Feininger, Münter, Moderssohn-Becker, Hessisches Landesmuseum Wiesbaden 1. Teil
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Es geht weiter mit dem Museum in Wiesbaden, da bin ich noch fertig und schon steht nächste Woche die Fahrt zu einem weiteren Kunstevent an.
Zwar dieses Mal nicht mit Frau Gruha aber mit einer anderen Organisation.
Aber all diese Maler und Malerinnen interessieren mich, hat es doch gerade in Wiesbaden welche dabei, die man gar nicht mehr kennt.
Noch im Januar 2026 waren wir ja mit Frau Gruha im Museum in Wiesbaden und der eigentliche Grund unseres Besuches war anlässlich des 200. Jubiläums und, dass diesem Museum die ihm über Jahrzehnte gewachsene, hochkarätige Sammlung eines Wiesbadener Mäzens testamentarisch versprochen wurde.
Ich habe ja schon von diesem Museum in Wiesbaden ein paar Posts geschrieben.
Wie ich schon berichtet habe, hat uns Frau Gruha - sie versteht ihr Handwerk und setzt sich auch voll ein und man lernt sovieles - uns durch diese Ausstellung geführt. Ich habe natürlich nicht jedes Bild fotografiert, aber doch eine ganze Menge.
Dazu möchte ich auch schreiben, dass mein Schwager sein Büro in Degerloch ganz in der Nähe von der Wohnstätte von Ida Kerkovius (von ihre zeige ich auch noch Bilder) hatte, einige Bilder von ihr in der Wohnung hängen hat, genauso wie von Erich Heckel, da bleibe ich immer ganz ehrfürchtig hängen, wenn ich bei meiner Schwester bin.
Es ist soviel, was man zu sehen bekommt, dass ich hier wieder ein paar Teile aus den Ausführungen machen werde.
Auf was ich hier nicht eingehe, sind Bilder von Gabriele Münter, die habe ich schon so oft in meinen Posts vorgestellt und werde sie bei Gelegenheit wieder vorstellen. Auch dieses Jahr werde ich das Haus in Murnau besuchen. Auch noch eine andere Künstlerin werde ich vorstellen, sie gehört leider auch zu den unbekannten Malerinnen. Leider.
Von den vielen Malern und Malerinnen, die auch der Neuen Sachlichkeit angehören, habe ich schon mal beim Besuch der Kunsthalle in Mannheim berichtet.
Dieses Angebot und diese Fülle kann eine künstliche immersive Show gar nicht bieten, deshalb halte ich mich hier fern. Wer etwas von Kunst versteht und verstehen will, verhält sich hier doch eher zurückhaltend.
Immersiv heisst ja auch:
Tiefes Eintauchen in eine künstliche oder virtuelle Umgebung, bei der der Nutzer durch Bild, Ton und Interaktion die reale Welt ausblenden und fiktive Welten als realistische erlebt.
Genau dieses Bild kannte ich bereits von Mannheim dort.
Es ist das Gemälde von Francesco Mendelssohn.
Ich finde es immer und immer wieder sehr schön, wie man durch Museumsbesuche interessante Menschen kennenlernt.
Die Künstlerin des Bildes ist leider auch in Vergessenheit geraten, wird aber immer mehr bekannt.
Ilona Singer 1905 - 1944
Geboren am 8. Juni 1905 in Budapest und gestorben am 15. Mai 1944 im Konzentrationslager Ausschwitz, gehören ihre Werke zur Neuen Sachlichkeit und Ilona Singer gehört zur Verschollenen Generation.
Große Namen wie Erich Heckel, Alexej von Jawlensky (auf ihn komme ich noch in einem besonderen Post zurück), Ida Kerkovius und Max Pechstein verleihen der Sammlung ihre Strahlkraft und bilden zentrale Positionen des deutschen Expressionismus mit seinen Künstlergruppen „Der Blaue Reiter“ und „Brücke“ ab. Selten ausgestellte Künstlerinnen wie Erma Bossi, Elisabeth Epstein oder Ilona Singer und bedeutende Skulpturen von Ernst Barlach, Gerhard Marcks, Marg Moll oder Milly Steger ergänzen die herausragende Werkzusammenstellung. In der Ausstellung wird die bewegte Geschichte der in über einhundert Jahren aufgebauten „Abteilung Klassische Moderne“ des Museums Wiesbaden reflektiert, zu deren Umfang und Qualität Schenkungen und Stiftungen beigetragen haben. Dabei wird museale Arbeit sichtbar gemacht und die Geheimnisse hinter diesen bedeutenden Sammlungszuwächsen aufgedeckt.
