Tour von Metzingen nach Bad Urach, Reutlingen und wieder zurück nach Stuttgart, 2. Teil
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Weiter geht es nun mit der Radtour von Metzingen über Bad Urach nach Reutlingen.
Den 1. Teil findet man HIER.
Von Bad Urach aus bin ich denselben Weg zurückgefahren, allerdings dann eine kleine Abweichung über Dettingen an der Erms, wo ich im Backhaus mit zwei Ofenbauern gesprochen habe.
Das habe ich HIER schon mal geschrieben.
Dettingen ist eine kleine Gemeinde, ca. 12 Kilometer von Reutlingen entfernt.
Erwähnenswert ist eine Kirche und hier hatte auch wieder Graf Eberhard seine Hand im Spiel. Den habe ich diese Woche auch besucht und mein Weihnachtsgeschenk bestellt.
In Reutlingen angekommen, sind mir erst mal die Wasserspiele aufgefallen.
Ich bin vor vielen Jahren in Reutlingen immer mit meinem damaligen Mann spazieren gegangen. Aber da hat mir Reutlingen besser gefallen.
Ich glaube, ich würde mit dieser Stadt nicht warm werden.
Aber das ist meine persönliche Meinung.
Reutlingen ist eine frühere freie Reichsstadt. Sie wurde von Friedrich II. 1220 und 1240 zur Reichsstadt erhoben.
Was ist eine freie Reichsstadt?
Im 15. Jahrhundert wurden Städte des Heiligen Römischen Reiches als Freie Städte oder auch Reichsstätte bezeichnet, die im Städtekollegium des Reichstages vertreten waren. Sie unterstanden keinem Reichsfürsten sondern direkt dem Kaiser. Die freien Reichsstätte hatten zwar noch einen Bischof als Landesherrn, hatten aber Selbstverwaltungsrechte und Privilegien.
In Reutlingen gibt es sehr viele Brunnen, ich hatte aber anderes im Sinne und es gibt auch die Achalm, sie gehört zu Reutlingen.
Ich war mal vor vielen Jahren dort oben und habe die Aussicht genossen, dort hinaufzufahren, war ich wirklich zu faul. Aber was nicht ist, kann ja noch werden und es wird auch noch werden. Mein Plan mit dem Zug nach Reutlingen, hier mich nochmals ein wenig umgucken und dann auf die Achalm radeln. Das ist kein Problem, das geht und dann mal schauen, was ich noch erkunden kann.
Ob ich dann nach Hause radele, das weiß ich noch nicht. Jedenfalls möchte ich schon auf die Achalm, da war mein Vater nach seiner Ausbildung, in Ehningen unter der Achalms als Ratsschreiber angestellt, bevor er in Pfedelbach Bürgermeister wurde und dort auch meine Mutter freite, nachdem er erfahren hatte, dass der Cleversulzbacher Bürgermeister eine Tochter im heiratsfähigen Alter hat.
Also, ich könnte über all das ein Buch schreiben, langweilig wars bei den Laubs nie.
Dafür hat schon mein Vater gesorgt.
Das Tübinger Tor wurde 1235 als Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung erbaut.
Wie so oft sieht man hier Eck- und Buckelquader am Turm, die 1330 als Fachwerkaufsatz oder ein wenig später erbaut worden waren.
Das Tübinger Tor war eines von den drei für den Verkehr geöffneten Haupttoren der Stadt.
Interessant ist, dass dem Turmtor eine kleine Toranlage vorgebaut war, vor der eine Holzbrücke den heute aufgefüllten Stadtgraben überspannte.
Sogar noch im 19. Jahrhundert bewohnte ein Türmer die Wohnung über dem Turm.
Türmer konnten so von hier oben Tag und Nacht u.a. entstehende Brände überwachen.
Ein berühmter Sohn der Stadt Reutlingen ist Friedrich List u.a. auch ein Eisenbahnpionier.
