Das lüsterne Spiel mit der Macht ist besonders fein gewürzt, je genauer man weiß,was alle anderen nicht wissen. *Christa Schyboll*

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Radtour Heilbronn Cleversulzbach und über Weinsberg und Grantschen wieder zurück zum Wohnort

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Schon so lange wollte ich mal mit dem Rad nach Cleversulzbach fahren. 

Meine Schwester hat das in den 50ern zusammen mit ihrem damaligen Freund mit ganz normalen Rädern, wie man sie damals hatte ohne Gangschaltung usw., von Stuttgart aus auch gemacht. 

Allerdings haben sie damals in Cleversulzbach bei der Oma übernachtet und sind dann am nächsten Tage wieder nach Hause gefahren. 

Aber man muß auch bedenken, dass es damals diese Straße, wie wir sie heute haben nicht gab und ich meine, dass das damals schon eine Leistung war. 

Die Beiden sind auch mit normalen Rädern von Stuttgart aus an den Bodensee und wieder nach Stuttgart zurück geradelt auch mit ihren normalen Rädern. Sie hatten damals noch kein Auto, aber Fahrräder und das war damals schon etwas besonderes. 

Ich habe mir lange überlegt, ob ich alles radeln soll, aber nachdem ich die Höhenmeter und auch die Kilometer, die ich zusammengerechnet habe, gesehen habe, dachte ich, das machst du nicht. Hinterher hätte ich es doch geschafft. Aber das macht nichts, ich wollte das auch mal ausprobieren, denn ich werde das im Frühling oder im Sommer ausbauen und wahrscheinlich auch irgendwo dann übernachten. 

Ich bin am 27.10., einem Mittwoch, zum Bahnhof in Bietigheim geradelt und bin mit dem Zug nach Heilbronn samt Rad gefahren. Das war prima ging flott und ich habe mal die Strecke so angesehen, die ich immer wieder hinunter fahre. 

Dass ich vor ein paar Tagen genau hier, auch am Bahnhof in Heibronn, mit dem Rad gestanden bin, um nach Leingarten zu radeln, ließ mich schmunzeln. 

https://schwabenfrau.blogspot.com/2021/11/2510.html 

Dann ging der Weg in Richtung Heilbronn Innenstadt und in Richtung Neckarsulm.  Eigentlich wäre mir der Neckartalradweg lieber gewesen, aber weiß der Hecht, Komoot wußte es mal wieder besser und hat mich durch Heilbronn und durch Neckarsulm geleitet. 

ABER, ich habe auf dieser Tour soviele Dinge gesehen, die ich zwar kannte, aber noch nie gesehen habe.
Von Neckarsulm aus führte mich mein Navi durch einen wundervollen Wald nach Dahenfeld, das ist ein Teilort von Neckarsulm ist und eine richtig prickelnde Geschichte hat. 

Der Wald ist schon alleine eine Tour wert und auch dieser Lehrpfad. 




 

Von Dahenfeld ging es dann über eine recht interessante Landschaft nach Cleversulzbach. Begegnet sind mir insgesamt 5 Radler, also super und meist war ich alleine. Dann kam ich in Cleversulzbach auf einer Straße, die gleich auf den Friedhof führt, heraus.  Wer hätte das gedacht, da fahre ich meist mit dem Auto vorbei, wenn ich meine Eltern und meinen Bruder auf dem Friedhof besuche. 

Immer wieder interessant ist es auf dem Friedhof zu plauschen und viele Leute von früher, die inzwischen auch mein Alter haben, zu treffen. Aber ich habe gesehen, dass auch wieder einige Menschen, die ich kannte, gestorben sind.

Auch bei Omas Haus bin ich vorbeigekommen und habe dann auch mit dem jetzigen Besitzer wieder etwas gesprochen. Es zieht mich einfach dahin, ich kanns nicht ändern. 

Weiter ging es auf den Mörike Pfad, den ich ja so oft schon zu Fuß gegangen bin, dass ich den mal mit dem Rad mache, hätte ich nie gedacht. 








 

Aber, man mußte schon aufpassen, es war naß, glitschig und ja beim bremsen kam das Rad schon ins Rutschen, obwohl ich Stollenreifen habe. Die Blätter sind eben rutschig.

Es ging dann weiter Richtung Klingenhof in Richtung Eberstadt. 

