Herz raste. "Henrik!", rief sie.
Henriks Augen glühten plötzlich grell auf, wie zwei kleine Sonnen. Er riss die Sicherheitstüre auf - das Personal schrie protestierend, aber er drängte sich an ihnen vorbei und sprang in den Innenbereich, direkt vor Funkes zitternden Kopf. Elfriede zögerte keine Sekunde, sie folgte ihm, ihre zitternden Beine trugen sie über die heißen Felsen, während die Hitze fast ihr Gesicht versengte.
"Funke!", schrie sie. "Funke, hör mir zu!"
Der Drache rollte mit den Augen, sein Maul stand halb offen und aus seiner Kehle drang ein pfeifendes, ersticktes Geräusch. Ein großer unverdaulicher Knochen aus dem Präparat hatte sich quer in seiner Speiseröhre verkeilt.
Henrik legte beide Hände auf Funkes Hals - seine Handflächen begannen zu glühen und eine sanfte, pulsierende Wärme durchströmte den Drachen.
"Du hast zu hastig geschlungen", murmelte er, "das Feuer in dir kann den Brocken nicht erreichen. Wir müssen ihn zum Niesen bringen.
"Niesen?" rief Elfriede entsetzt.
"Feuerwesen niesen, wenn sie kalte Reize bekommen. Aber hier gibt es nichts Kaltes - außer dir."
Elfriede verstand sofort. Sie riss ihren Schal vom Hals, eilte zu dem kleinen Wasserspender am Rand der Kuppel, tränkte ihn mit dem eiskalten Wasser und presste das nasse Tuch gegen Funkes Nüstern.
Der Drache zuckte, seine Flanken bebten. Sie flüsterte ihm zu, wie sie es einst getan hatte, in ihrer kleinen, verrauchten Wohnung:
"Nur noch einmal mein Großer. Nies, bitte. Für mich."
Funke bäumte sich auf. Eine gewaltiger Ruck durchfuhr seinen Körper, dann ein ohrenbetäubendes Hatschiii! - und der Knochen schoß mit einem Feuerstrahl aus seinem Maul, prallte gegen die Glasdecke und zersplitterte sie in tausend glühende Stücke. Funke atmete tief, röchelte noch einmal, dann senkte er den Kopf und leckte - mit einer überraschend sanften, feurigen Zunge - über Elfriedes Hand, die noch immer sein Gesicht hielt.
Die Menge draußen applaudierte. Das Personal war sprachlos. Elfriede aber fiel auf die Knie und schlang ihre Arme so gut es ging um Funkes mächtige Schnauze, während Tränen der Erleichterung über ihre Wangen liefen. Henrik kniete neben ihr, legte seinen Arm um ihre Schultern und sein eigenes glühendes Feuer flackerte, als müßte er sich selbst beruhigen.
"Du hast ihn gerettet", flüsterte er.
"Wir haben ihn gerettet", korrigierte sie.
Funke rührte sich nicht, als sie schließlich aufstanden und sich langsam aus der Kuppel zurückzogen. Aber, als sie die Tür schloss, sah Elfriede, wie der Drache den Kopf hob und mit seinen feurigen Augen direkt auf sie blickte - nicht gleichgültig, nicht stolz. Sondern dankbar. So wie damals, in ihrer Wohnung, als er nur eine Handvoll war.
Auf dem Heimweg in der S-Bahn lehnte sie sich an Henrik.
"Ich habe heute zum ersten Mal keine Angst vor seinem Feuer gehabt", sagte sie leise.
Henrik lächelte und seine Augen glühten sanft wie ein Kaminfeuer im Dezember. "Weil du gelernt hast, dass Feuer nicht nur zerstört, sondern auch wärmt."
Sie schwieg. Ihre Hand lag in seiner, warm und sicher.
Zu Hause in ihrer stillen Wohnung zog sie ihre nassen, rußigen Sachen aus, setzte Tee auf und setzte sich an das Fenster. Der Regen trommelte, der Kühlschrank summte - aber die Stille war nicht mehr feindlich. Sie war der Raum, in dem sie atmete und in dem nun ein zweites Herz schlug - nicht mit Feuer, sondern mit dem leisen, beständigen Puls eines Mannes, der sie verstand.
Und Funkes Bild, wie er dankbar den Kopf senkte, würde sie immer in sich tragen. Ein Drache, der sie nicht mehr brauchte - aber der sie niemals vergessen würde. Genauso, wie sie ihn niemals vergessen würde.
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Was wär eine Drachengeschichte ohne Drachenmusik!
Ich sollte mich ja freuen, aber, bevor man Bilder von anderen sich aneignet und diese dann bearbeitet und als seine ausgibt, wäre es nett, vorher zu fragen.
Erstaunt bin ich doch über die vielen Klicks, die meinen Blog erreichen und da sehe ich Posts, die ich schon lange vergessen habe.
Aber immerhin, sind sie aus der Vergessenheit zurück.
Dankeschön!













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