Das lüsterne Spiel mit der Macht ist besonders fein gewürzt, je genauer man weiß,was alle anderen nicht wissen. *Christa Schyboll*

Mahnmal der Künstlerin Sara Focke Levin

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Nördlich des Bahnhofes in Bietigheim-Bissingen, stand ab 1941 ein Durchgangslager für Zwangsarbeiter. 
Die Stadt Bietigheim hat ein Mahnmal errichtet, das an Tausende von Menschen erinnern soll, die hier viel Leid erfahren haben. 

Das Konzept des mehrteiligen Mahnmals oblag der Ludwigsburger Künstlerin Sara Focke Levin. 


Fünf Teile hat das Mahnmal 
Teil 1 ist eine analoge Außenuhr im Bereich des Busbahnhofes, die sich auf dem Boden spiegelt und rückwärts läuft. 



  Am Busbahnhof, Teil 2 a und 2 b, verwendete die Künstlerin die Glasflächen im Wartebereich, um Texte von ehemaligen Gefangenen anzubringen, das ist schlecht zu fotografieren, weil es eine Glasfläche ist.




Teil 3 a und b befinden sich in der Fußgängerunterführung vom Bahnhof zur Altstadt, dort werden Informationen zum Durchgangslager und zum Kunstwerk platziert. 















Teil 4 befindet sich nach der Unterführung und diese Skulptur, ist ein zehn Meter hoher Schildermast und das ist wohl der augenfälligste Teil. 






Teil 5 kann ich leider nicht zeigen, denn an diesem Tag war ich in Richtung Altstadt unterwegs.
Aber auch diese Station werde ich dir zeigen. Ein anderes Mal.


 Ich wurde schon vor einiger Zeit darauf aufmerksam und wunderte mich, warum auf den Schildern keine Schrift angebracht worden ist.  ABER, wenn man aufmerksam ist und sich umschaut, kann man das sehr wohl erfahren.

 Viele Menschen habe ich beobachtet, die kaum irgendwo stehenbleiben und schauen, was auf den Tafeln angebracht ist. Im Gegenteil, als ich fotografiert habe, wurden sie aufmerksam und fragen nach. Sie gingen weiter und zuckten mit den Schultern, andere zeigten mir sogar einen Vogel. "Wie kann man sowas fotografieren?" 

So ischs halt!

Die Schilder zeigen die Richtungen an, aus welchen Städten die Zwangsarbeiter kamen.

Tausende von Zwangsarbeitern wurden in Bietigheim durchgeschleust und hielten sich zwei oder drei Tage im Lager auf, wurden von Gebäuden der "Unreinen Seite" so der Bauplan, in der "Entwesungsbaracke" dem Zentrum des Lagergeländes entlaust, um dann auf der "Reinen Seite" erfasst zu werden, bevor sie dann zu ihren Zwangsarbeiterstellen weitergesandt wurden.

Der größte Arbeitgeber der Region war im Ort und das waren die
Deutschen Linoleumwerke (DLW).

Sara Focke Levin hofft, dass das mehrteilige Mahnmal, wie zufällig angebracht an Stellen, an denen man wartet oder achtlos vorüber geht, so irritiert, dass es in die Aufmerksamkeit der Passanten gerät.  

Dazu noch folgendes, meine Oma hatte auf dem Hof auch einen französischen Zwangsarbeiter, der wurde aber gut behandelt und hat er sie sogar nach dem Krieg in den 50ern mal besucht.

Er aß auch am Tisch mit und - da muß ich heute noch lachen, wenn meine Oma das immer erzählte, weil ich keinen Wirsing mag - sagte einmal, als es Wirsing gab:

"Ohhh Madame, ich nix esse von Kuh!"  


Behandelt wurden Zwangsarbeiter nicht immer sehr gut. 

Wenn ich an die Firma Bahlsen denke, die war da neulich ganz im Gespräch. 


Ein Film von Youtube, ich kann ihn leider nur so zeigen aber, wenn du Zeit hast, schau ihn dir bitte an.

https://www.youtube.com/watch?v=uqJJhMjATlg



Ich finde dieses Mahnmal sehr gelungen und da ich auch oft hier am Bahnhof bin und mein Bäcker und auch mein Florist sich dort befinden, schau ich mir das immer wieder an.
Auf viele Dinge muß man als Künstler erst mal kommen. Da bin ich immer wieder erstaunt, was 
Sara Focke Levin hier geschaffen hat. 



