Die Meistersinger von Nürnberg an der Oper Stuttgart
"Fanget an!"
singt Hans Sachs, seines Zeichens Schumacher in Nürnberg der gerne Gedichte schreibt und der Kunst zugetan ist.
Overtüre
Richard Wagners Meistersinger von Nürnberg sind mit viereinhalb Stunden reiner Spieldauer eine der längsten Opern des Repertoires, die warten mit 17 Solo-Partien auf, gelten manchen als deutsche "Nationaloper", verhandeln Kunstregeln des 16. Jahrhunderts in einer musiktheatralen Grußform des 19. Jahrhunderts und verbinden Kunst, Politik, Religion, Liebe und Ressentiments zu einer bemerkenswerten Melange.
Gesine Völlm meint:
Für mein Gefühl ist das ein ideales deutsches Völkchen. Nürnberg steht sozusagen idealtypisch für Wagners "liebe Deutsche", die er mit Humor und Kennerschaft betrachtet, deren schwache Seiten und deren Aggressionspotenzial er aber durchaus auch kennt. Gleichzeitig erhebt sich Wagner in der Figur von Hans Sachs zu einer Leitfigur, die weiß, wie dieses Völkchen zu steuern und zu manipulieren ist. Aber zunächst sind die Meistersinger meines Erachtens ein beeindruckendes Porträt der deutschen Mentalität, das auch heute noch ziemlich gültig ist - leider.
Die sind verführbar, genau, anspruchsvoll, auch opportunistisch, wenn´s drauf ankommt, und feige - gleichzeitig aber auch voller Humor, Hilfsbereitschaft und irgendwie auch herzensgut. In dieser Meisterriege zeigt sich eine Riesenbandbreite von Charaktereigenschaften, die je nach Pendelschlag in die eine oder andere Richtung ausschlagen können.
WIE RECHT SIE DOCH HAT!
Ich habe diese Oper schon oft gehört, gesehen im Fernsehen, aber noch nie in einer Aufführung in der Oper. So war ich doch gespannt und die ersten beiden Akten haben mich voll in ihren Bann gezogen.
Als dann der Vorhang zum dritten Akt aufgegangen ist, habe ich nur noch den Kopf geschütteln. Nein nicht, dass hier die Darsteller in einer Art Sträflingskleidung tot am Boden lagen und Paul Celan die Todesfuge zitiert hat.
Nein, mich hat gestört, dass dann im nächsten Aufzug die Tribüne des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg aufgestellt war.
Ich war nun schon zweimal in Nürnberg u.a. auch auf dem Reichsparteitagsgelände und ich möchte nochmals hin, bei Gelegenheit mit und ohne Rad.
Nürnberg hat so einiges
Hier an dieser Tribüne hat Hitler immer seine Parteitage abgehalten und hier, als Bühnenbild spielte sich schon einiges ab.
Als dann noch so eine Art "Reichsadler" heruntergeschwebt kam und Walter von Stolzing (er hat hier sein Preislied gesungen) als Sieger mit diesem entschwebt ist, war es bei mir zu Ende.
Mich störte auch das gehört natürlich zur Oper:
"Wacht auf!"
Man kann das SO oder auch SO auffassen.
Meiner Ansicht gehört diese Tribüne absolut nicht in diese Oper, sie ist schon genug behaftet.
Worum geht es in dieser Oper:
Es geht um den Schuhmacher-Poeten Hans Sachs, der als einer von 12 Meistersingern immer weiter in das Zentrum rückt, er wird dann zum Kunstkönig.
Es geht um einen Gesangswettbewerb, der Preis ist sich die Tochter des reichsten Mannes von Nürnberg zu ersingen. Allerdings kämpfen hier nicht alle mit fairen Mitteln und Regeln.
Ganz gewiß nicht Sixtus Beckmesser.
Es geht hier um die Frage, wie das Neue in die Kunst/Welt kommt und darum, dass das Neue manchmal auch das Alte sein kann.
Es geht um Zusammenhang von Kunst und Gesellschaft und um das Zusammenspiel von Popularität und Populismus. Es geht um das Schreiben, es geht um Schönheit, um Überwältigung und es geht um Richard Wagner.
Wagner fasste den Plan zu den Meistersingern gleich nach dem 1845 fertiggestellten Tannhäuser. Den dort stattfindenden "Sängerkrieg auf der Wartburg" wollte er in ein heiteres Satyrspiel überführen.
