Das lüsterne Spiel mit der Macht ist besonders fein gewürzt, je genauer man weiß, was alle anderen nicht wissen. *Christa Schyboll"

Das Waldenserdorf Pinache

Werbunge Verlinkungen und  Ortsnamensnennungen 

Wenn du meinen Blog liest, hast du bestimmt schon den Namen "Waldenser" gehört.

Berichtet habe ich schon ein paar Male davon:

https://schwabenfrau.blogspot.com/search?q=Waldenser

Ich bin schon von der Schule an mit den Waldensern aufgewachsen, denn ich hatte eine Schulkameradin, deren Vorfahren waren Waldenser und sie wohnten in Perouse, das ist ein Ort bei Leonberg und dort wohnt sie immer noch, inzwischen mit Haus und Garten. Nach Perouse möchte ich gelegentlich auch einmal radeln, denn dort gibt es auch verschiedenen interessante Dinge zu sehen, u.a wie in Mühlacker s. oben Link, den Henri Arnaud Brunnen. 

So machte ich mich im Juli an einem Sonntag auf und radelte auf dem Enztalweg in Richtung Vaihingen-Enz. Unterwegs begegnet mir dieser Storch. Ich habe mit ihm gesprochen und "Mutabor" = lat. mutare, "ich werde verwandelt werden"
gerufen, aber er hat sich nicht in einen Kalifen verwandelt.





Kennst du das Märchen vom Kalif Storch? Ich mag es sehr und mein Sohn mag es heute noch und hier wird der Begriff Mutabor auch erklärt. Wenn du näheres wissen willst, hier habe ich das Müärchen mal beschrieben. 

https://schwabenfrau.blogspot.com/2019/02/kalif-storch.html

Der Storch hat sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und hat weiter gegessen, mir wurde es dann aber zuviel und ich bin dann weiter geradelt.

 Auf dem Enztalradweg kommt man immer wieder in Unterrixingen an diesem Tor vorbei. Ich finde es sehr gut, weil es auch Teil des Rundganges ist und oben auf dem Tor dieser Mann sitzt. Er gehört aber in einen Garten.
Unterrixingen ist auch sehr interessant auch eine Kleingemeinde mit vielen schönen Fachwerkhäusern. Aber wie immer alles zugeparkt mit Autos, es ist sowas von schlimm. Ich möchte autofreie Städte.







Bis nach Vaihingen-Enz eine schöne Tour, kenne ich ja, bis ich mich dann verfahren habe und in einen tiefen, dunklen Wald gekommen bin. Grrr! Aber Ich habe den Weg trotzdem noch gefunden. Wenn mich hier ein Platten erwischt hätte, nein, nicht dran denken, am nächsten Tag hatte ich ja einen. 


Pinache wurde im Juni 1699 gegründet.
Benannt wurde es nach dem heutigen Pinascara im unteren Chisonetal (Piemont) benannt.

Der Ort wurde nach Pinache (heute Pinasca) im unteren Chisonetal (Piemont/Italien), dem Herkunftsort der Gründer, benannt. Der Anfang war sehr hart. In der Hoffnung auf ein besseres Leben zogen im Jahre 1720 viele aus Pinache nach Brandenburg und weiter bis nach Fredericia in Dänemark. Enttäuscht kehrten sie wieder nach Pinache zurück. Ein Teil von ihnen blieb in Nordhessen und gründete die beiden Waldenserorte Gewissenruh und Gottstreu.

Es ist ein hübsches Dorf und mich hat es interessiert, weil es die älteste Waldenserkirche in Deutschland hat und es noch viel mehr interessante Dinge dort gibt. 

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Quelle:

Die Waldenserkirche in Pinache ist die älteste und größte massiv gebaute Waldenserkirche Deutschlands. 1702 wurde zunächst von den Glaubensflüchtlingen eine Holzkirche erbaut. Diese war jedoch bald vom Einsturz bedroht, so dass der damalige Pfarrer Jean Giraud den Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg um finanzielle Unterstützung bat.