Kommentare

  1. Kunst die zum Nachdenken anregt erfüllt den Zweck und in der Hektischen Zeit wird so vieles übersehen. Aber wenn man mit offenen Augen unterwegs ist wie du, dann erfahren auch wir davon.
    L G Pia

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  2. Hallo,
    ein sehr interessanter Bericht, den ich gerne gelesen habe und ich habe auch den Film angeschaut.
    Man braucht ein wenig um das alles zu verdauen. Ich wohne in der Nähe und werde mir das einmal anschauen. Ich wußte zwar, dass es Zwangsarbeit gegeben hat, aber in diesem Ausmaß wußte ich es nicht. Ich finde Ihren Bericht sehr gut und auch gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit prima.
    Jetzt, wo der Geschenkewahn, der Konsum und das alles blüht, sollte man sich mal auch auf andere Dinge besinnnen. Leider ist das nicht so, besser, größer, weiter und mehr und mehr.
    Wir haben uns als Kinder mit ein paar selbstgestrickten Handschuhen und einem Apfel zufrieden gegeben. Heute???
    Ich wünsche Ihnen eine schöne Vorweihnachtszeit, ein schönes Weihnachtsfest im Kreise ihrer Lieben und vor allen Dingen ein gutes neues Jahr. Ich denke aber, wenn ich so Ihre Berichte immer lesen, dass sie das haben werden, denn sie stehen mit beiden Beinen im Leben.
    Viele Grüße E.Kammerer

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  3. Hallo Eva,

    auch ernste Schilder dürfen ruhig thematisiert werden. Es wäre schlimm, wenn die Zeit irgendwann vergessen würde. Die Künstlerin hat sich jedenfalls sehr viele Gedanken um die Darstellung des Themas gemacht. Der Schilderbaum ist sicher das markanteste der ersten 4 Objekte und die Symbolik finde ich ausgezeichnet. Bin schon auf den letzten Teil gespannt.

    Ich habe mich wieder sehr gefreut, dass du beim Schilderwald dabei bist und bedanke mich recht herzlich für deinen Beitrag.

    Liebe Grüße
    Arti

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  4. Ein sehr interessantes Mahnmal. Bevor ich deine Erläuterung las, assozierte der Schilderwald in mir viele Wege ins Nichts. Die Wege, die die die Zwangsarbeiter aus ihrer Heimat getrieben wurden. Leider haben sehr viele den Weg zurück nicht gehen können.
    Liebe Grüße!

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  5. Ein sehr beeindruckendes Posting von dir , danke dir! Das hat viel Leid vielen Menschen gebracht.
    Ich finde das sehr gut dass so was als Mahnung gemacht wurde. Ich schüttle nur den Kopf dass die Leute so waren als du fotografiert hast das. Das interessiert denen überhaupt nicht .
    Danke dass du das gezeigt hast und ich kenne einige Menschen die von der Zwangsarbeit erzählten oder die Kinder die wartenen auf ihren Vater. Selbst mein Vater war Zwangsarbeiter in Russland als junger Mann.
    Die Mahnung von der Künstlerin ist grossartig gemacht und das sollte jeder zu Herzen nehmen sich. Den Film habe ich an geschaut und den Bericht.
    Lieben Gruss Elke

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  6. habe hier heute viel gesehen und gelernt, möge es ein guter Tag für dich werden, Klaus

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  7. Die sich spiegelende und rückwärts laufende Uhr finde ich besonders beeindruckend... Bei den Schildern dachte ich zuerst, sie symbolisieren, dass die Verfolgten nicht wussten, wohin sie gehen würden... Ein beklemmendes Gefühl... Danke fürs Vorstellen.

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  8. Liebe Eva,
    auch Du hast heute "ernstere" Schilder im Beitrag, ähnlich wie bei mir heute auch.

    Ein beeindruckendes Kunstwerk in all seinen Teilen zu der Gesamtheit dann zusammenzukommen, ich finde das sehr beeindruckend.
    Das mit dem Stehenbleiben, Schauen, Zeit haben und vielleicht drüber nachdenken ja das ist wirklich ein Problem der heutigen Zeit.
    Nun bin ich gespannt auf den letzten Teil, sende Dir liebe Grüße
    Kirsi
    P.S. Über die Bahlsenerbin kann ich nur den Kopf schütteln, aber so ist das wohl wenn man sich ins gemachte Nest setzt ... und einfach nicht drüber nachdenkt woher das alles gekommen ist und wie es sich weiter entwickeln soll.

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  9. Liebe Eva,
    ein sehr beeindruckendes und dazu noch mehrteiliges Kunstwerk. Deine Infos habe ich gerne gelesen, denn jetzt weiß ich, warum die Schilder leer sind. Das wirkt so stark, man bekommt Gänsehaut, gell.
    Liebe Grüße
    moni

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  10. Lass Dich bitte nicht weiter beirren. Ich finde es wirklich gut und richtig, dass Du wider das Vergessen berichtest und diesem Mahnmal hier bei Dir Raum gibst. Danke für das Teilen!
    Mit liebem Gruß, Ev

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  11. Das Schild hat einen sehr traurigen Hintergrund - hoffen wir dass sich solche Zeiten NIEMALS wiederholen

    lg gabi

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