Als der repräsentative Neubau des Museums Wiesbaden im April 1915 eröffnet wird, ist die Kunst der Klassischen Moderne (um 1900—1950) mit ihren expressiven, abstrakten und neusachlichen Tendenzen hochaktuell und zeitgenössisch. Schon damals profitiert das Haus vom Engagement einzelner privater Personen, etwa von Heinrich Kirchhoff oder Hermann Pagenstecher, die ihre reichhaltigen Sammlungen in den Räumen des Museums dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich machten. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten ändert sich die Situation gravierend: Nach dem Zweiten Weltkrieg ist durch Beschlagnahmeaktionen des Terrorregimes von der inzwischen tatsächlich „klassisch“ gewordenen Moderne und einstigen Avantgarde kaum etwas übrig geblieben. Erneut sind es engagierte Bürgerinnen und Bürger, die mit großzügigen Schenkungen, Stiftungen oder durch testamentarische Verfügungen dazu beitragen, die Bestände wieder aufzubauen oder substanziell zu erweitern.
Nun sollen diese bedeutenden Schenkungen und ihre dahinter verborgenen Geschichten vorgestellt werden: Den Impuls dazu gab eine so umfangreiche wie qualitätvolle Kollektion zur Epoche der Klassischen Moderne, die ein Wiesbadener Privatsammler über viele Jahre hinweg zusammengetragen und dem Museum 2018 testamentarisch zugesichert hat.
Das Besondere an dieser jetzt erstmals in einer repräsentativen Auswahl vorgestellten Kollektion ist, dass sie vom Sammler präzise auf den aktuellen Bestand des Museums Wiesbaden abgestimmt wurde. Denn vor jeder Neuerwerbung stellte uns der Mäzen immer diese eine schöne Frage: „Ist das auch für das Museum interessant?“ Ja, das ist es — sogar sehr!
Was ich immer wieder mache, ist, mir von jeder Ausstellung den Ausstellungskatalog zu kaufen. Man blättert immer wieder sehr gerne darin.
Auch den Plastiken von Barlach bis Moll, werde ich einen separaten Post widmen.
Karl Schmidt-Rottluf 1884-1976Verandamorgen
1951
Karl Schmidt-Rottluff gehörte zur Künstlergruppe "Brücke" und gehört zum wichtigsen Vertreter des Expressionsmus.
Die Farben seiner Bilder und die Ausdruckskraft begeistern mich immer wieder.
Conrad Felixmüller 1897-1977
Familienbildnis Heinrich Kirchhoff
Erworben vom Museum Wiesbaden 1966
Conrad Felixmüller führte dieses sehr repräsentativ wirkende Bildnis der Familie Kirchhoff im Wohnzimmer der Villa seines Mäzens in der Beethovenstraße 10 mit Blick in den exotischen Garten aus. Die linke Bildhälfte nimmt im feinen dunkelgrünen Anzug, blauer Krawatte und mit energisch ausgestrecktem Zeigefinger der sehr aufrecht und breitbeinig dastehende Heinrich Kirchhoff (1874-1934) ein - vom Künstler charakterisiert zwischen spitzer Tanne und schrägem Fischgrätenparkett als eine kraftvolle Persönlichkeit mit "Ecken und Kanten". Die rechte Seite gehört seine Familie. Seine sitzende Frau Tony Kirchhoff (1887- 1969) hält das jüngste Kind Heinz (1919-1943) auf dem Schoß die beiden Töchter - Antonie "Tönchen" (um 1914) und Marie "Mieze" (1909-1984) umarmen sich selbst.
Conrad Felixmüller war ein Maler des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit.
Max Beckmann 1884-1950
Weiblicher Akt mit Hund
Es handelt sich um ein Ölgemälde aus dem Jahr 1927.
Ich hatte immer Schwierigkeiten mit den Bildern von Max Beckmann, der zur Berliner Secessiongehörte. Aber dazu - wie auch bei jedem Maler, muß man seine Geschichte kennen. Man muß in die Bilder und jeweils die Geschichte eines Bildes "eintauchen". Er gehörte zu dem meistgehassten Künstlern der Nazis und auch seine Bilder gehörten zur entarteten Kunst.
Blick auf die Sammlungen, die dem Museum zur Verfügung gestellt wurden.
Zum ganz rechten Bild komme ich noch.
In der Mitte des Raumes die Skulptur "Sitzende" von Louise Stomps 1900-1988.
Die "Sitzende" ist eine sehr anrührende und berührende Skulptur. Louise Stomps Werke kreisen um existenzielle Erfahrungen wie Liebe, Trauer, Hoffnung und Verlust. Ausgehend von der klassischen Moderne entwickelte sie eine Formensprache, die sich behutsam von der Figur löst. In ihren zunehmend abstrakten Arbeiten ist immer dem Mensch zentraler Bezugspunkt.
