Das lüsterne Spiel mit der Macht ist besonders fein gewürzt, je genauer man weiß,was alle anderen nicht wissen. *Christa Schyboll*

Die ME 262 und der Engelbergtunnel, das KZ in Leonberg

Werbung Verlinkungen und Ortsnamensnennung, sowie auf dem Plan ersichtliche Firmen. 


Heute gibt es einen Post, der vielleicht doch auch vielen ein wenig hilft die vergangene Geschichte aufzuarbeiten. Denn vieles habe auch ich nicht so gewußt. 
Vor allen Dingen werden die Zeitzeugen immer weniger und ich habe die Befürchtung, dass "Gras über unsere Geschichte wächst". Darum gibt es heute diesen Post. 
Er ist lang aber wer sich ein wenig dafür interssiert, der wird auch lesen.  
Für mich war es interessant und ich habe auch hier in meinem Post, den ich auch nicht von heute auf morgen geschrieben habe, vieles gelernt. Ich bedanke mich bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Vereins für Informationen und vor allem für die Veröffentlichung der Bilder und dass ich fotografieren durfte. 


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Die ME 262 ist ein von Messerschmidt konzipiertes Strahlflugzeug (das sind Flugzeuge die mittels Strahltriebwerken durch Rückstoßantrieb fliegen) und es war die Wunderwaffe, die Hitler in den letzten Jahres des Krieges noch als die Wunderwaffe gebaut hat. Wäre dieses Flugzeug ein paar Jahre früher im Einatz gewesen, der Krieg und die Geschichte hätte sich wohl verändert. Sind wir froh, dass das nicht so ist.
Technisch war die ME 262, als sie 1944 zum Einsatz kam, das modernste Flugzeug in der Welt.

Mein Neffe hat Luft- und Raumfahrttechnik studiert und hat mich hier - für diese Art von Flugzeugen - etwas infiziert. Ich weiss es sind Kriegsmaschinen, aber ich bin jedes mal doch von der Technik überrascht, die es hier gibt.
Krieg wird es immer geben und, wenn ich immer so an meine Nachbarschaftsstreitigkeiten denke, die ich auch immer wieder im Büro so erleben durfte, dann kann das - wenn nicht im Kleinen - auch nicht im großen gut gehen.

Zwischen 1943 und 1945 wurden 1344 dieser Maschinen gebaut. 

Mehr über diesen Flugzeugtyp siehst du hier:

 Schon lange wollte ich mir die KZ-Gedenkstätte im ehemaligen Autobahntunnel in Fahrtrichtung Heilbronn nach München ansehen und letzten Sonntag habe ich es endlich geschafft, mit dem Rad eine Tour nach Leonberg, gerade zu diesem Tunnel zu fahren. Es war zwar etwa regnerisch aber durchaus machbar zu fahren.



Als wir 1962 nach Leonberg in das von meinen Eltern gebaute Haus gezogen sind, sind wir immer durch diese Tunnels von Heilbronn wieder zurück nach Leonberg gefahren. Im anderen Tunnel (er ist inzwischen ja zugeschüttet, von Leonberg nach Heilbronn). Wir haben ja lange unterhalb vom Engelberg in Leonberg gewohnt und ein kleiner Spazierweg führte immer an der Autobahn entlang und man konnte die Autos beobachten, die durch diesen Tunnel fuhren.


In diesen Jahren war erst der eine Tunnel gesperrt (der Verkehr wurde einspurig durch den anderen Tunnel geführt), weil die Nazis hier die in dem Tunnel befindliche Flugzeugfabrik gesprengt hatten, damit sie den Alliierten nicht in die Hande fiel. Er etwas später wurde der andere Tunnel wieder hergestellt, so dass beide Tunnels befahrbar waren.



In diesen Tunnels wurden die Tragflächen für die ME 262 gebaut.




Im Jahr 1995 folgte dann der Bau des heutigen Engelbergtunnels, den viele bestimmt kennen und kein Mensch weiß um diese beiden Tunnels, selbst  den neuen "Leonbergern" ist es nicht bekannt. Sowas erschüttert mich immer wieder.
Auch damals als ich ins Gynmasium ging, wurde niemals erwähnt, was hier in diesen Tunnels verborgen war.  Mein Vater hat hat mir das damals aber erklärt. Informationen bekam man damals nur ganz spärlich und da mein Vater im Landratsamt Leonberg im Ruhestand tätig war, konnte er doch auch einiges recherchieren, ist aber immer wieder auf Widerstand gestoßen.