Meine Güte, was bin ich mit der Oma diese Straße schon gelaufen in Richtung Grantschen, das liegt ca. 10,5 Kilometer von Cleversulzbach entfernt. In Grantschen wohnte die Tante Hedwig und der Onkel Erwin.
Da gehe ich weiter unten drauf ein.

Das ist eigentlich nicht viel zu laufen (das ist meist mein Walkingprogramm), aber für ein Kind mit 8 oder 10 Jahren schon und man mußte ja am nächsten Tag wieder zurück.  Die Straße war damals nicht so gut ausgebaut und es geht ganz schön den Berg hoch.
Da habe ich keinen Strom gespart.

Dort ist auch ein Steinbruch, da hat sich meine Mutter immer gefürchtet, wenn es spätabends war und sie nach Hause gehen mußte. Die Sage ging, dass dort ein Ritter umher reitet, der seinen Kopf unter dem Arm trägt.

Gleich oben beim Steinbruch besitzen wir Geschwister noch ein Stück Mischwald. 

Ich habe keinen Ritter gesehen und der Steinbruch ist heute ein Parkplatz.
Was hätte ich nur gemacht, wenn ich den Ritter gesehen hätte???

Oma und ich sind diese Strecke auch schon mit dem Traktor gefahren, um ein paar Tage in Grantschen bei der Tante Hedwig, das war eine Nichte meiner Oma, zu verweilen. 

Der Onkel Erwin, das war ein Neffe meiner Großmutter, der wohnte ebenfalls in Grantschen, hat uns damals mit dem Traktor abgeholt und dann auch wieder - samt Gepäck - nach Cleversulzbach zurückgebracht. 

Das waren noch Zeiten, als wir hinten im Anhänger mit Sack und Pack gesessen sind, heute wäre das nicht mehr möglich.

Von Eberstadt gings dann in Richtung Weinsberg, eingentlich wollte ich über den Wildenberg, da wächst der Grantschener Wildenberg, fahren, aber Komoot hatte eine andere Idee und führte mich dann über den Weissenhof und Weinsberg nach Grantschen. Tante Hedwig und Onkel Erwin hatten dort Weinberge.




 Unterwegs grüßte die Weibertreu, die Hasenmühle und diese schönen Böcke.








Klar Schafe gabs auch zu sehen. 

 

Meine Güte, wie hat sich dieser Ort verändert, das Haus meiner Tante, sieht man gar nicht mehr, so bebaut ist das alles und der Bauernhof vom Onkel, den gibt es auch nicht mehr. Die Tante Hedwig hat das alles an die Weingärtner-Genossenschaft Grantschen verkauft. 

Da gibt es gar nichts mehr, was mich hier an die Zeit erinnert, aber an was ich mich erinnern kann, war das Backhäusle und dieser Bauernhof.
Neben dem Backhäusle auf dem Bild, links das war die Schule.



 Hier sieht man die grünen Tore am Haus. Hier wurden früher Schweine drin gehalten. Die Schweine hatten weder Licht noch Luft noch Sonne. Unglaublich, mir taten diese Tier immer leid. Hier habe ich auch mal mitbekommen, wie eine Sau zur Schlachtbank geführt wurde. Die hat geschrien, das werde ich wohl mein Lebetag nicht vergessen. Schweinefleisch gab es nur bei der Oma und gegessen habe ich das nie. In meinem Elternhaus gab es auch niemals Schweinefleisch, aber auch kein Geflügel usw. in der Regel nur Rind. Allerdings bin ich dann durch ein Erlebnsi 1977 zum Vegetarier geworden und ich kann gut damit leben.

Ja, da denkt man dann doch an die Zeit in den 50ern oder Anfang der 1960er Jahre zurück. War aber alles in allem ene sehr schöne Zeit. 

Über Ellhofen ging es dann in Richtung Lehrensteinsfeld.

Amalie Karoline, so hieß meine Oma, war das jüngste Mädchen in diesem Haushalt.
Eine sehr hübsches Mädchen und auch eine hübsche junge Frau.
Sie hatte neben vielen Brüdern eine Schwester Berta, die dann später den Bürgermeister Herrmann Dorsch von Grantschen heiratete.

Tante Hedwig war das Kind von Berta und Hermann Dorsch und sie heirate dann später den Lehrer Walter Freudenberger. Er war am Eberhard-Ludwigs-Gymansium in Stuttgart Kunstlehrer und hat sehr viele Bilder gemalt und auch ein Bild für die Oma mit dem Wachturm, weil sie hier immer so Heimweh hatte. Das Bild ist heute in meinem Besitz.

