Treschklingen und Gemmingen-Hornberg
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An einem Sonntag noch im Februar habe ich mich entschlossen, mit dem Fahrrad nach Treschklingen zu fahren.
Schließlich mußte ich ja auch endlich mal mein Deutschland-Ticket abfahren.
Ich wollte in Neckarsulm starten, aber da ist der Aufzug wohl immer noch nicht in Ordnung und hier ist auch keine Information verfügbar.
Also habe ich den Bahnhof in Bad Friedrichshall ausprobiert und hier war auch alles in Ordnung.
Es schwebt immer über einem, was man machen soll, wenn der Aufzug defekt ist.
Es ist mir schon ein paar Mal passiert, aber, es gibt eine Lösung. Also nicht verzagen, die Leute fragen.
Von Bad Friedrichshall bis nach Treschklingen sind es etwa 12 Kilometer, die nicht nennenswert schwierig sind.
Man fährt auf dem Neckartalradweg nach Bad Wimpfen und durch den Ort, Es geht hier ein wenig den Berg rauf, aber das kann man bewältigen.
Von Bad Wimpfen habe ich ja schon so oft berichtet und da gibt es auch noch einiges mehr, was ich mir noch per Rad ansehen möchte.
Schön ist es immer wieder den Blick auf Bad Wimpfen und den Blauen Turm und den Roten Turm zu sehen.
Hier befindet sich ja auch die Stauferpfalz, die ein einzigartiges Denkmal einer glanzvollen Epoche ist. Die als Gesamtensemble erhaltene Altstadt liegt hoch über dem Neckar.
Hätte ich etwas zu sagen, würde ich den Autoverkehr hier total untersagen. Es ist nicht schön, was es hier an Autos gibt.
Bad Wimpfen hat unterhalb der Stadt auch einen Bahnhof, er ist der einzige Bahnhof in Süddeutschland, der im neugotischen Stil erbaut wurde.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Bad_Wimpfen
Treschklingen, noch nie gehört und auch nichts davon gewußt.
Erfahren habe ich das von der Volkshochschule, die hier vor ein paar Wochen eine Exkursion veranstaltet hat. Mir war das zu teuer und ich wußte auch nicht, wie ich mit dem Auto dahinkommen soll. Soviel fahr ich auch nicht mehr mit dem Auto und möchte es auch nicht.
Also habe ich mir das selbst vorgenommen und ich habe da einiges erfahren.
Trechklingen wurde erstmals 1232 urkundlich erwähnt. Bis ins 15. Jahrhundert kann dieser Ort einen Ortsadel nachweisen. Um 1538 fiel der Ort von den Herren von Helmstatt an die Herren von Gemmingen-Hornberg.
Reinhard von Gemmingen war ein bekanntes Mitglied dieser Familie. Er baute die evangelische Kirche und 1588 ein dreistöckiges Schloss, das 1693 von den Franzosen zerstört wurde.
Das Herrenhaus aus dem Jahre 1806 steht inmittel eines landwirtschaftlichen Betriebs. 1806 wurde Treschklingen badisch und gehörte zum Bezirksamt bzw. Landkreis Sinsheim und seit der Kreisreform von 1973 gehört Treschklingen zum Landkreis Heilbronn.
Treschklingen ist seit 1971 ein Stadtteil der Stadt Bad Rappenau.
Ich weiß nicht, ob ich dort wohnen wollte.
Aber, wenn man alteingesessen ist und auch ein Auto zur Verfügung hat, ist es wohl nicht so schlimm. Aber man braucht wirklich für alles ein Auto.
Ein Bus fährt zwar, aber auch nicht immer und überall hin.
Freifrau Ronja von Gemmingen-Hornberg hat mir das und vieles andere erzählt.
Ich wußte schon, was es hier zum Anschauen gibt. Eine wunderschöne Kirche und ein Mausoleum.
Die Kirche zog mich in ihren Bann und ich unterhielt mich mit zwei Personen, die des Wegs angelaufen kamen.
Hoch erfreut war ich, als sie mir gesagt haben, dass ich doch mal im Schloß klingeln soll und Ronja würde mir sicherlich die Kirche zeigen.
Wohlgemerkt, es war 11:00 Uhr und Sonntag. Kann man da beim Adel klingeln?
Und da hat man doch auch noch was anderes zu tun, als hergelaufenen Radfahrern die Kirche zu zeigen.
Nun gut, ich habe mir ein Herz gefasst und geklingelt.
Die Türe ging auf und eine so liebenswerte und nette Frau schaute heraus.
Es war Ronja von Gemmingen-Hornberg.
