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Christiane Vulpius

Werbung Verlinkung und Hinweis auf ein Buch und Quellenangaben.
Das Buch habe ich mir selbst gekauft und bekomme keine Vergütung. 

In meinem Besitz befindet sich das Buch Christiane und Goethe von Sigrid Damm. Es schildert die Beziehung von Christiane und Goethe. Als ich unlängst aufgeräumt habe, ist es mir wieder in die Hände gefallen und ich habe das Buch nochmals gelesen. Vieles hatte ich schon vergessen.
Das Buch ist 1998 erschienen, also schon eine Weile her. 



"Nun mein allerliebster, superber, geliebter Schatz, muß mich noch ein bißchen mit Dir unterhalten, sonsten will es gar nicht gehen. Erstens muß ich dir sagen, dass ich Dich ganz höllisch lieb habe und heute sehr hasig bin;
zweitens daß ich am Montag meine Wäsche aufgeschoben habe wegen des üblen Wetters, und erst heute Nacht gewaschen wird."

Christiane Vulpius an Goethe.
Weimar den 22. Mai 1798

Was wäre Christiane Vulpius ohne Goethe gewesen?
Eine unbekannte Kunstblumenmacherin aus Weimar. Doch sie wäre auf jeden Fall sich selbst geblieben, ob mit  oder ohne den Herrn Geheimrat.

Christiane trug 28 Jahre die Alltagslast an der Seite von Johann Wolfgang von Goethe.

Bild:
Christiane Vulpius 
Grafikporträt von Goethe um 1788/98


Sie war in dieser Position unverstanden, aber sehr beneidet und deshalb angreifbar, weil sie in den Augen der Weimarer Gesellschaft "niederer Herkunft" war. Eine Schande für den großen Dichter.

Sigrid Damm hat es mit diesem 1998 veröffentlichten Buch und genauen Recherchen zum Ausdruck gebracht.

Christiane und Johann Wolfgang entstammten dem gleichen sozialen Milieu. Die Vorfahren waren Pfarrer, Juristen, Lehrer und Handelsleute.

Am 1. Juni 1765 wird Christiane Vulpius in Weimar geboren. Der Taufname lautet Christiana, mit dem sie auch später alle wichtigen Dokumente unterzeichnen wird. Ihre Familie befindet sich, wie andere bürgerliche Familien, in einer wirtschaftlichen Krise. Es gibt im Verwaltungsbereich und bei Hofe nicht genügend Arbeitsplätze und wenn, sind sie unterbezahlt.

Christianes Vater, ein studierter Jurist, bekommt schließlich nach 10jähriger Wartezeit eine Stellung als Copist bei Hofe. Das Gehalt reicht aber nicht aus, um eine sechsköpfige Familie zu ernähren.
Die Ersparnisse werden aufgezehrt und sind verbraucht.

Christiane ist sechs Jahre alt, als ihre Mutter stirbt. Die Bedingungen, unter denen sie aufwächst sind mehr als bescheiden. Ihr Bruder besucht immerhin das Gymnasium, sie aber ist für die Wirkung in der Hauswirtschaft vorgesehen.

Über einen Schulbesuch von Christiane findet sich leider kein Beleg.
Sie muß nach einer erneuten Heirat des Vaters die Halbgeschwister betreuen. Ihr Vater wird wegen Amtsvergehens aus dem Amt geworfen und die Familie gerät in eine ausweglose Situation und Christiane geht arbeiten.

Als eine der Ersten geht sie in die 1782 von Caroline Bertuch im "Haus am fürstlichen Baumgarten" eingerichtete Kunstblumenmanufaktur.
Nach dem Empfinden der Weimarer Bürgerinnen eine unmoralische Einrichtung. Sie war aber für die Familien der Frauen, die dort arbeiten konnten, ein Segen.

Im Frühjahr 1786 stirbt der Vater nun müssen Christiane und ihr Bruder, der ein Jurastudium aus der Schatulle von Herzog Carl August bekommen hat und als freier Schriftsteller arbeitet, für die Familie sorgen.

Im Sommer 1788 findet Christianes entscheidende Begegnung mit Goethe statt. Ob es nun tatsächlich am 12.Juli geschah, ist nicht belegt aber die Beiden werden dieses Datum in späteren Jahren als Hochzeitstag feiern.

Goethe hat diese Begegnung in einem Gedicht festgelegt:

Gefunden
Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.