Reutlingen war an diesem Tag vollkommen überlaufen und es waren jede Menge Stadtführer unterwegs.
Da war es hier am Denkmal doch ruhiger und die Leute sind an dem Denkmal vorbeigelaufen. Was mir wie so oft passiert ist, ist, dass wenn ich die Camera zücke, die Leute stehenbleiben und fragen, wer das ist.
Ich habe sie nicht unwissend gelassen.
Friedrich List ist der bekannteste Sohn Reutlingens.
Er war einer der bedeutenden Wirtschaftstheoretiker Deutschlands und gilt als Begründer der modernen Volkswirtschaftslehre. Er kämpfte für die deutsche Zollfreiheit und den Ausbau des Eisenbahnwesens.
Das Denkmal lwurde 1862 von dem Bildhauer Kietz und dem Erzgießer Howaldt geschaffen.
Erstaunlich ist, dass es den Bombenangriff von 1945 unbeschadet überstanden hat.
Das
Gebäude des Friedrich-List-Gymnasium kann auf eine 700jährige
Geschichte zurückblicken und ist somit die älteste Schule der Stadt.
Es ist ein wunderbarer Fachwerkbau.
Er war Teil der äußeren Stadtbefestigung, diese waren Teil der Zwingertürme, die eigentlichen Wehrtürme der Stadtbefestigungsanlage.
An der Turmfassade kann man noch Schießscharten erkennen. Die Zwingertürme waren durch einen unterirdischen Gang miteinander verbunden. So konnte der Wachhabende schnell von Turm zu Turm wechseln. An der Zwingermauer schloß sich nach außen der Stadtgraben an, der mit Wasser gefüllt war. Dieser wurde nach Ende der Reichsstadtzeit mit dem Abbruchmaterial der Stadtmauer aufgefüllt.
Der Eisturm verlor dadurch auch seinen militärischen Zweck und er wurde von 1877 bis 1906 als städtischer Eiskeller genutzt.
Leider kommt man an den Eisturm nicht heran, weil er durch einen Zaun nicht zugänglich ist.
Am Eisturm und an der Stadtmauer befinden sich diese idyllischen Häuschen.
Hier befindet sich auch das Stadtmauerhäuschen, das ich - wegen einer Stadtführung - nicht so recht fotografieren konnte.
Um 1700 wurde das Stadtmauerhäuschen in der Hintermauergasse erbaut. Es ist heute eine Nebenstelle des Stadtmuseums. Die Zimmer reichten bis in die Bogennischen der Stadtmauer. Es diente zur damaligen Zeit auch als Herberge für Nachwächter.
Zwinger- und Kesselturm an der alten Stadtmauer
Manchmal frage ich mich wirklich, was manche Stadtplaner so denken.
Zwischen den beiden Türmen gibt es einen Freiraum zwischen der Hauptmauer und einer vorgelagerten Zwingermauer, dies ist Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Beim Abbruch 1818 blieben hier ein Stück Hauptmauer mit Wehrturm (Kesselturm) sowie ein Stück Zwingermauer samt Rundturm stehen.
Der Zwingerturm war der östliche Eckturm der reichsstädtischen Befestigunganlage. Die Zwingermauer war verstärkt durch mehrer solcher Rundtürme mit Helmdach.
Dieses Gartentor war ein Nebentor der mittelalterlichen Befestigungsanlage.
Bis ins Jahr 1700 blieb es verschlossen und es führte keine Straße durch.
Lustig finde ich die kleinste Straße der Welt, die heiß umlagert war.
Bis ich hier ein Foto machen konnte, dauerte es fast eine Stunde. Aber ich wollte das haben. Eine Gruppe junger Männer, die - wie ich feststellte alle Ukrainer waren - haben sich dort in die Straße hineingezwängt, Aber durchgekommen ist keiner.
Die Spreuerhofstraße ist laut dem Guinnessbuch der Rektor seit 2007 die engste Straße der Welt. Sie ist an seiner schmalsten Stelle lediglich 31 cm breit.