Ob ich wohl einen Hochknicks machen muß?
Sie holte den Schlüssel der Kirche und ging mit mir zur Kirche hinüber.
Dort erzählte sie mir zur Kirche ein paar Dinge. Die Kirche sollte dringend renoviert werden, sonst wird sie geschlossen. Veranschlagt sind wohl 800 000 Euro, das sollte man doch aufbringen können.
Die Glocken der evangelischen Kirche Treschklingen.
Tja, das ist halt so, dass, wenn man mal anfängt zu renovieren, eines zum anderen kommt und alles in allem doch teurer wird.
Ich habe HIER eine Informationsseite und die kann man sich bei Bedarf anlesen.
Es ist interessant. Dieses kleine Kirchlein mit seinem wundervollen Innenleben wurde
1582 erbaut.

Freifrau Ronja von Gemmingen-Hornberg und ich haben uns noch eine Weile sehr nett unterhalten.
Dazu kamen noch die Kinder, eine Freiin und ein Baron.
Richtig nett.
Man kann sich vorstellen, was ich für Luftsprünge gemacht habe, dass ich in diese Kirche durfte.
Das Ehepaar, das ich neulich im Leudelsbachtal auf dem Parkplatz kennengelernt habe und mit dem ich am Samstag eine Führung im Leudelsbachtal hatte, hat in dieser Kirche geheiratet.
Es gibt in Treschklingen noch einen kleinen Marktplatz, ein Pfarrhaus und ein altes Rathaus. Dieie Higankirsche hat gerade geblüht.

Etwas weiter in Richtung meiner Tour habe ich noch einen Besuch auf dem Friedhof abgestattet. Hier steht auch das Mausoleum der Freiherren von Gemmingen.
Natürilch konnte ich nicht in das Mausoleum reingehen, aber ich habe ja neulich ein Mausoleum besucht, da schreibe ich auch noch etwas drüber.
Das Mausoleum hat auch eine sehr interessante Geschichte.
Auf dem Friedhof steht auch noch ein Denkmal für die beiden Weltkriege.
Da habe ich auch darüber nachgedacht, dass es vielleicht bald einen Krieg geben wird. Die Zeichen stehen auf Sturm.
Wenig später erreichte ich Fürfeld, ich kannte diesen Ort gar nicht und nun ist mir klar, warum eine Straße in Stuttgart so heißt, die Fürfelder Straße im Stadtteil Rot.
Grins, das war auch mal mein Bezirk, als ich noch gearbeitet habe.
Ich bin durch Fürfeld durchgefahren und habe gesehen, dass es hier ein Schloß gibt.
Na, es war nicht weit entfernt, man radelt ja gerade auch dran vorbei.
Ich habe eine junge Frau dann gefragt, was das für ein Schloß ist, die guckt mich an und wußte gar nicht, dass es hier ein Schloß gibt, dabei sieht man das doch. Sie wohnt wohl schon eine Weile hier, aber dass es ein Schloß gibt, hat sie nicht gewußt.
Ich erlebe vieles, wenn ich unterwegs bin und staune nur noch.
Aber ich wußte es ja auch nicht, wohne aber auch nicht dort.
Das Schloß konnte man nicht besuchen, wollte ich auch nicht.
Hier gibt es einige interessante Informationen und wieder spielte der pfälzische Erfolgekrieg eine Rolle.
Tja Melac hat sich auch im Kraichgau herumgetrieben und alles platt gemacht.
Das Wetter wollte nicht so, wie ich wollte und der Himmel wurde dunkler aber es regnete wenigstens nicht.
In Richtung Massenbachhausen kam ich wieder mal an einem Kurzifix vorbei.
Genau steht es an der L 1107, Richtung Fürfeld und Leutersteiner Höfe.
Es ist ein schlichtes Holzkreuz mit Schriftsockel und wurde in den 1970er Jahren dort angebracht.
Meistens halte ich dann dort und verbeuge mich und bedanke mich für mein schönes Leben und, dass es mir gut geht.
Unterwegs in Richtung Massenbachhausen gab es sogar einen Schnullerbaum.
Massenbach, das ein Stadteil von Schwaigern.
Das Schloß ist im Besitz der Freiherr von Massenbach´schen Waldstiftung.
Ich weiß nicht, ob ich hätte rein gehen können, aber da es nun angefangen hat ganz ordentlich zu regnen, hatte ich auch keine Lust dazu und habe eine Unterstellmöglichkeit gesucht.
Vielleicht besuche ich das Schloß nochmals im Sommer, aber was ich alles machen will, da werde ich wohl nicht mehr fertig.