Hier ein wenig zur Geschichte von Grantschen, da kann man einiges lesen.

http://www.tv-grantschen.de/index.php/test/geschichte

Oma erzählte immer, dass man von ihrem Geburtshaus den Wachturm gesehen hat, leider weiß ich nicht, wo das Haus stand, in dem sie am 4.Juni 1884 geboren wurde. Die Eltern meiner Oma waren Bauern und es gab einige Geschwister.

 

Oma mußte schon als kleines Kind mitarbeiten und hatte immer Heimweh nach Lehrensteinsfeld. Eine schöne Kindheit und Jugend hatte sie nicht.
Sie hatte in Cleversulzbach immer Heimweh nach Lehrensteinsfeld und auch nach Levi.

Über Lehrensteinsfeld habe ich auf der Radtour nach Langenburg berichtet berichtet. 

https://schwabenfrau.blogspot.com/2021/04/pedelectour-mit-brigitte-nach-pfedelbach.html

Aber, ich habe nun beschlossen Ahnenforschung zu betreiben, denn ich möchte wissen, wer meine Urgroßeltern waren und eventuell noch weiter zurück forschen kann. Dazu mußte ich aber erst mal in Lehrensteinsfeld anrufen. Im Moment haben sie beim Standesamt aber ganz andere Probleme und ich werde noch ein wenig warten. Aber ich hab schon einiges herausbekommen, es ist schon spannend. 

Hinter dem Wachturm ist ein Bürgersee und hier ist meine Oma im Winter immer Schlittschuh gelaufen und hat ihre große Liebe den "Levi" kennengelernt. Den hätte sie gerne geheiratet, doch Levi war Jude und die Eltern meiner Oma hatten da etwas dagegen, dass Oma einen Juden heiratet. Was wäre wenn,... gewesen?

Woher ich das weiß? Meine älteste Schwester hat es mir erzählt.




Levi war aus Unterheinriet, ein paar Kilometer von Lehrensteinsfeld entfernt.
Oma wurde der Umgang mit Levi verboten und ihre Schwester, die ja zwischenzeitlich mit dem Bürgermeister von Grantschen, Hermann Dorsch, verheiratet war, versuchte einen Mann für ihre Schwester zu finden. den sie auch fand. 

Hermann Dorsch und Lambert Herrmann, der Bürgermeister von Cleversulzbach waren Freunde. Lambert Herrmann suchte schon lange eine Frau. Er war viel älter als meine Oma und eines Tages kam ein "Hochzeitslader" ins Haus der Eltern meiner Oma und Lambert und Amalie wurden verkuppelt. Das war damals so. Die Oma wollte den Lambert aber gar nicht und ich weiß nicht, wie es geschah, im Juni 1903 wurde geheiratet und im Januar 1904 kam meine Mutter auf die Welt. Wer rechnen kann!!!! Freiwillig hat meine Oma das sicherlich nicht gemacht.

Ich habe mir darüber als Kind nie Gedanken gemacht, aber meine Geschwister und die konnten rechnen und sie haben die Oma immer gefragt, wie das denn so gewesen sein. Darauf reagierte sie ziemlich böse. Ich weiß nicht, was da geschehen ist, ich weiß nur, dass sie den Opa nicht wollte und ......!!!??
Es war keine gute Ehe und heute denke ich, dass Oma, nicht gar so unglücklich war, als ihr Mann 1946 an einer Lungenentzündung gestorben ist. Sie hat aber auch nie wieder über diesen Mann, der 15 Jahre älter war als sie, gesprochen.
Man hat sie mit 19 Jahren einfach verheiratet. Ich habe auch nie ein Bild vom Opa im Haus in Cleversulzbach gesehen. Das kam erst später, als die Oma 1966 gestorben ist und wir Bilder gefunden haben.

Es ist auch etwas, über das ich nicht hinweg komme und ich würde die Oma gerne so vieles fragen. Sie hatte keine schöne Jugend und Kindheit, die Ehe und erst recht nicht, als sie ins Haus meiner Eltern nach Leonberg gezogen ist. Sie verstand sich  nicht mit mir und vor allem nicht mit meinem Vater. 