Richard Wagner war Antisemit, aber das war Luther auch und zwar einer von der schlimmsten Sorte. Aber das will ja keiner wissen, ist ja Kirche. Ich habe schon einiges darüber in meinem Blog geschrieben.
Die Damen blieben in dieser Aufführung leider etwas im Hintergrund.
Esther Dierkes als Eva und Maria Theresa Ullrich als Magdalena
versuchten ihr Bestes, aber konnten mich nicht überzeugen.
Aber auch die anderen Darsteller von Hans Sachs, Martin Ganter und Walter von Stolzing = Daniel Behle, konnten mich nicht überzeugen.
Lediglich Sixtus Beckmesser = Björn Bürger, das war tatsächlich DER Beckmesser.
Was nun der brennende Kinderwagen sollte, das war mir schleierhaft, sollte er etwa den Untergang Deutschlands darstellen. Da könnte ich mit SO und SO schon vorstellen. Vielleicht war es auch Hans Sachs als Baby, das Baby das ganz am Anfang der Oper getauft wird?
Elisabeth Stöppler die Regisseurin konnte mich ebenfalls mit diesem Werk nicht überzeugen. Frauen sind halt speziell, das merke ich immer wieder.
Richard Wagner hat sich an Albert Lorzings Oper "Hans Sachs" bedient und es ist in diesem Fall auch keine biedermeierliche Komödie. Was mit Fliederduft
Sixtus Beckmesser ist immer wieder der Auslöser der Gewalt, ihm will Stolzing im 2. Akt an das Leben.
"Der Merker? Er in meiner Gewalt?/Drauf zu! Den Lung´rer macht ich kalt!"
Ob man nun der Leseart, Beckmesser sei eine antisemitische Karikatur anhängt, oder nicht, dass er in einer Art und Weise zu leiden hat, wie kein anderer von Wagners Antagonisten, ist kaum bestreitbar.
Sixtus Beckmesser
Übrigens diese Harfe haben nur die Zuschauer gesehen, die in der 1. Reihe gesessen sind. Ein wunderschöner Klang.
Im Gegensatz zu so finsteren Gestalten wie Alberich, Mime, Hagen und Klingsor hat sich Wagner dem kläglichen Nürnberger Stadtschreiber gegenüber auch nie in irgendeiner Form mitleidig erwiesen, wie er es sonst als "Orpheus alles heimlichen Elends" (Nietzsche) zu tun pflegte."
Wahn! Wahn! Überall Wahn!
König Ludwig II. schreibt an Richard Wagner am 30. November 1866
"Vor 2 Stunden eingetroffen, beispielloser Jubel! Von hier aus wollen Deutschland wir erlösen,
Wo Sachs gelebt und Walther siegreich sang.
In Trümmern singt das nicht´ge Werk der Bösen,
Das tück´sche Spiel den Finstern nicht gelang.
Durch Dich erhebt er sich, der ach so tief gesunken.,
Der einst so allgewaltig deutsche Geist,
Dein Odem fachet Flammen aus den Funken,
Dein Zauberwort ihn neu entstehen heißt.
Der, der in Segenswerk den "Wahn" gewendet,
Sein trauter Gruß von Walther heut entsendet.
Walther von Stolzing"
Was nun die Vögel, die immer wieder das alles durchzogen haben, habe ich mir dann später erlesen.
Die Vögel und ihr Gesang durchziehen immer wieder den Text - angefangen bei den Meisternamen Kunz Vogelsang, Konrad Nachtigal und nicht zu vergessen: Nikolaus Vogel der kranke Meister , Walther von Stolzing bezieht sich auf den Minnesänger Walther von der Vogelweide, in seinem ersten Lied-Versuch singt er von den Vögeln des Waldes, von Eulen, Raben, Elstern, Krähen und Dohlen, die ihn nicht Meister werden lassen wollen - um schließlich selbst zum Phoenix zu werden, der mit goldenen Flügeln der Asche entsteigt.
"Ehrt Eure deutschen Meister," lauten die letzten Worte von Hans Sachs, die vom Volk wiederholt werden,
"dann bannt Ihr gute Geister!"/Und gebt Ihr ihrem Wirken Gunst, /zerging´in Dunst/ das Heil´ge Röm´sche Reich,/uns bliebe gleich/die heil´ge deutsche Kunst!"
Nun was heisst das:
Wenn alles politische Streben sich im Wahn zerrieben hat, dann bleibt immer noch die Kunst. In diese verflüchtigt sich der Wahn.
