Welch triste Epoche, in der es leichter ist, ein Atom zu zertrümmern, als ein Vorurteil. *Albert Einstein*
Gottes schönste Gabe ist und bleibt der Schwabe
Wenn ich meinen Purzelbaum machen kann,Was ficht die Politik mich an. *Eduard Mörike*

Stiftsbasilika St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, 3. Teil

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Mein Besuch in Aschaffenburg geht weiter und wir haben ja sehr viel mit der Kunsthistorikerin Frau Gruha gesehen.

Hier findet man den  

1.Teil
2.Teil 

Auch hier in meinem Bericht vom Besuch des Klosters Bronnbach wird von Aschaffenburg geschrieben. 

Auch hat sie uns die Stiftsbasilika St. Peter und Alexander in Aschaffenburg erklärt.
In dieser Kirche findet man sehr viele kunsthistorische Kostbarkeiten. 

Gebaut wieder aus Mainzer Sandstein. 







Die Stiftskirche ist in der Aschaffenburger Altstadt am sogenannten Dalberg, eingebettet zwischen Rathaus und Stiftsmuseum zu finden. Sie ist eine beliebte Anlaufstelle für Einheimische und Touristen. Früher wirkte die Kirche mit ihrer schwarzen Fassade eher einschüchternd und abstoßend, aber nach einer aufwändigen Sanierung erstrahlt sie in hellem Glanz. Man kann sie kostenlos besichtigen und es bietet sich geradezu an, wenn man schon einmal hier ist, sich den gesamten Dalberg anzusehen. Hier gibt es wunderschön restaurierte Fachwerkhäuser, schöne und sehr gute Restaurants und am Stadttheater vorbei ist man in 5 Minuten am einzigartigen Schloss Johannisburg.

Das kommt dann noch in einem anderen Post. 

Es ist eine wunderbare und malerische Kirche, die schon beeindruckt, wenn man sie im Vorhof betritt. Nur ist es nicht immer einfach, zu fotografieren, weil ständig irgend Jemand im Wege steht und manche machen das auch absichtlich.



 Die Stiftskirche ist die größte Kirche in Aschaffenburg. 
Der Kern dieser Kirche wurde im Stil der Romanik errichtet und einige weitere Bauabschnitte zeigen den Stil der Gotik. 

Romanische Kirchen erinnern an römische Architektur. Hier erinnern Rundbögen, Säulen und Pfeiler an den Stil. Die Kirchen sind oft sehr düster. auch weil die Fenster sehr klein gehalten sind. 

Das wurde auch bewußt so gemacht, damit sollten die Gläubigen einen Eindruck haben, wie es im Himmelreich aussieht. Düster eben und umso frommer muß man sein, dass es nicht so düster ist. und vor allem Ablassbriefe kaufen.
Wenn es das heute noch gebe, bin ich mir sicher, dass sich die Menschen hier auch ihr angebliches Seelenheil erkaufen würden.

Die Kirche wurde um 920 von Luidolf von Schwaben erbaut. Weitere Information findet man im Link. Es ist unmöglich das alles sich zu merken und auch zu erfassen, aber man bekommt doch einen Eindruck, was damals so los gewesen ist. 

Hier  

Sehr eindrucksvoll finde ich das Westportal an der Kirche, oben über der Tür sieht man Christus als Weltherrscher. 


 Tritt man in die Kirche ein, so ist man ebenfalls beeindruckt, man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. 


 

 

Interessant in dieser Kirche ist das ottonische (vorromanische Kunst)  Kreuz. Es ist ein bedeutendes Kunstwerk, das heute an der Nordwand hängt und gehört zu den wenigen erhaltenen ottonischen Großplastiken. 

Eine Untersuchung des Kreuzes ergab, dass das Kreuz in den letzten Jahrzehnten des 10. Jahrhunderts entstanden sein muß. Es ist damit ein wenig jünger, als das Gerokreuz im Kölner Dom.
Es ist ein einfaches Balkenkreuz, an dem der mit 195 cm Höhe leicht überlebensgroße Kruzifixus befestigt ist. 