Vom Frühjahr 1944 bis April 1945 gab es in der oberen Seestraße ein von der SS geführtes Außenlager des KZ Natzweiler (Elsass). Es war mit Stacheldraht und Wachtürmen gesichert In den Baracken wurden Häftlinge aus 24 europäischen Ländern, vor allem aus Polen, der UdSSR, Frankreich Ungarn, dem Balkan und Deutschland gefangen gehalten.













Im April 1945 wurden die Maschinen abtransortiert und das Lager wegen der näherrückenden französischen Truppen geräumt. Zurück blieb ein Massengrab auf dem Blosenberg für die an den katastrophalen Haft- und Arbeitsbedingungen zu Tode gekommenen Gefangenen. Viele Leonberger versuchten, die Existenz des Lagers (übrigens bis weit in die 70er Jahre hinein) zu ignorieren und schauten weg, wenn ihnen auf den Straßen ein Häftlingszug begegnete. Einige wenige halfen den Gefangenen und riskierten dabei drakonische Strafen.

Das KZ wurde errichtet, um der Rüstungsindustrie möglich schnell und billig Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen.
Wegen der alliierten Luftangriffe hatten die Nazis die Produktonsstätten in unterirdische Räume verlegt.
Deshalb wurde der Engelbergtunnel für den Verkehr gespeerrt und umgebaut. Die Firma Messerschmidt fertigte in den beiden Tunnelröhren die Tragflächen für den Düsenjäger ME 262. Er war ein Teil des
"Wunderwaffen-Programms" von dem sich viele noch den "Endsieg" erhofften.  Dabei war der Krieg schon längst verloren.


Die Flecken auf den Tafeln sind gewollt.  Die Tafeln liegen offen und sind etwas staubig.






Ein großer Teil der Häftlinge kam aus dem KZ Dachau und dessen Außenlagern, andere aus dem
KZ Auschwitz, Flossenbürg, Sachsenhausen.
Die meisten Menschen im KZ waren Verfolgte aufgrund des herrschenden Rassenwahns oder wurden eingesperrt wegen ihrer nicht konformen politischen oder religiösen Haltung. Unter ihnen waren auch Deserteure, Zangsverschleppte und Kriegsgefangene. Die Bezeichnung "Kriminelle" und "Asoziale" dienten zur Rechtfertigung des KZ-Systems. 

In Leonberg waren auch sehr viele Juden, auch Sinti und Roma. Im Frühjahr 1944 zählte man im KZ Leonberg einige hundert Menschen, gegen Kriegsende waren es mehr als 3000. Die Essensrationen waren so gering, dass der Hunger ein ständiger qualvoller Begleiter war. Die bis auf die Knochen abgemagerten Häftlinge wurden Tag und Nacht zur Arbeit in den Engelbergtunnel getrieben. Dort mußten sie in Schichten je zu zwölf Stunden, sieben Tage die Woche arbeiten. Ein kleiner Teil der Häftlinge wurde auch zu anderen Arbeiten herangezogen, zur Entschärfung von Blindgängern nach Fliegerangriffen , zu Bau- und Steinbrucharbeiten und im Stollenbau. 



Besonders im Dezember 1944 litten die Häftlinge unter katastrophalen Haftbedingungen. Aufgrund von Überbelegung  und unzureichender sanitären Einrichtungen brachen bald Fleckfieber und Typhus aus. 
Der Tod von 389 Häftlingen ist für Leonberg nachgewiesen. Weit mehr starben. Viele der entkräfteten, kranken und ausgezehrten Männer wurden in typische Sterbelager wie
Vaihingen-Enz, Dachau und Bergen-Belsen abtransportiert. 
Überliefert sind mehrere Fluchtversuche von Häftlingen. Die meisten von ihnen wurden wieder ergriffen. Von drei Häftlingen, die in Leonberg oder anderswo erhängt wurden, sind deren Namen bekannt. Ein weiterer Häftling wurde "auf der Flucht erschossen". 
Nur wenige Tage, ehe die französischen Streitkräfte Leonberg erreicht hatten, und die verbliebenen 2700 Häftlinge hätten befreit werden können, wurden diese in Todesmärschen und Todenfahrten nach Bayern getrieben. Viele von ihnen starben dabei noch. 