Durch Kollektensammlungen, vor allem in den reformierten Ländern, England, Holland und der Schweiz, wurde der Bau der massiven Kirche ermöglicht. Im Jahre 1721 wurde die Kirche fertiggestellt und eingeweiht.

Kirchenbücher wurden in Pinache und auch in Serres geführt. Ab 1705 in französischer Sprache und ab 1823 in deutscher Sprache.

Zwei Grabplatten erinnern an die beiden ersten Pfarrer von Pinache und Serres, die unter der Kanzel bestattet wurden. An der nordwestlichen Chorwand informiert die vollständig erhaltene Grabplatte in lateinischer Sprache über das Leben von Pfarrer Jean Giraud.

Reste der Grabplatte von Scipion Arnaud, einer der Söhne des berühmten Waldenserpfarrers Henri Arnaud, sind unter der Kanzel in die Wand eingelassen.

 





 

Ausserdem kann man dort auch ein sehr schönes Waldensermuseum 


Hier sieht man auch das Wappen der Waldenser



Lux lucet in tenebris - Das Licht leuchtet in der Finsternis



Alte Postkarte



besuchen und im Ort den charakteristischen Stil der Waldenserdörfer sehen, das heisst, die Hauptstraßen haben ein charakteristisches Merkmal für den Stil der typischen Waldenserdörfer in Württemberg. Die Häuser wurden mit dem Giebel zur Straße erbaut. 

 

 

Diese Bauweise wurde vom Architekt Friedrich Nette, dem Architekten von Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg geplant. 

Hier in Pinache sieht man das ganz deutlich.

Das 1847 erbaute Backhaus wird heute noch für Feierlichkeiten benutzt. Die Spezialitäten Schwarzbrot, Hefekranz, Ölkuchen, Zwiebelkuchen und Rahmkuchen werden noch heute nach alter Tradition gebacken.



 

Es gibt noch mehr interessante Dinge zu sehen, als ich dort war, war die Kirche und das Museum geschlossen, das Backhaus zugeparkt und der Brunnen der dem Pfarrer Adolf Märkt gewidmet ist, mit Tischen belegt, es war dort ein Straßenfest. Ich habe natürlich einen Kaffee getrunken und einen sehr leckeren Schokoladenkuchen gegessen. Ein Lob an die Bäckerin, selten einen so guten Schokoladenkuchen gegessen.  

Von 1888 bis 1901 war Adolf Märkt Pfarrer der beiden Gemeinden. Zu seinen großen Verdiensten gehörte sein engagierter Einsatz für den Anschluss der beiden Gemeinden an die öffentliche Wasserversorgung und sein Mitwirken bei der Gründung der Spar- und Darlehenskasse.

Wer waren nun die Waldenser?
Der Name Waldenser geht zurück auf Petrus Waldes aus Lyon. Er war ein frühreformatorischer Mahner. Er verteilte sein Vermögen 1173 an die Armen und zog als Wanderprediger durch das Land. 

Die Waldenser wurden schon 1184 von der katholischen Kirche verfolgt und wurden als Ketzer verurteilt.
Von der katholischen Kirche mit harten Strafen belegt, konnten sie sich dennoch jahrhundertelang im Untergrund behaupten.
Als Rückgrad dienten die Wanderprediger und um 1500 waren  Bergtäler der Cottischen Alpen ein wichtiges Ballungsgebiet der Waldenser.

1532 schlossen sich die Waldenser der Reformation an und gründeten 1555 eine eigene reformierte Kirche mit calvinistischer Prägung.
Diese Kirche hat in den piomontesischen Waldenserdörfern überlebt. Die Waldenser, die im Chisonetal, die französische Untertanen waren, wurden Opfer von  Ludwig XIV, als er 1685 das Toleranzedikt von Nantes aufhob und damit die Ausübung des protestantischen Glaubens verbot.
Die Waldenser aus dem Chisonetal suchten 1690 Zuiflucht in den piomentesischen Tälern, wurden aber 1698 auch von dort vertrieben. 