Die Gasse entstand nach dem Stadtbrand von 1726, der Reutlingen fast zerstörte.
Im September 1726 brach im Haus des Schusters Friedrich Dürr in der Nähe der Nikolauskirche ein Feuer aus.
Man vermutet, dass er ein Rendezvous mit der Dienstmagd hatte. Sie ließ vermutlich eine Kerze durch einen Spalt im Dielenboden auf das darunterliegende Strohlager fallen. In kürzester Zeit brach ein Feuer aus und zerstörte einen Großteil der mittelalterlichen Stadt. 7.000 Bürger wurden obdachlos, aber es gab keine Verletzten, lediglich ein Todesoper war zu beklagen.
Der Spreuerhof war ursprünglich ein Getreidelager für das Reutlinger Spital.
Hier ist die Vergangenheit der mittelalterlichen Stadt noch zu sehen.
Auch interessant die Stauferstele,
was sie alles enthält, kann man HIER lesen.
Es ist die 38. Stauferstele, viele solcher Stauferstelen habe ich in verschiedenen Orten schon fotografiert.
Ich finde die Staufenstelen immer wieder interessant.
Lustig ist, dass ich am letzten Sonntag auch die Stauferstraße geradelt bin.
Wo das war, das kommt auch noch, so wie die Tour am Rhein, aber da kommen noch ein paar Touren vorher.
Fluchs noch an der Marienkirche vorbei gefahren, die nehme ich mir aber dann für das nächste Mal vor.
Da wird es aber September werden. Den haben wir ja nächste Woche schon.
Meine Schwester wird ja nächste Woche 89 Jahre alt und da werde ich ihr ein wenig helfen, das Festle zu organisieren.
Schön ist es, dass sie so ihr Leben genießt aber auch weiß, dass sie auch sterben muß. Wer ein bewußtes Leben hatte, hat keine Angst vor dem Tod, denn es nützt ja nichts, Angst zu haben. Der Tod kommt, es bleibt keiner da.
Noch schnell an der Marienkirche vorbei, die das Wahrzeigen von Reutlingen ist.
Sie war leider geschlossen, da eine Reformationskirche und dadurch eben auch evangelisch.
Ich hatte mich zu lange in Bad Urach aufgehalten, so dass für Reutlingen nicht mehr soviel Zeit geblieben ist, obwohl ich doch auch eine Weile dort gewesen bin und auch noch einen Kaffee trinken und einen Kuchen essen wollte. Aber es war so voll, dass ich darauf verzichtet habe und meinen Riegel gegessen habe.
Eigentlich wollte ich auf den Neckartalradweg, doch das ist mir nicht gelungen, eine Baustelle nach der anderen versperrte mir den Weg.
Da fährt man eben dann außen herum und sieht auch noch andere Dinge.
Ich bin ja nicht alleine vor den Baustellen gestanden. Viele Radler haben dann
die Gelegenheit genutzt, die Bahngleise zu überqueren.
Ich finde das unmöglich es gibt Grenzen.
Aber nichts ist ja unmöglich.
Ich bin dann eben den Weg über Metzingen und hier die Altstadt, die auch sehenswert ist, war aber zu faul um ein Foto vom schönen Rathaus zu machen, nach Hause geradelt und kam dann doch noch auf den Neckartalradweg und konnte sehen, wie die Erms in den Neckar mündet.
Neben vielen kleineren Zuflüssen nimmt die Erms auf ihren Weg nach Norden die Elsach und den Brühlbach auf. In Neckartenzlingen schließlich mündet die Erms in den Neckar, die schwäbische Lebensader.
Ich mag ja Flußmündungen und letzte Woche war ich sogar an der Quelle eines Flusses. Nach Neckartenzlingen, da ist meine große Schwester mit ihrem Freund in seinem schicken, roten 300er Mercedes immer gefahren.