Mir tut sie so leid, es war eine so gute Frau und meine Mutter mit ihren 5 Kindern hätten den Krieg nie überlebt, wenn die Oma sie nicht aufgenommen hätte. Sie hat immer für uns gesorgt und ich bin ihr sehr dankbar. Aber so nett war sie auch nicht zu mir und es kamen immer Vorwürfe, wie es mir denn einfallen könnte, als 6. Kind meiner Eltern auf die Welt zu kommen. Es haftet einen an, vielleicht lässt mich das deshalb nicht los.

Es gab auch in dieser Ehe Probleme deshalb, weil mein Opa die Kinder meiner Mutter nicht leiden konnte, er konnte nicht mal sein eigenes Kind, meine Mutter, leiden. Ich spreche zur Zeit viel mit meiner älteren Schwester und habe auch das Gefühl, dass sie vieles los werden möchte. 

Allerdings äußerte sie gestern auch Selbstmordabsichten, ich kann sie verstehen. Die Situation mit ihrem Mann, die Situation zur Zeit usw.

Meine Mutter hat immer erzählt, dass sie mit dem Kehrwisch, Schläge bekommen hat. Schon schlimm, was früher so passiert ist.
Ich bin froh, dass ich meinen Opa nie kennengelernt habe.

Über sein Leben kann man sich in dem Buch Cleversulzbach 750 Jahre, informieren. 

Man muß sich vorstellen, wie meine Mutter und ihre Kinder sich während des Krieges gefühlt haben müssen, von diesem Opa nicht gemocht zu werden.

Es ist furchtbar, wenn man so darüber nachdenkt.

Weiter ging es dann nach Lehrensteinsfeld Ober- und Unterheinriet in Richtung Abstatt und dann nach Hause.




Das Backhäusle konnte ich nicht besser fotografieren. überall parken Autos.




 

Mir hat die Tour sehr gut gefallen, die Weinberge, das bunte Laub und auch die Tatsache, ein wenig in der Vergangenheit zu schnüffeln.
Ich bin gespannt, was ich noch alles familiengeschichtlich erfahren werde.

Sicherlich werde das weiter ausbauen, und nächstes Jahr das alles wiederholen. 

Es gibt noch mehr zu erzählen und ich hoffe dann auch gelegentlich mal die Geschichte meines Vaters.  

 Einen kleine Geschichte über meinen Vater habe ich damals bei
#DARUMFRIEDEN geschrieben.

https://schwabenfrau.blogspot.com/2018/12/darumfrieden.html

Das war nun die letzte Tour im Oktober, es folgen aber noch welche im November. 


Tourenbeschreibung
Tour am 27.10.2021
88,5 Kilometer
2.409 Höhenmeter
1.191 Climb
1.219 Downhill
Wetter 7 Grad
Luftfeuchtigkeit 84 %
Reine Fahrzeit: 5 Stunden


Kommentare

  1. Hallo Eva,
    ist alles sehr interessant von dir berichtet und deine Familiengeschichte würde sicherlich schon ein Buch füllen, alles weitere dazu im nächsten Jahr persönlich.
    Ritter ohne Kopf den möchte ich auch nicht begegnen.
    Im Siebengebirge bei Königswinter gibt es das Nachtigallental und dort gibt es Höhlen dort sollen der Sage nach Drachen gelebt haben.
    Es ist sehr schön so alte Sagen zu hören.
    Das Backhaus sieht sehr gut erhalten aus.
    Gruß
    Hannelore

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  2. oh ja..
    die gute alte Zeit war meistens gar nicht so gut..
    deine Großmutter hat wohl ihre Geheimnisse mit ins Grab genommen
    und dass sie so mürrisch wurde ist ihr kaum zu verdenken
    meine Oma war auch eine "spröde" Frau
    nicht so wie man sich Großmütter vorstellt..
    mit kuscheln und Geschichten vorlesen ;)
    es war eine andere Zeit
    eine schöne Tour hast du gemacht
    wunderschön das Bild mit der Spiegelung

    liebe Grüße
    Rosi

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  3. Boahhhh, da warst du aber reich unterwegs. Zum Einen in einer sehr ansprechenden, vielfältigen Natur und zum Andern in der spannenden Vergangenheitskiste.
    In Verbindung mit so einer Radtour/bummel in der Landschaft werden alte Erinnerungen noch lebendiger und spannender. Wir sind so einmal im Jahr in der westlichen Region meines Herrchens und der östlichen Region meines Frauchens auf "Wurzelerinnerung".
    Viel Erfolg beim tiefer Schnuppern wünschen Ayka und ihre Begleiterin

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