Ich wollt es brechen,
Da sagt es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?

Ich grub's mit allen
Den Würzlein aus.
Zum Garten trug ich's
Am hübschen Haus 1).
Und pflanzt es wieder

Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.
Johann Wolfgang von Goethe
(1813)

Der 38jährige Goethe kommt von seiner Italienreise zurück und hat nicht nur Kunstschätze, sondern auch
das Erlebnis sexueller Erfüllung mitgebracht. Aus dem müden, angepassten Geheimrat ist wieder ein ungebärtiger  Künstler geworden, mit neuen Ideen und wenig Neigung zu bürgerlichen Tugenden.

Papierfoto von 2001 eingescannt,
Gartenhaus an der Ilm.

 

So lernen sie sich kennen. Ihr gefällt der leidenschaftliche Mann und große Dichter, ihm gefällt ihre natürliche, heitere Art, ihre Lebensreife und zugleich unverstellte erotische Ausstrahlung.
Das Gartenhaus an der Ilm wird zum Ort von unbeschwertem Miteinander.

Sigrid Damm schreibt
"Sie müssen ein sinnenfrohes, in der LIebe mit Phantasie begabtes Paar gewesen sein."
Sie verweist auch auf mehrere erhaltene Rechungen für Bettreparaturen aus dieser Zeit. Bis zum Frühjahr 1789 halten sie die Beziehung geheim. 
Goethe bricht im Jui 1789 mit Charlotte von Stein, dass Christiane schwanger ist, erfährt er nicht. 

Katharina Elisabetha Goethe, die Mutter Goethes erfährt erst von ihrem Enkel, als dieser schon 4 Jahre alt ist. 
Goethe bekennt sich in Weimar zu seiner Vaterschaft und lässt die Geburt des Kindes in der Jakobskirche in aller Stille legitimieren, was in seinem Lebensstil schon eine echte Provokation bedeutet. 
Schon im Herbst 1789 muß die kleine Familie vom Haus am Frauenplan, auf Anordnung der Herzogin Luise,  an den Stadtrand umziehen, in die sogenannten Jägerhäuser. 

Die wilde Ehe wird aber von Goethe weitergeführt, für Christiane ist diese Lebensform ein unter den damaligen Umständen gefährliches Risiko. Sie nimmt es bewußt auf sich weitere 17 Jahre folgen. 
Christiane klagte niemals über Nachteile. Die üble Nachrede nimmt zu, als die Familie 1792, von Goethe von seinem Freund Carl August erstritten, wieder im großen Haus am Frauenplan wohnt. 

Christiane bekommt von der Weimarer Gesellschaft, an der auch die Familien von Friedrich Schiller, Humboldt, Körner,  nicht unbeteiligt sind, Namen wie
"Mamsel Vulpius", "die von Goethes Haushälterin", "sein Küchenschatz", "Haus- und Bettschatz" seine "dickere Hälfte", das "Kreatürchen" oder auch "die Blutwurst".  
Viele der Attacken galten aber eigentlich Goethe,. 

Christiane vollbringt in diesen Zeiten, als Goethe häufig abwesend ist,  Wunder an Energie, Tatkraft und Geschick, um das große Haus mit Obst- und Gemüsegarten in Ordnung zu halten. 
Sie kümmert sich nicht nur um das Personal, sondern sorgt auch für Goethes leibliches Wohl in der Ferne. 
Wenn er sich auf seinen Reisen über die schlechte Bewirtung beklagt, schickt sie ihm schnell noch "drei Bouteillen rothen Wein" oder ein "Wildpretkeulchen".  Aber auch diese körperliche Überforderung bewahrt bei Christiane ihre Lebenslust. Ihr bereitet der Garten, die Pflanzen große Freude und sie berichtet Goethe auch in Briefen darüber. 
Goethe liebt eher den Wein, sie aber den Champagner und sie geht regelmäßig ins Theater. Sie ist fünfundvierzig Jahre alt, als sie Tanzstunden nur so zum Spaß nimmt. 

Bild:
Johann Wolfgang von Goethe,
Ölgemälde von Ferdinand Jagemann 1806


Bild:
Christiane Vulpius
Ölgemälde von Caroline Bardua, 1806


Während sie sich auch in das Finanzwesen im Hause einarbeitet und die marodierenden Soldaten von Napoleon davon abhält, das Haus am Frauenplan zu zerstören, trägt Goethe ihr, in einer Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen, im Herbst 1806, die Heirat an. 