Auf der rechten Seite des Tunnels steht dieses Bild. Es ist gemalt von den
Künstlern 
Louis Danicher 
und
Mike Überall

Das Bild zeigt eine bewaldete Landschaft , die ihre Geheimnisse tief in ihrer bildlichen Wildnis verbirgt. Wie ein Bindestrich unterstreicht Weiß stellenweise die lebhaften Farben.
Brüderlichkeit = Vereinigung von Energie



Ich kann Jedem nur mal einen Besuch dieses Tunnels empfehlen. Vor allem schreibe ich diesen Bericht, dass man ein wenig darüber nachdenkt, was hier geschehen ist, wenn man durch den neuen Engelbergtunnel fährt.



Wo genau das ist, kann man in Googel Maps sehen, ich zeige dir einen Link, wenn du ihn aufrufst, werden deine Daten wahrscheinlich gespeichert, deshalb überlasse ich es dir, den Link aufzurufen.



Zwischen den Zeilen habe ich Bilder eingefügt, die ein wenig dir zeigen sollen, was sich hier abgespielt habe 

Die beiden ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins haben mich freundlich begrüßt.
 Willst du das alles mal mit einer Führung machen, so habe ich dir hier einen Link eingefügt, der dich auf die Website der Gedenkstättenseite Leonberg bringt. Diese Führung ist kostenlos und führt vom Bahnhof in Leonberg zur Gedenkstätte. Diesen Weg mußen die Häftlinge damals gehen. 
Mein Bericht ist auch teilweise aus dem Flyer und der Website entnommen, die ich hier als Quelle angebe.

https://www.kz-gedenkstaette-leonberg.de/startseite/

 Beeindruckt hat mich diese Wand aus Eisen, in der die Namen der Häftlinge eingraviert wurden.






Besonders beeindruckt hat mich das Grün und die Beeren, die nun durch die Namen drängen.

Als diese Wand fertiggestellt war, hat man noch Namen von Häftlingen gefunden, die hier nicht mehr genannt werden konnten, deshalb hat man Stahlplatten mit den Namen dieser Häftlinge an diesem Gestell angebracht. Man kann sie allerdings nur noch schwerlich lesen.
Es ist Ansichtssache, ob dieses "Gestell" gelungen ist. 





Ich kann immer wieder nur erstaunt schauen, wenn viele junge Menschen gar nicht wissen, was hier geschehen ist 

Geärgert habe ich mich über eine Frau, als wir noch etwas diskutiert haben.

Sie meinte, sie könnte nicht verstehen, dass viele Menschen damals das mitgemacht haben! Ich sagte, dass ich - aus heutiger Sicht - das auch nicht verstehen kann. Aber ich nicht sicher bin, ob ich nicht auch die Hand erhoben hätte und mitgemacht hätte. Ein Diskussionteilnehmer meinte, dass das eine gute Einstellung sei, denn es gebe ja auch in der heutigen Zeit so vieles, was man nicht verstehen kann.

Diese Frau meinte dann, dass in der früheren DDR sowieso alles besser war und der
 antifaschistische Einfluß diese kaputt gemacht hätte. Ja und dann kam es nochmals geballt. Die Haftbedingungen in der früheren DDR wären sowieso alle besser gewesen.

Diese Frau war wohl noch nie in Hohenschönhausen, sie war noch nie in der Normannenstraße in Berlin und ich fragte sie auch, warum sie denn hier in Westdeutschland wohnt und ob sie das Buch "Das Leben der Anderen" gelesen hat. Daraufhin verflüchtigte sie sich ganz schnell und ward nicht mehr gesehen.





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Zusammenfassung Radtour am 2. August 2020


65,2 Kilometer
338 Höhenmeter
Maximal 441
Minimal 450
2:40 Std. Fahrzeit
Wetter 22 Grad
Luftfeuchtigkeit 65 %


Kommentare

  1. Danke für den Einblick in die Geschichte. Mit unseren Schülerinnen und Schülern gehen wir jeweils nach Dachau (die Mutter aller KZs), was auch sehr eindrücklich ist.
    In Auschwitz war ja die IG Farben an Arbeitskräften interessiert, die man ausbeuten konnte.
    Gehorsam hat schon manchen Krieg und ganz viel Leid verursacht. Wir müssen immer und besonders auch gerade jetzt fragen, ob Gehorsam die richtige Entscheidung ist. Mitmachen ist nicht für alle Menschen eine Option: Ich war mal in Hohenschönhausen und von "Das Leben der Anderen" habe ich den Film gesehen.
    Wir wollen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt? Jetzt wäre der Moment, die Weichen zu stellen.
    Liebe Grüsse zu dir
    Regula

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  2. Moin Moin Eva!