Zwischen 1699 und 1701 nahm Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg
2000 Waldenser und Hugenotten aus dem Chisonetal in Württemberg auf. 

Henri Arnaud hatte die ersten Kontakt mit Stuttgart geküpft und  die günstigen Aufnahmebedingungen wurden von dem niederländischen Gesandten Pieter Valkenier verhandelt. Die Waldenser durften im lutherischen Württemberg reformiert bleiben und die französische Sprache im der Schule und in der Kirche verwenden. 

Durch den Dreißigjährigen Krieg und die Franzoseneinfälle von 1688 bis 1692 waren die Waldenser sehr erwünscht, denn sie waren bescheiden und sehr genügsam. Teilweise war auch die Bevölkerung ausgerottet und die Felder lagen brach. 

Zuerst wurden die Waldenser in Sammelorten notdürftig in Blockhäusern und Versorgungsbauten der Eppinger Linien untergebracht, Bald konnten die Waldenser aber in Kolonien umziehen und nannten sich nach ihren Herkunftsorten. 

Pinache, Serres,  Perouse, Klein- und Großvillars.

Nach erfolglosen Versuchen  im Handwerk wanderten viele Hugenotten jedoch weiter. Zum Teil nach Preußen und Hessen. Auch die Seidenraupenzucht mit Maulbeerbäumen in Schöneberg war auf Dauer nicht von Erfolg.
Durch königliche Verordnung von 1823 wurden die Waldenser in die lutherische Landeskirche aufgenommen und die französiche Sprache wurde verboten, um die Integration zu beschleunigen. 

Quelle: Stadt Mühlacker und Wirnsheim, Pinache

Landschaftlich ist es eine sehr schöne Gegend, 

 





Dann ging es weiter über Serres und über Riet (hier habe ich im neuen Jahr einen Kurs gebucht um hier einiges kennenzulernen, ich hoffe, dass das klappt, wie einige andere VHS Reisen auch) und Hochdorf nach Hause zurück.
In Hochdorf habe ich kurz noch am Keltenmuseum angehalten. Hier war ich mit Brigitte letzten Sonntag und ich berichte noch davon. 

Der Fund des Keltenfürsten war der Jahrhundertfund und es ist erstaunlich, was man draus alles ersehen konnte. Es gab viele Hinweise auf die Hallstattzeit.

Ich habe auch schon oft vom Keltenweg usw. berichtet, hier in der Umgegend gibt es viele Hinweise auf die Kelten. Demnächst fahre ich auch wieder den Keltenweg. 

 https://schwabenfrau.blogspot.com/2021/04/fahrradtour-ins-siebenmuhlental-und-die.html

Fährt man von Hochdorf in Richtung Markgröningen den Klingenweg, dann kommt man an diesem alten Bauernhof vorbei. Ich wollte ihn immer wieder fotografieren und war immer dann zu faul dazu. Dieses Mal habe ich es gemacht. Drin wohnen wollte ich nicht, aber er hat schon Charme. 







Gefahrene Kilometer 72
692 Höhenmeter
390 Climb
184 Downhill
Fahrzeit 5 Stunden
Wetter bedeckt 18 Grad

Karte:


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Um nochmals auf die Hugenotten zurückzukommen, die in Frankreich auch verfolgt wurden und zusammen mit den Waldensern nach Württemberg gekommen sind. Es gibt ein wunderbares Gedicht von dem Schweizer Schriftsteller
Conrad Ferdinand Meyer

 Die Füße im Feuer von Gottfried Ferdinand Meyer.
Ich lese sehr gerne seine Gedicht und seine Schriften.
Das Gedicht ist auch von der Versform her, genial

Hier handelt es sich um ein Gedicht im feinsten
4-hebigen Jambus und im Paarraim. In einer späteren Fassung hat Meyer allerdings dann den 6-hebigen Jambus gewählt. Das Gedicht  bietet sprachliche Besonderheiten und man meint man wäre in einem Film.