Wenn er mit seinem roten 300er in der Olgastraße vorgefahren ist, um meine Schwester abzuholen, sind die Leute immer fast aus dem Fenster gefallen.
Da haben wir neulich so darüber gelacht.
Das ist auch heute noch ein außergewöhnliches Auto.
Das Wetter wurde leider schlechter und dunkel. Sorgenvoll blickte ich zum Himmel, aber es machte sich dann auch wieder.
Ich hatte es eilig und radelte weiter und auch hier eine Baustelle an der anderen, so dass ich ein wenig auf der Straße geradelt bin, es macht mir nichts aus und der Verkehr war auch nicht so stark.
Über Aichtal bin ich dann noch unter der Aichtalbrücke durchgeradelt.
Das Aichtal ist so ein schönes Tal mit einem Zitronenfalter nach dem anderen, die haben wieder mal "Fangerles" gespielt.
Zur Zeit gelingt es mir immer wieder sie zu fangen.
Es gibt noch viele Schmetterlinge, man muß nur die richtigen Stellen wissen.
Neulich bin ich mit meinem Freund wieder darüber gefahren, als wir eine Tour geradelt sind.
Die Aichtalbrücke ist eine von 1979 bis 1983 erbaute Straßenbrücke.
Unter der Aichtalbrücke ging es dann in Richtung Stuttgart und da habe ich noch ein paar hübsche Zitronenfalter erwischt.
Dann habe ich es noch geschafft, unterwegs in Bonlanden noch in einer Bäckerei einen Kaffee und einen Kuchen zu verschnabulieren.
In Leinfelden-Echterdingen wollte ich in die S-Bahn einsteigen, das war so geplant.
Leider habe ich vergessen, dass ab Leinfelden-Echterdingen im Moment wegen Bauarbeiten keine S-Bahn in Richtung Stuttgart fährt. Deshalb halten auch sämtliche S-Bahnen zur Zeit im Stuttgarter Hauptbahnhof oben,
Man kann ja auf Busse und Straßenbahn zurückgreifen (Schienenersatzverkehr). Aber mit dem Rad tu ich mir das nicht an.
Es war nicht geplant, dass ich zum Hauptbahnhof in Stuttgart radele, aber es blieb mir nichts anderes übrig.
Unterwegs in Stuttgart am Wasserfallweg in Richtung Marienplatz erwische es mich dann, es regnete in Strömen. Ich fand aber dennoch einen Unterschlupf.
Klar hätte ich - genug Strom hatte ich ja noch - noch nach Hause radeln können, aber dazu hatte ich keine Lust mehr. Wenns natürlich nötig gewesen wäre, hätte ich es auch gemacht, aber ich denke, es hat gereicht.
Im Hauptbahnhof in Stuttgart war wie immer, die Hölle los. Ich frage mich, was wollen die Leute alle nur in Stuttgart, das ist doch nichts los, außer Nachkriegsbauten, gell!
So, in den nächsten Tagen geht es dann auf die Achalm, da bin ich mal gespannt.
Strom brauche ich tatsächlich nicht mehr viel. Gebraucht habe ich gerade mal
50 % also leer war der Akku auf keinen Fall.
Ja, wer mit mir oder uns radeln möchte, ist herzlich eingeladen.
:-))))))
Ich habe die Tour genossen, für mich bedeutet es auch Glück, so lange Strecken zu radeln. Solange ich das mit meinen 75 Jahren noch kann, mache ich das auch.
Wie schnell das alles vorbei sein kann, habe ich gestern gesehen.
Quellen: Stadt Reutlingen, Stadtführer
Zusammenfassung
Tour am 23.07.2024
102 Kilometer
1.850 Höhenmeter
876 Climb
974 Downhill
Fahrzeit 5,5 Stunden
Gesamtkalorien 2.500 KCAL
Wetter: 16 Grad
Luftfeuchtigkeit 81 %
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