Kein Kommentar von mir!
Bewahrt das Feuer
und auch das Licht
daß niemand
kein Scha´d geschicht.
Nachtwächter, Meistersinger von Nürnberg, Zweiter Aufzug
Bis in die Kriegszeit hinein nahm Hitler an den Bayreuther Festspielen teil.
"Immer, wenn in Bayreuth die Götterburg unter musikalischem Aufruhr brennend in sich zusammenstürzte, ergriff Hitler im Dunkel der Loge die Hand der neben ihm sitzenden Frau Winifred und verabreichte ihr bewegt einen Handkuss", schreibt Joachim Fest (er hat u.a. hervorragende Biographien über Hitler und Speer geschrieben, auch sie stehen in meinem Bücherschrank) unter Berufung auf Speer. Hitler bekannte, dass Richard Wagner der einzige Vorgänger gewesen sein, den er akzeptieren könne. Auf den Reichsparteitagen in Nürnberg wurden die versammelten Funktionäre sogar per Erlass zur Teilnahme an den Aufführungen von Wegners Meistersingern verpflichtet. Die Versatzstücke der NS-Idiologie wimmeln von Wagnerschen Bildern, die allerdings zur Beschreibung des NS-Weltbildes uminterpretiert werden mussten.
Zwar haben Hitler und Goebbels die Strukturierung des Jahreszyklus bewusst in Parallele zum christlichen Kalender entworfen und sich dabei auch der Pathosformeln des christlichen Kultus bedient, aber die Umwandlung des christlichen Kultus, in der Wagner den christlichen Kult für seine Bühnenstücke ausbeutete.
"Die Träne quillt,
der Bleistift hat mich wieder!"
Richard Wagner nach Cosima Wagners Tagebucheintrag vom 23.10.1882
Mein Ausführung habe ich aus dem Programmheft
"Die Meistersinger von Nürnberg",
das auch meine Quelle ist.
Es ist wieder einmal so schön gestaltet ist, dass ich nur staunen kann.
Auch die Bilder, die ich hier zeige sind aus diesem Programm.
Für 5 Euro bekommt man hier schon eine ganze Menge.
Ich hatte den Platz 4 im Parkett, also wieder die 1. Reihe und vor mir dirigierte Cornelius Meister. Er war ganz bei der Sache und ihn zu beobachten, wie auch das Staatsorchester (GENIAL, sowie der Staatsopernchor) beim Blick in den Orchestergraben, ist schon ein Genuß, wenn ich manchmal auch nicht wußte, wohin ich schauen sollte. Es war ganz schön was los!
Cornelius Meister verlässt als Generalmusikdirektor leider die Oper Stuttgart, woher er geht, weiß ich nicht. Jedenfalls ist es schade, aber es gab wohl Meinungsverschiedenheiten.
Mein lieber Schwan 4 1/2 Stunden spielen und dirigieren, zwar mit jeweils 2 Pausen, also insgesamt 6 Stunden, das ist eine Leistung. Aber auch als Zuschauer braucht man Sitzfleisch. Ich bereue es nicht, diese Aufführung gesehen zu haben, wenn der Platz auch wieder mal recht teuer war.
Aber das ist es mir wert.
Auf jeden Fall war der Beifall des Publikums frenetisch und die Kritik des Bayerischen Rundfunks kann ich so nicht nachvollziehen.
Wie es auch immer ist, WAGNER war ein Genie. Ich hatte eine Nebensitzerin, die das erste Mal eine Wagneroper angeschaut hat. Sie war aus Baden-Baden und fährt extra nach Stuttgart um die Meistersinger anzuschauen.
Übernachtet allerdings dann bei einer Bekannten in der Gegend.
Man muß sich schon mit Wagner beschäftigen und fängt dann auch mit einer etwas weniger schweren Oper an.
Alle Achtung, das hätte ich nicht gekonnt. Aber geklascht hat sie wie eine Wilde.
Leider, der Mittwoch aber nächste Woche der sieht sehr gut aus und da werde ich eine Tour radeln, wohin, das weiß ich noch nicht.
Aber es ist doch tatsächlich so, dass egal, was man wählt, die sind sind alle alle gleich und schaffen in die eigene Tasche.
Aber es ist auch keine Option, wer das Recht hat wählen zu gehen, sollte es auch tun.


















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