Während Christiane dies alles erledigt, ist Goethe nur noch auf Reisen und abwesend. Er fährt zu Kuren, wendet sich seinen Werken zu und pflegt den Umgang mit jungen Frauen, so z.B. 1808 Silvie von Ziegesar. 

Über Christianes Frohnatur ist viel geschrieben worden, aber die Schattenseiten sind nicht so bekannt. 
Sie hat Angst, wenn Goethe in den Kriegsjahren auf Reisen ist, ihren großen Schmerz um die vier weiteren Kinder, die wenige Wochen oder Monate alt verstorben sind (einen Rhesusfaktor kannte damals noch niemand). Sie hatte Furcht, die auch nicht ganz unbegründet war, dass Goethe sich - sie war ja auch nicht mehr jung und abgearbeitet - einer attraktiveren und erotischeren Frau zuwendet.

Bild:
August von Goethe, das einzig überlebende Kind
von Christiane
Ölgemälde von Caroline Bardua 1807 

Link
https://de.wikipedia.org/wiki/August_von_Goethe 


Aber es gibt auch schöne Momente, sie lernt Goethes Mutter in Frankfurt kennen. Nach deren Tod bekommt sie eine große Anerkennung, mehr als in Weimar, sie regelt die gesamten Erbschaftsangelegenheiten - Herr Geheimrat ist ja wieder mal auf Reisen - von Goethes Mutter. 

Sie geht zur Kur nach Karlsbad und pflegt Freudschaften mit Elisa von der Recke und hat auch Bekanntschaften, die sich von dem Weimarer Geschwätz nicht beeindrucken lassen. 

Der Schweizer Maler Heinrich Meyer und der aus Bremen stammende Arzt und Froscher Nikolaus Meyer gehören zu ihren bevorzugten "Äugelchen". Mit ihnen bespricht sie Dinge, die sie nicht mal Goethe anvertrauen kann. 

Sie hat zwei Freundinnen, die ihr in den Monaten ihres qualvollen Sterbens beistehen werden. Das sind
die Kammersängerin Luise Rudorff, verheiratete von Knebel, die Malerin Louise Seidel und die Hofschauspielerin und Sängerin Caroline Jagemann. Sie kennen sich schon seit Kindertagen. 

Christianes Kräfte gehen zu Ende, zum einen durch die ständige Abwesenheit Goethes, er antwortet kaum auf ihre Briefe und die langen Kriegsjahre. Sie leidet an Bluthochdruck und Nierenkoliken. Ende 1814 trifft sie der erste von drei Schlaganfällen. Kurz erholt sie sich wieder, erkrankt erneut und verbringt die letzten Monate unter entsetzlichen Krämpfen und Schmerzen zu Hause.

Goethe kehrt nach langer Abwesenheit wieder zurück. Er kann das alles nicht ertragen und zieht sich in seine Wohnung zurück, Krankheit kann er nicht ertragen und den Tod schon gar nicht. 
Er meidet den Kontakt zu Christiane und inszeniert seine eigene hypochondrische Krankheit. 

Christiane stirbt am 6.Juni 1816 unter entsetzlichen Schmerzen an Nierenversagen. Goethe kann das nicht ertragen und verlässt das Haus. Sie wird auf dem Jakobsfriedhof beerdigt. Goethe ist nicht dabei, er ist wieder mal abwesend und um die Grabstelle kümmert er sich überhaupt nicht. Er träumt eher von einer großen Grabstelle mit seinem Freund Schiller. 

Aber er trauert tief um Christiane und verfasst für sie einen Grabspruch

"Du versuchst o Sonne vergebens
Durch die dünstern Wolken zu scheinen
Der ganze Gewinn meines Lebens 
Ist ihren Verlust zu beweinen."

Der Jakobsfriedhof wird im Jahr 1818 geschlossen und die Gräber wurden nach und nach eingeebnet. 
Im Jahr 1888 wird eine Erinnerungsstätte für Christiane eingeweiht, ob dort auch ihr Grabplatz ist, ist nicht bekannt. 

Christiane gebührt in ihrer Lebensleistung für den Dichter Goethe und als Frau größte Anerkennung. 

Elsa von Recke schrieb nach dem Tod von Christiane :

"Wodurch die Verstorbene sich mir empfohlen hat, ist, daß ich sie nie von anderen Böses sprechen hörte."