Schon in der Schule habe ich Gedichtformen sehr gemocht und ich hatte auch einen Lehrer, der uns das sehr gut vermittelt hat.
Trochäus, Jambus, Alexandriner usw.

Vielleicht kennst du das Gedicht, ich mag es sehr, wenn man hier von mögen sprechen kann. Es ist die Geschichte eines Kuriers des Königs, der in einem Schloß wegen eines Unwetters übernachten möchte. Merkt aber dann, dass er schon mal hier war und die Frau des Schloßherrn, einen Hugenotten, zu Tode gefoltert hat.
Er hat Todesangst aber der Schloßherr übt keine Rache aus.
Der Schloßherr hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, über Nacht ist sein Haar grau geworden.

Das Gedicht endet mit dem Text:

»Du sagst's! Dem größten König eigen! Heute ward 
Sein Dienst mir schwer.. Gemordet hast du teuflisch mir 
Mein Weib! Und lebst!... Mein ist die Rache, redet Gott.«

Das Gedicht hat so eine sehr große Ausdruckskraft.

Ja, heute und morgen befinden wir uns auf Radtouren.



Gartenwonne
Samstagsplausch

Kommentare

  1. Un loc minunat, liebe Eva!
    Fotografii foarte sugestive si text, deasemenea! Imi place astfel de locuri cu radacini idilice si cu radacini adanci.
    Timp placut pentru calatorie iti doresc,
    Mia

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Eva,
    wieder sehr viel interessantes und schönes. Der Mann und das Bauernhaus sind meine absoluten Favoriten, ich liebe solche alte Gemäuer.
    Viele Grüße, Brigitte

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  3. Was für ein besonderer Ort. Der Rundbogen und der alte Mann sind wunderschön. Ich muss bei den nächsten Ausflügen in Orte auf die Giebel der Häuser achten. Und zu letzt noch: die Geschichte berichtet von allerlei Abscheulichkeiten. Ich hatte vor zwei Tagen ein interessantes Gespräch mit einer ehemaligen Nachbarin. Hätte ich gar nicht vermutet! Was lernen wir aus der Geschichte? - Dass wir nichts lernen. Liebe Grüsse zu dir. Regula

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    1. Hallo Regula,
      ich glaube, dass wenige aus ihrer Geschichte lernen. Jeder meint er macht es richtig und ehrlich, ich weiss inzwischen nicht mehr, was richtig oder falsch ist.
      Nur, wenn aufgerufen wird, andere auszuschließen, dann finde ich das nicht so gut.
      Anders mag und kann ich es nicht mehr ausdrücken.
      Liebe Grüße Eva

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  4. Liebe Eva,
    wieder eine sehr schöne Tour, und danke auch für diesen kurzen Abriss der Geschichte der Waldenser, die ich bisher nicht kannte, und Geschichte interessiert mich immer, habe ich ja auch schon öfters geschrieben.
    Und Fachwerk ist für mich immer sehr schön, schade, dass dieser alte Bauernhof so verfallen ist. Wenn ich solche Bilder sehe, verspüre ich immer Lust, so ein Haus zu renovieren. Mir machst soetwas Spaß und ich denke, alte Häuser sollte man erhalten.
    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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    1. Ja, alte Häuser kann man schon erhalten, aber wenn die Substanz nicht mehr erhalten werden kann, ich weiss nicht. Aber, wenn es geht, warum nicht, oftmals werfen einem aber auch die Behörden Knüppel zwischen die Beine. Denkmal- und Ensembleschutz, ich kann ein Lied davon singen.
      Schön, dass ich dir die Waldenser ein wenig näher gebracht habe. Ich mag Blogs, auf denen ich auch etwas finde, was ich nicht wußte.
      Liebe Grüße Eva

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