Bombenangriffe zerstören 1943 Wohnung, Atelier und den Großteil ihres bisherigen Œuvres.
Nach 1945 findet sie durch ihre eindringlichen Figuren eine neue Sprache für Kriegserfahrung, Verlust und Trauer. Stomps erfährt neue Beachtung im Berliner Kunstbetrieb – Ausstellungen und Auszeichnungen folgen.
Das Museum Wiesbaden erwarb im Jahr 2014 die ersten drei Gemälde des Malers Oskar Moll, die der impressionistischen Phase des Künstlers zwischen 1900 und 1907 zuzurechnen sind. Was weiterhin fehlte, war eines der farbsensiblen Bilder, die unter dem Eindruck von Henri Matisse entstanden sind und für die Moll bekannt ist. Nach dem Signal eines Wiesbadener Mäzens, der helfen wollte, diese Lücke in der Sammlung zu schließe, wurde Anfang 2019 über den Oskar Moll-Experten Dr. Gerhard Leistner Kontakt zu einer Sammlerin in Freudenberg aufgenommen. Diese besaß das große Stillleben, das ehemals zur Sammlung des Städel Museum in Frankfurt gehörte, bis es von den Nationalsozialisten 1938 beschlagnahmt wurde.
Erst ein Jahr später, weil sich die achtzigjährige Eigentümerin erst daran gewöhnen mußte, sie hatte ja Jahrzehnte mit dem Bild gelebt, das Stillleben für immer abzugeben, kam es dann nach Wiesbaden.
Sie bekam aber für das Original eine Replik, das man an genau die Stelle im Treppenhaus hängte, an der dieses Original zu sehen war.
Die ehemalige Eigentümerin spendete den gesamten Betrag, den sie von dem Mäzen erhalten hatte, an einen christlichen Wohlfahrtsverband.
Er gehört auch zu den Künstlern der Verschollenen Generation und ist dem Expressiven Realismus zuzurechnen.
Er wurde von den Nationalsozialisten zu einer Gefängnisstraße von 10 Jahren verurteilt, weil er bedrohten Juden zur Flucht verholfen hatte.
Unglaublich, was man immer lernt.
Wie ich immer sage, es kommt eines zum anderen.
Der Sammler Heinrich Kirchhoff, siehe oben, entwickelte sich um 1916 vom Liebhaber impressionistischer deutscher Malerei hin zur expressiven Kunst. So besaß er von Lovis Corinth mehrere Hauptwerke (das Bild folgt "Am Waschtisch) und ließ sich von Max Liebermann portretieren, nachdem der hierfür zunächst angefragte Wilhelm Trübner überraschen 1917 gestoben war. Vom dritten großen deutschen impressionistischen Max Slevogt erwarb er 1916 eine Version der beliebten "Pfälzer Landschaften", die sich heute im North Carolina Museum of Art in Raleigh befindet und deshalb für das Museum Wiesbaden unerreichbar ist.
Schräg gegenüber von Heinrich Kirchhoff wohnte der Sektfabrikant Otto Henkell, der sich nicht nur von Slevogt ausgesprochen repräsentativ im Pelzmandelt proträtieren ließ, sondern ebenfalls eine nahezu größengleiche "Pfalzlandschaft" mit demselben Ausblick besaß - es scheint, dass der Sammler den anderen dazu anregte, aus derselben Werkgruppe ein vergleichbar sommerliches Motiv bei Slevogt zu erwerben. Dieses besagte Gemälde der Familie Henkell, das zwar nicht Kirchhoff besaß, aber doch aufs engste mit ihm zusammenhängt, wurde von dem Wiesbadener Mäzen 2020 in München ersteigert und 2021 dem Museum Wiesbaden großzügig geschenkt. Erst mit diesem Bild kann das Museum die drei größten deutschen Impressionisten - Corinth, Liebermann und Slevogt - im Sammlungsrundgang und Gemälden präsentieren.
1901
Quellen: Ausstellungskatalog des Museums,
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Ich bringe heute mein Rädle zur Inspektion. Am Mittwoch gehts dann endlich auf Radtour, nicht weit weg, dazu brauche ich mehr Zeit, aber ich finde auf dieser Tour sicherlich genug Fotomotive.
Übrigens, am 24.04.2026 findet die Landesgartenschau in Ellwangen statt.
Ich freue mich drauf und bin gespannt, kann ich doch ganz bequem Ellwangen mit dem Zug erreichen. Auch von dort auch werde ich dieses Jahr wieder Touren radeln.





















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