Die Unterstellmöglichkeit habe ich dann außerhalb von Massenbach auf einem Bauernhof (Marienhöfe) gefunden, aber nur hatte ich nicht bedacht, dass hier das Dach undicht ist und ich dennoch im Regen stand. Bis ich dann endlich mein Regenzeugs hervorgezogen habe, hatte es auch gehört zu regnen.
Von hier aus geht ein Radweg direkt nach Leingarten. Der Weg ist bestimmt schön, wenn es nicht regnet und der Radweg sauber ist. Hier war er verschlammt und dreckig, ist halt so. Als ich dann in Leingarten angekommen bin, dachte ich, dass ich hier doch schon mal war. Ja, als ich nach Schluchtern bzw. Schwaigern und Eppingen gefahren bin. Das fliegt einem der Dreck nur so um die Ohren, ich mag das!
Na, alle Wege führen nach Rom.
So und nun gings über die Hohe Warte in Richtung Nordhausen und Brackenheim und hier besuchte ich wieder Theodor Heuss, den ersten Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.
Das weiß heute auch kein Mensch mehr, oder? Aber ein Griff nach dem Handy und schon hat man die Information.
Vor allen Dingen auch, dass sich Theodor Heuss sich für die Beibehaltung der deutschen Nationlhymne eingesetzt hat. Sie war ja durch die Nazis missbraucht worden, deshalb singt man auch heute nur noch den dritten Vers.
Der Text ist von Hoffmann von Fallersleben und die Melodie ist von Joseph Haydn.
Er hat es mit Texten von Lorenz Haschka zum 29. Geburtstag von Franz II. geschrieben und jeweils wurde es dann an den jeweiligen Herrscher angepasst.
"Gott beschütze Franz den Kaiser"
Heuss ist in Brackenheim geboren und ich habe damals den o.g. einen Post über ihn geschrieben. Seine Frau war Elly Heuss-Knapp und beide wurden von Albert Schweitzer am 11. April 1908 in der Straßburger Wilhelmskirche getraut.
Albert Schweitzer kam direkt von einer Entbindung und roch steng nach Lysol und vertauschte den Arztkittel rasch mit dem Talar. Das Paar war ohne Ehe-Urkunde vor dem Altar erschienen und Schweitzer soll sich geweigert haben, die beiden zu trauen.
Doch Elly sprach ihn an, dass er doch ein gutes Herz habe.
"Ihr seid das Salz der Erde". Es ist ein Spruch aus dem Matthäus-Evangelium.
Schweitzer hat seine Traurede darauf aufgebaut. Es ist wohl keine Schönwetterrede gewesen. Schweitzer sprach von den beiden die "viel empfangen und viel zu geben hätten" und er mahnte sie, dass eine Ehe nicht bedeute, füreinander, sondern miteinander für etwas zu leben.
Ich war ja schon öfters in Brackenheim und auch schon im Theodor-Heuss-Haus, das ich jedem empfehlen kann und bin lange vor diesem Denkmal, das der
Künstler, Karl-Henning Seemann entworfen hat.
Ich kenne den Papa Heuss noch und er war so ein bodenständiger Politiker.
Ob man das noch mit heute vergleichen kann, weiß ich nicht.
Wer kennt das Heuss Haus in Stuttgart?
Ich bin lange vor dieser Skulptur gestanden und habe ihn gefragt, was er wohl sagen würde, wenn er unsere Politiker und das alles, was zur Zeit geschieht, sehen könnte.
Er blieb mir eine Antwort schuldig.
Über Brackenheim und Bönnigheim, Erligheim und Löchgau gings dann nach Hause, wo es noch ein paar nette Blümchen zu sehen gab.
Die Wolken wurden hin und her geschoben, es wurde immer dunkler und es tröpfelte.
Aber "no ristk no fun".
Zusammenstellung
Tour am 25. Februar 2024
75 Kilometer
1.642 Höhenmeter
876 Climb
766 Downhill
3,5 Stunden Fahrzeit
Gesamtkalorien: 2.200 KCAL
Wetter 5 Grad, bedeckt
Luftfeuchtigkeit 77 %
Morgen gibt es wieder "Musik am Samstag" und darauf freue ich mich.
Eine Führung habe ich morgens nochmals im Leudelsbachtal und am Sonntag geht es wieder auf das Rad.
Bald wird die Sommerzeit eingeläutet und da kann ich endlich wieder weiter weg radeln gehen, mit dem gelben Zug fahren und hoffen, dass Aufzüge in Ordnung sind.
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