 Hier gleich neben dem Eingang am Westportel befindet sich das Erthal-Denkmal.
Friedrich Karl Joseph Reichsfreiherr von Erthal wurde 1719 in Mainz geboren und starb 1802 in Aschaffenburg. Er war der vorletzte Kurfürst und Erzbischof von Mainz sowie Fürstbischof von Worms. In seine Amtszeit fiel der Beginn und der Untergang des alten Kurstaates und des Erzbistums Mainz. 

 

Das Denkmal wurde 1816 vollendet und wurde von Heinrich Philipp Sommer geschaffen.
Es zeigt eine allegorische Figurengruppe mit dem Genius der Religion, der für den Sterbenden den Schleier der Geschichte lüftet, während der Genius der Ewigkeit die Verdienste des Erzbischofs und Kurfürsten auf eine Tafel schreibt und ihm einen Kronreif reicht. 

Sowohl in Aschaffenburg, als auch in Mainz sind Straßen Erthal benannt., Entsprechend der weichen Mainzer Aussprache, die das harte T gerne vermeidet, auch die Schuhcreme Erdal, deren erster Fimensitz sich in der dortigen Erthal-Straße befand.

Ganz besonders interessant finde ich auch die von Hans Juncker gestaltet vorbarocke Kanzel. 








Mit der Aschaffenburger Stiftskirche verbinden viele Menschen auch die Stuppacher Madonna, die hier in einer Kopie in der Maria-Schnee-Kapelle hängt.
Sie stammt von dem berühmten deutschen Maler Christian Schad (1894-1982, es gibt in Aschaffenburg auch für ihn ein Museum, darauf komme ich dann noch zurück),
der sie von 1943 bis 1947 anfertigte. Leider kann man hier nicht hinein, weil sie eine ganz besondere Ausstattung hat.

Ein großes Eisengitter verschließt den Raum. Zudem "hingen" soviele Menschen an dem Gitter, dass ein Fotografieren unmöglich war und ich kenne ja die Stuppacher Madonna im Original. 

Ich bin praktisch mit ihr aufgewachsen, denn mein Vater war ja aus Weikersheim, ging in die Schule nach Bad Mergentheim und hier war er auch oft in Stuppach.
Ich habe die Madonna schon als Kind dort besucht und ich habe sie letztes Jahr auf einer Radtour auch besucht. Die Stuppacher Madonna hing bei meine Eltern über dem Bett (als Kopie) und heute besitzt diese Kopie meine andere Schwester.



Es ist ebenso beeindruckend und ein Bild von Matthias Grünewald. Ob man ihn kennen muß, keine Ahnung, aber die Leute aus der Gegend sollten ihn oder die Madonna schon kennen.

Wer einen Blick in diese Kapelle werfen will, schaut
HIER 

Warum heisst das Maria-Schnee? Jeder katholische Gläubige sollte es wissen.

Ich wurde schon als Kind mit dem Schneewunder konfrontiert, wurde ich ja mehr als katholisch, das geht, aufgezogen. 

Maria-Schnee-Wunder

Die älteste Marienkirche der Welt ist Santa Maria Maggiore in Rom. Ihre Gründung geht auf das Wunder des Jahrs 380 zurück, als am 5. August auf dem Esquilin in Rom Schnee lag. Die Gründungslegende von Santa Maria Maggiore besagt, dass zur Zeit des Papstes Liberius (352-366) der römische Patrizier Johannes und seine Frau ihren ganzen Besitz der Gottesmutter übergaben und sie baten, sie möge ihnen auf irgendeine Weise zu erkennen geben, wozu sie das Geld verwenden sollten. Daraufhin bedeckte am 5. August, wenn in Rom die größte Sommerhitze herrscht, über Nacht Schnee den höchsten Punkt des Hügels Esquilin. In der gleichen Nacht forderte die Gottesmutter Johannes und seine Gattin im Traum auf, sie sollten an dem Ort, den sie durch den Schneefall andeutete, eine Kirche bauen, die zu Ehren der Jungfrau Maria geweiht werden solle. Als der Patrizier Johannes dies dem Papst berichtete, sagte ihm dieser, er habe im Traum das Gleiche erfahren. Der Papst zog deshalb in einer feierlichen Prozession zum schneebedeckten Esquilin und markierte dort den Platz für die Kirche.