Quelle:
Sigrid Damm, Goethe und Christiane, Frankfurt am Main /Leipzig, 1998,
Goethes Ehe in Briefen, Gerhard Graf, Frankfurt am Main/Leipzig 1994

Ich habe mir vor vielen vielen Jahren Weimar angeschaut und war auch am Haus am Frauenplan und im Haus an der Ilm. 
Hätte ich das alles so vorher gewußt, dann hätte ich dieses Haus mit anderen Augen gesehen. 
Ich war damals auch in Buchenwald und bin die "Blutstraße" bei großer Hitze von Weimar aus gegangen und wieder zurück. Es waren damals bewegende Momente. 
Ich werde mit Sicherheit sobald es geht eine Reise nach Weimar machen und all das ganz anders sehen. 


Kommentare

  1. Guten Morgen liebe Eva,
    danke für die schöne Buchbeschreibung!
    Ich wünsche Dir einen schönen und freundlichen Wochenteiler!
    ♥️ Allerliebste Grüße,und bleib gesund,Claudia ♥️

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  2. Liebe Eva,
    eine interessante Buchbeschreibung...Weimar war schon öfter mein Ziel, doch weder das Haus an der Ilm noch am Frauenplan habe ich bislang besichtigt, dafür waren Stadtführungen und Rundfahrten sehr aufschlussreich. Weimar finde ich so charmant und so viel Kultur und Geschichte.
    Lieben Gruß und einen sonnigen Tag, Marita

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  3. Liebe Elke,
    ich sehe hier absolut keinen Widerspruch.
    Die Weimarer Gesellschaft betrachtete sie als "von niederer Herkunft" und Sigrid Damm
    scheibt, dass sie aber denselben sozialen Hintergrund hatte, wie Goethe.
    Die Weimarer Gesellschaft gönnte ihr ihr Glück nicht, aber ob das ein Glück mit dem
    Goethe war, ich hätte ihn nicht haben wollen, den ollen Kerl. :-))
    Lieben Gruß Eva

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  4. Liebe Eva,
    ganz herzlichen Dank für diese ausführliche Beschreibung einer wahrlich "großen Frau" ihrer Zeit. Bewundernswert, was sie alles erlebt und überlebt hat. Wenn man das alles weiß, sieht man auch Goethe mit etwas anderen Augen, gell.
    Schönen Mittwoch und liebe Grüße
    moni

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    Antworten
    1. Ja, das dachte ich auch, man sieht Herrn Goethe sehr anders und man merkt auch, dass er mit den Frauen nicht gut konnte. Man sieht es auch im Faust, das geht solange bis er Gretchen im Bett hat und dann..!
      https://www.stern.de/familie/henriette-hell/hell--was-wir-von-goethe-ueber-liebe--sex-und-gleichberechtigung-lernen-koennen--8411382.html
      Liebe Grüße Eva












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  5. Was wäre Goethe ohne Christiane sollte/müsste es heißen!
    Sie war es, der ich mein schönstes Weimarerlebnis 1998 verdanke, weil ich nach der Lektüre dieses Buches unbedingt ihr Grab auf dem Friedhof des Jakobskirchleins besuchen wollte und dann die Einladung erhielt, ganz hoch in den Turm zu steigen und über die schöne Stadt bis hinauf zum Ettersberg mit seinen Schrecken.
    Schön, dass du an sie erinnerst!
    Astrid

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  6. Schönen Dank für die ausgiebeige Buchbeschreibung. ich bin Goethefan und habe auch ein Buch von Sigrid Damm über Goethes letzte Reise. War schon drei mal in Weimar auf Goethes Spuren.Sehr interessant und aufschlussreich fand ich auch ein altes Buch mit Briefen von Goehtes Mutter an ihn als er in Italien weilte und an seine Frau, man bekommt Einblick in das Familienleben.
    Du hast recht, ich war in Weimar in senem Wohnhaus und auch im Park beim Gartenhaus, da bekommt man einen anderen Blick auf ihn.
    Aber auch in Ilmenau in der Jagdhütte, die er noch als 83jähriger besuchte , einen steilen Berg hoch lief.In der Holzwand ist sein Gedicht über allen Wipfeln verewigt.
    Danke auch fürs Erinnern, habe mir gleich mal die Bücher die ich über ihn habe rausgesucht. Nun hat man ja Zeit zum Lesen auf der Terrasse auch ein zweites Mal.
    Liebe Grüsse und bleibe gesund, Klärchen

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