    Ich habe viel über unsere Geschichte durch die Schule, durch meine Eltern und natürlich durch mein eigenes Interesse erfahren. 2003 und 2004 war ich in Dachau und Buchenwald ...und ich erinnere, dass ich vor den Öfen so sehr geweint habe und mich kaum beruhigen konnte.
    Auch deine Reportage macht sehr betroffen und ich kann uns allen immer wieder nur wünschen, dass das NIE wieder passieren soll.

    Liebe Grüße

    Anne

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  3. Hallo Eva,
    es ist wichtig, dass man dies alles wieder und immer wieder ins Gedächtnis der Menschen zurückholt. Aber die Ignoranz ist grenzenlos. Es gibt so viele, die davon nichts wissen wollen, es als Schauergeschichten abtun. Aber wen wundert das, wenn man einen Präsidenten der USA erleben muss, der auch nur für wahr hält, was er selbst erfunden hat? Danke für diesen wirklich ausführlichen und mit deinen Fotos untermauerten Bericht. Er wäre würdig, in einer Tageszeitung abgedruckt zu werden.
    Lieben Gruß - Elke
    Ups, jetzt fehlt oben was.

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  4. Hallo Eva,
    das ist ein wirklich interessanter Bericht, der es wert wäre, in einer Zeitung abgedruckt zu werden. Es gibt inzwischen wieder dermaßen viele Ignoranten, die alles leugnen, was ihnen nicht in den Kram passt. Ich finde es gruselig, in den sogenannten sozialen Medien zu erleben, wie viele Neonazis es tatsächlich gibt, die das aber weit von sich weisen würden. Was einen aber kaum verwundern muss, wenn selbst die USA im Moment von einem Präsidenten regiert wird, der nur gelten lässt, was er selbst erfindet. Du hast dir wirklich sehr viel Mühe gemacht und den Text mit sehr informativen Fotos untermauert.
    Lieben Gruß - Elke

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    1. Danke liebe Elke,
      wir wissen noch lange nicht alles und ich kann ja auch verstehen, dass nach dem Krieg die Menschen einfach auch von all dem nichts mehr wissen wollten und alles verdrängt haben.
      ABER, inzwischen sollte man auch schon vom Elternhaus hier ein wenig geführt werden.
      Die Schule macht hier leider nicht viel, die haben ihren Lehrplan. Mehr erfährt man eben nur duch Eigeninitiative, ein Elternhaus, das sich mit der Zeut befasst und auch engagierte Lehrer.
      Ich hatte das alles, aber viel ist auch durch meine Eigeninitiative entstanden.
      Im übrigen finde ich es eine Sauerei, dass man als rechts bezeichnet wird, wenn man in gewissen Dingen anderer Meinung ist.
      Man muß nich talles wissen, aber bestimmte Dinge aus dieser Zeit gehören für mich zur Allgemeinbildung und da hapert es wirklich bei vielen Menschen.
      Liebe Grüße Eva

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  5. Liebe Eva,
    ich habe den Post ganz gelesen, Geschichte interessiert mich immer, auch dann, wenn sie so schrecklich war, schließlich ist es eben auch ein Teil der Geschichte, und den kann man nicht ausblenden.
    Ich wünsche Dir noch ein schönes Restwochenenede.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  6. Es sollte niemals vergessen sein!

    Liebe Grüße
    Andrea

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  7. eine sehr schlimme und dunkle Zeit
    und dann gibt es immer noch Menschen die das leugnen
    oder als nicht so schlimm ab tun
    man darf es nicht vergessen ..

    liebe Grüße
    Rosi

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  8. Liebe Eva,
    ein beeindruckender Bericht über eine Zeit, die gerne verdrängt werden möchte. Man sollte seine eigene Geschichte schon kennen, aber heute legt man nicht mehr soviel Wert darauf, verschiebt es in die Verganenheit und beruhigt sich damit, ist doch alles vorbei. Deine Begegnung mit der unvernünftigen Frau sagt viel aus, es gibt auch heute noch immer wieder Menschen die schamlos beteuern: Das hätte es beim Hi... nicht gegeben, der hätte kurzen Prozess gemacht. Unglaublich sowas.
    Liebe Grüße
    Edith

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  9. Vielen Dank Eva,

    dass Du Dich dieses dunklen Kapitels angenommen hast.

    LG Bernhard

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  10. Hallo Eva,
    nun habe ich den ganzen Post gelesen. Es erschreckt mich , da ich schon durch den Engelsbergtunnel gefahren bin, keine Ahnung hatte, dass es einen alten Tunnel gibt und was hier schreckliches passiert ist. Vielen Dank für diesen Post und das erinnern daran.
    Liebe Grüße Brigitte

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