 Diesen Absatz habe ich
HIER
entnommen und da setze ich auch einen Link.
Denn hier wird das alles richtig gut erzählt.
Man sollte es lesen. 

In der Kirche befindet sich noch ein sehr wertvolles Bild von Matthias Grünewald.

Die Beweinung Christi. 

Das Bild ist so wertvoll, dass es hinter einer Glasscheibe hängt und
die spiegelt eben. 

Dennoch zeige ich das Bild, weil es so wunderbar ist. 


 Hier 

Anders als Dürer oder Cranach ist Grünewald (um 1480-1528) eines der größten Maler Genies der deutschen Kunstgeschichte, ein biografisches Schemen geblieben. 
1505 wird er erstmals in Aschaffenburg genannt, wo ihn bereits die beiden Vorgänger Albrechts von Brandenburg beschäftigt haben. Auch dieser schätzte seinen Stil und beschäftigte ihn als Maler, Bauleiter, Ingenieur und Kunstsachverständigen. Unter den einstmals reichen Grünewald-Beständen in Aschaffenburg befanden sich Hauptwerke wie die "Stuppacher Madonna" oder die berühmte "Erasmus-Mauritius-Tafel" in der Münchner Pinakothek. Erhalten hat sich nur die Beweinung, die einst einen Schrein verschloss, in der eine Liegefigur des toten Christus lag, die nur an hohen Feiertagen (Karfreitag, Fronleichnam,) zu sehen war. Der Schrein gehörte damals zu einem "Heiligen Grab", das Albrecht von Brandenburg für die Kapelle im Untergeschoß des Südturms gestiftet hatte. Links ist sein Wappen zu sehen, rechts das von Erzbischof Dietrich von Erbach, der die Achitektur (Reste im Stiftsmuseum) hatte errichten lassen. 

Typisch für Grünewald ist die Drastik, mit der die trauernde Gottesmutter auf ihre Hände reduziert wird. Doch vor allem deutet die grünliche Hand des Toten das Moment der Verwesung an, was sich theologisch deuten lässt. Christus war wirklich tot - umso größer das Wunder seiner Auferstehung.

 Auch sehr interessant ist das Grabmal Albrechts von Brandenburg.
Baldachin und Margarethen-Sarkophag. 1536 u. gegen 1520.

Nicht nur auf Aschaffenburg sondern auf die gesamte Kunstgeschichte besitzt die Stiftskirche seit 1541 mit dem Messing-Grabmal von Kardinal Albrecht ein herausragendes Werk, bei dem die Adaption italienischer Renaissanceformen einmal konsequent umgesetzt wurde. Zielstrebig hatte er seit etwa 1520 mit der Nürnberg Vischer-Werkstatt die besten Spezialisten dafür herangezogen. Auf vier schlanken Pfeilern mit extravaganten Kapitellen ruht der Baldachin mit lateinischer Capitalis-Umschrift, darauf Kerzenhalter, vier Leuchterengel und an der Stirnseite das Vollwappen des Verstorbenen, der jedoch 1545 in seiner Bischofskathedrale in Mainz beigesetzt wurde. Erneut zeigt die Lichterseite das Motiv der fünf Wundmale Christi, dieses Mal als Gravur. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Anlage bis 1546 im Chor der Hallenser Stiftkirche über einer verlorenen steinernen Grabtumba bereits vollständig stand. Albrecht war also als Zelebrant dort unmittelbar mit dem eigenen Tod konfroniert. Zugleich aber auch mit dem beruhigenden Gefühl, sich würdig darauf vorzubereiten. 

Der Schrein mit dem Leib der hl. Margaretha hat nicht nur hohen kunsthistorischen, sondern auch dokumentarischen Wert, weil er zu den kostbarsten Resten von Albrechts "Halleschem Heiltum" zählt, in dessen riesigen Beständen er schon 1520 belegt ist. Zahlreiche echte Gebeine wurden einer naturalistisch gestalteten Verwesungsfigur aus Holz und Wachs sichtbar eingefügt. Die Positionierung auf dem Baldachin ist ahistorisch. 






Albrecht von Brandenburg sammelte auch Gemälde, darauf komme ich dann in einem anderen Teil von Aschaffenburg noch zurück. 
Die Gemälde waren früher teilweise in der Stiftskirche untergebracht, bevor sie jetzt in der neu eröffneten Galerie im Schloss hängen. 

Eines davon, das noch in der Kirche zu sehen ist, ist die Kreuzigung von 1530
Öl auf Holz.
Das Tafelbild unklarer Herkunft war wohl ein Altarretabel, was der segmentbogige obere Bildrand nahelegt. Die fünft Stifter, von denen drei die Pelz-Almucia der Stiftkanoniker tragen, teilen den Bildraum, mit den handelnden. Doch der erste Blick des Betrachters fällt auf ein paar Knochen und die würfelnden Schergen und erinnern ihn an die eigene sündige Existenz. 
 

 

Typisch für Cranach und sein Umfeld sind die kräftige, vieltönige Buntheit oder der Rückgriff auf die vorreformatorischen Bildkonzepte, hier die figurenreiche Kreuzigung "Gedräng". Doch zeigen die Gesichter und Faltenwurf auch Anklänge an die sogenannte "Donau-Schule" um Albrecht Altdorfer und seine Nachfolger. 

Zu Cranach und seiner Cranachschule gibt es noch einen Post. 

Wie geschrieben, ich war nur einen Tag in Aschaffenburg und habe sovieles gesehen.
All das ist einen Tag lang auf einen zugekommen und man hatte schon Mühe, es zu verarbeiten.

Aber das mache ich jetzt mit einem Kirchen- und Stadtführer über Aschaffenburg, der auch meine Quelle ist, ferner auch die Inschriften an den jeweiligen Exponaten.


Es bliebe noch mehr zu scheiben über die Kirche, aber das muß man dann selbst einmal durchführen und in Aschaffenburg verweilen. Es lohnt sich, allerdings nur für Leute, die sich dafür interessieren. 

1522, fünf Jahre nach Martin Luthers berühmten 95 Thesen von 1517 - erschien in Wittenberg vor genau einem halben Jahrtausend seine deutsche Übersetzung des Neuen Testaments. Das Buch sollte die Welt verändern, weil es die theologische Grundlage für eine der größten Umwälzungen der deutschen und europäischen Geschichte wurde, die Reformation. 

Lucas Cranachs d.Ä. (1472 - 1553) Illustrationen zur "Apokalypse" des Johannes trugen hierzu bei und  machten ihn zu jenem Künstler, der wie kein zweiter mit der Reformation identifiziert wird. 

Ihr größter Gegenspieler war Kardinal Albrecht von Brandenburg, Kurfürst-Erzbischof von Mainz und als solcher Stadtherr von Aschaffenburg. Hier ließ er sich für die verbleibenden knapp fünf Lebensjahre nieder, als er 1541seine Magdeburger Bischofsresidenz in Halle wegen der Reformation mit einem Großteil seines Kunstbesitzes verlassen musste. Dieser ging weitgehend verloren, doch haben sich - abgesehen vom Magdalenen Altar im Stiftsmuseum - auch in der Stadtkirche einige bedeutende Werke der Albrecht-Zeit erhalten. 

Ich hoffe, dass ich am Mittwoch eine weitere Radtour, auch sehr interessant zeigen kann.

 

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